{"id":151,"date":"2015-06-27T18:42:30","date_gmt":"2015-06-27T16:42:30","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=151"},"modified":"2015-06-27T18:42:30","modified_gmt":"2015-06-27T16:42:30","slug":"eisbaerenabitur-oder-kant-fuer-anfaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/2015\/06\/eisbaerenabitur-oder-kant-fuer-anfaenger\/","title":{"rendered":"Eisb\u00e4renabitur \u2013 oder: Kant f\u00fcr Anf\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<h1>Eisb\u00e4renkinderabitur<\/h1>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/eisbaerenfamilie.jpg\" width=\"600\" height=\"450\" alt=\"Eisb\u00e4renfamilie\"><\/div>\n<p>\n&#8222;Tante Atti, Onkel Kulle, k\u00f6nnen wir heute bitte Abitur spielen?&#8220;\n<\/p>\n<p>\nAthabasca und Kulle sahen einander verwundert an. Was war wohl jetzt wieder in Nanuk gefahren?\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Wie kommt ihr denn auf die Idee?&#8220; wollte Atti wissen.\n<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/atti.jpg\" width=\"440\" height=\"376\" alt=\"Athabaska\"><\/div>\n<p>\n&#8222;In ganz Dehland finden jetzt m\u00fcndliche Abiturpr\u00fcfungen statt, haben wir in der Zeitung gelesen. Wenn man die besteht, darf man studieren. Das wollen wir auch machen!&#8220;\n<\/p>\n<p>\nKulle sch\u00fcttelte sanft den Kopf. &#8222;Man muss auch schriftliche Pr\u00fcfungen bei den Menschen bestehen, wenn man studieren will. Aber das nur nebenbei. Ihr braucht diese Voraussetzungen nicht: Hier in B\u00e4renleben d\u00fcrft ihr studieren, wozu immer ihr Lust habt!&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Das wissen wir doch, Onkel Kulle! Aber wir m\u00f6chten so gerne spielen&#8230;.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Na gut! Tante Atti und ich werden uns eine Aufgabe f\u00fcr euch ausdenken. Da ihr aber zweifellos kl\u00fcger seid als die Menschen, werden wir euch nur mit Material versorgen. Die Aufgaben dazu m\u00fcsst ihr euch selbst \u00fcberlegen. Mit dem Material d\u00fcrft ihr euch zwanzig Minuten lang besch\u00e4ftigen, und danach folgt eine Pr\u00fcfung von einer halben Stunde. Einverstanden?&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Super, Onkel Kulle! Wir sind jetzt gleich bei Mami im Wasser. Sagt uns Bescheid, wenn ihr fertig seid.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nUnd schon sausten zwei wei\u00dfe Blitze davon zum Dorfteich.\n<\/p>\n<p>\nAthabasca bot Kulle ein paar frisch gepfl\u00fcckte Kr\u00e4uter an und erkundigte sich: &#8222;Was wollen wir den beiden geben? Du hast doch bestimmt schon eine Idee, du Schlaumeier!&#8220;\n<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle7.jpg\" width=\"480\" height=\"360\" alt=\"Kulle\"><\/div>\n<p>\nEs gab nur einen B\u00e4ren auf der Welt, genauer gesagt, eine B\u00e4rin, von der sich Kulle despektierlich &#8222;Schlaumeier&#8220; nennen lie\u00df. Atti war die Frau seiner Tr\u00e4ume, seit er sie kennengelernt hatte. Deshalb bedankte er sich artig f\u00fcr den vegetarischen Imbiss und sagte: &#8222;Kant. Kurz und knackig. Da ist alles drin und alles draus zu machen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nAtti mopste sich ein paar Rucolabl\u00e4tter aus Kulle Faust und nickte zustimmend. &#8222;Gute Idee. Aber bitte gek\u00fcrzt.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Versteht sich. Die Kleinen werde auch so genug zu knabbern haben.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nKulle trollte sich in die Bibliothek und kam wenig sp\u00e4ter mit bedrucktem Papier zur\u00fcck.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Nanuk!&#8220; rief er.\n<\/p>\n<p>\nVoller Begeisterung sprangen die Zwillinge ans Ufer, sch\u00fcttelten sich das Wasser aus dem Fell und griffen nach den Zetteln.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Zwanzig Minuten!&#8220; erinnerte Kulle.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Viel Spa\u00df!&#8220; w\u00fcnschte Atti.&#8220;\n<\/p>\n<\/p>\n<p>\nBeantwortung der Frage:\n<\/p>\n<p>\n<i>Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/i>\n<\/p>\n<p>\n<i>Aufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie\u00dfung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl\u00e4rung.<\/i>\n<\/p>\n<p>\n<i>Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so gro\u00dfer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur l\u00e4ngst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unm\u00fcndig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vorm\u00fcndern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unm\u00fcndig zu sein. Habe ich ein Buch, das f\u00fcr mich Verstand hat, einen Seelsorger, der f\u00fcr mich Gewissen hat, einen Arzt, der f\u00fcr mich die Di\u00e4t beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bem\u00fchen. Ich habe nicht n\u00f6tig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrie\u00dfliche Gesch\u00e4ft schon f\u00fcr mich \u00fcbernehmen. Da\u00df der bei weitem gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschen (darunter das ganze sch\u00f6ne Geschlecht) den Schritt zur M\u00fcndigkeit, au\u00dfer dem da\u00df er beschwerlich ist, auch f\u00fcr sehr gef\u00e4hrlich halte, daf\u00fcr sorgen schon jene Vorm\u00fcnder, die die Oberaufsicht \u00fcber sie g\u00fctigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgf\u00e4ltig verh\u00fcteten, da\u00df diese ruhigen Gesch\u00f6pfe ja keinen Schritt au\u00dfer dem G\u00e4ngelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so gro\u00df nicht, denn sie w\u00fcrden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch sch\u00fcchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.<\/i>\n<\/p>\n<p>\n<i>Es ist also f\u00fcr jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unm\u00fcndigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unf\u00e4hig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen lie\u00df. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vern\u00fcnftigen Gebrauchs oder vielmehr Mi\u00dfbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fu\u00dfschellen einer immerw\u00e4hrenden Unm\u00fcndigkeit. Wer sie auch abw\u00fcrfe, w\u00fcrde dennoch auch \u00fcber den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gew\u00f6hnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unm\u00fcndigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.<\/i>\n<\/p>\n<p>\n<i>Da\u00df aber ein Publikum sich selbst aufkl\u00e4re, ist eher m\u00f6glich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit l\u00e4\u00dft, beinahe unausbleiblich&#8230;Zu dieser Aufkl\u00e4rung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unsch\u00e4dlichste unter allem, was nur Freiheit hei\u00dfen mag, n\u00e4mlich die: von seiner Vernunft in allen St\u00fccken \u00f6ffentlichen Gebrauch zu machen. Nun h\u00f6re ich aber von allen Seiten rufen: R\u00e4sonniert nicht! Der Offizier sagt: R\u00e4sonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: R\u00e4sonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: R\u00e4sonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: R\u00e4sonniert, soviel ihr wollt und wor\u00fcber ihr wollt, aber gehorcht!) Hier ist \u00fcberall Einschr\u00e4nkung der Freiheit. Welche Einschr\u00e4nkung aber ist der Aufkl\u00e4rung hinderlich, welche nicht, sondern ihr wohl gar bef\u00f6rderlich? &#8211; Ich antworte: Der \u00f6ffentliche Gebrauch seiner Vernunft mu\u00df jederzeit frei sein, und der allein kann Aufkl\u00e4rung unter Menschen zustande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf \u00f6fters sehr enge eingeschr\u00e4nkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufkl\u00e4rung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem \u00f6ffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten b\u00fcrgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Wenn denn nun gefragt wird: leben wir jetzt in einem aufgekl\u00e4rten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufkl\u00e4rung. Da\u00df die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im ganzen genommen, schon imstande w\u00e4ren oder darin auch nur gesetzt werden k\u00f6nnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein, da\u00df jetzt ihnen doch das Feld ge\u00f6ffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten und die Hindernisse der allgemeinen Aufkl\u00e4rung oder des Ausganges aus ihrer selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit allm\u00e4hlich weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufkl\u00e4rung&#8230;<\/i>\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ganz sch\u00f6n viel Text&#8220;, stellte Nuk beeindruckt fest.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ach nee&#8220;, kommentierte Na ironisch. &#8222;Komm, lass uns arbeiten: Von wem ist der Text, was steht drin, sind die Aussagen richtig &#8211; einverstanden?&#8220;\n<\/p>\n<p>\nNuk antwortete nicht &#8211; sie war schon in das Material vertieft. Zwanzig Minuten lang war es still &#8211; eisb\u00e4renarbeitsstill.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Seid ihr so weit?&#8220; Athabasca hatte eine Holunderbl\u00fcten-Honig-Limonade angesetzt und wollte den Kindern davon einschenken, aber Nuk wehrte dankend ab: &#8222;Sp\u00e4ter, bitte, Tante Anti.Erst m\u00fcssen wir reden!&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Wir gehen davon aus, dass der Text von einem Aufkl\u00e4rer stammt, also auf das sp\u00e4te 18.Jahrhundert zu datieren ist. Die h\u00e4ufige Verwendung des Verbs &#8218;r\u00e4sonnieren&#8216; und die Anspielung auf einen einzigen Herrn in der Welt, der sagt: &#8218;R\u00e4sonniert, soviel ihr wollt und wor\u00fcber ihr wollt, aber gehorcht&#8216; sind eindeutige Hinweise auf Preu\u00dfen und Friedrich II. Der Verfasser des Essays ist vermutlich Immanuel Kant.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nLehrerin und Lehrer nickten anerkennend.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Wir k\u00f6nnten jetzt den Textinhalt referieren, wenn ihr m\u00f6chtet,&#8220; bot Na an. &#8222;Wir f\u00e4nden das, ehrlich gesagt, aber langweilig. Spannender w\u00e4re es, den Text politisch einzuordnen, denn Aufkl\u00e4rung ist beziehungsweise war eine intellektuell-politische Bewegung, die ihrer Natur nach bestehende Herrschaftsstrukturen in Frage stellt. Au\u00dferdem reizt es uns, die Textaussagen auf ihre aktuelle Relevanz abzuklopfen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Athabasca seufzte vor Gl\u00fcck. Kulle  freute sich ebenso, dachte aber wehm\u00fctig daran, dass er wohl lange auf die n\u00e4chste Generation \u00e4hnlich begabter Eleven w\u00fcrde warten m\u00fcssen.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Wir sind ganz Ohr,&#8220; sagten beide im Chor.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ein Revolution\u00e4r war der K\u00f6nigsberger Professor Kant nicht gerade. Ist ja auch menschlich: &#8218;Wes Brot ich ess, des Lied ich sing&#8230;&#8216; Ohne Bevormundung denken sollen die Menschen seiner Meinung nach schon, aber dabei blo\u00df nicht die \u00f6ffentliche Ordnung und das Gef\u00fcge des Gemeinwesens st\u00f6ren, auch wenn es darum nicht zum Besten bestellt sein mag. Deshalb unterscheidet er zwischen \u00f6ffentlicher und privater Freiheit. Der Privatmensch, ob nun als Soldat oder in einem zivilen Beruf t\u00e4tig, hat zu gehorchen, \u00f6ffentlich darf er dagegen seine Gedanken kundtun &#8211; gemein formuliert, Kant postuliert die Freiheit der Stammtischmeinung.&#8220;\n<\/p>\n<p>\nKulle dachte. &#8218;Das h\u00e4tte von mir sein k\u00f6nnen.&#8216;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Der Text, den wir bekommen haben, ist mehr als zweihundert Jahre alt, wenn unsere Einsch\u00e4tzung stimmt.&#8220; Nuk schien laut zu denken, f\u00fcr sich zu \u00fcberlegen, nicht zu ihren Lehren zu sprechen.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ich habe gelernt, dass der Optimismus, den er ausdr\u00fcckt, erst am Beginn des 20. Jahrhunderts zerst\u00f6rt worden ist, durch den Gro\u00dfen Krieg.\n<\/p>\n<p>\nEs gab einen zweiten Optimismus-Aufguss mit dem Sieg der Oktoberrevolution 1917, bis sich allm\u00e4hlich herausstellte, dass die Revolution ein Putsch war und die Herrschaft der Arbeiterklasse die Willk\u00fcrdiktatur der Nomenklatura.\n<\/p>\n<p>\nEs gab einen dritten Aufguss nach dem Ende der Bipolarit\u00e4t. F\u00fcr kurze Zeit sah es so aus, als k\u00f6nnte die Welt nach dem Ende des Kalten Krieges Schwerter zu Pflugscharen schmieden.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Aber&#8220;, fuhr Na ebenso tr\u00e4umerisch fort, &#8222;das war die Sicht der satten Reichen, die meinten, immer weiter gut leben zu k\u00f6nnen mit den billigen Rohstoffen der Armen. Denn die Armen waren ruhig gestellt unter der Herrschaft von Diktatoren, mit denen die Reichen hervorragend Handel treiben konnten. Aber die Armen hatten selten Brot und immer keine Arbeit, kein Auskommen, und als manche von ihnen die Diktatoren vertrieben, jubelten die satten Reichen sogar, denn sie meinten, nun w\u00fcrden die Armen das Regierungssystem der Reichen einf\u00fchren, und dann lie\u00dfe sich mit ihnen noch besser Handel treiben. Weit gefehlt.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Denn,&#8220; spann Nuk den Faden fort, &#8222;denn die Aufst\u00e4ndischen begaben sich nicht unter die Fuchtel der kapitalistischen Vorm\u00fcnder, sondern, was Kant, wenn er denn der Verfasser des uns vorliegenden Textes ist, verabscheut h\u00e4tte, unter die Vormundschaft der Imame und der Muftis. Nicht die Vernunft regiert, stattdessen ist die \u00f6ffentliche Freiheit ein Opfer der Scharia. Die schlimmsten Ausw\u00fcchse, wenn wir der Presse trauen d\u00fcrfen, produziert der IS mit Morden und Vergewaltigungen in einem Ausma\u00df, wie sie &#8211; in Europa &#8211; seit dem drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg nicht mehr vorgekommen sind.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Das soll aber nicht hei\u00dfen, dass die Menschen in den Industrie- und Schwellenl\u00e4ndern rationaler agieren,&#8220; sagte Na. &#8222;Die kleinen digitalen Helferlein haben sich l\u00e4ngst in die Rolle der Vorm\u00fcnder gedr\u00e4ngelt und sind auf dem besten Weg, die Diktatur zu \u00fcbernehmen. Der elektronische Assistent ist der elektronische Kontrolleur, und dessen Boss &#8211; Google, Apple oder wie such immer &#8211; wei\u00df alles \u00fcber dich. Aber die &#8218;User&#8216; scheinen es zu wollen &#8211; Netzsucht ist bereits als Krankheit definiert.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Und dann sagte Na: &#8222;Jetzt habe ich Durst.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ich auch&#8220;, setzte Nuk hinzu.\n<\/p>\n<p>\nBeide tranken einen herzhaften Schluck, r\u00fclpsten nach B\u00e4renart. und danach fragte Nuk: &#8222;Sollen wir noch weitermachen?&#8220;\n<\/p>\n<p>\nAthabasca sah Kulle an. Kulle sah Athabasca an. Beide sch\u00fcttelten den Kopf.\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Ihr d\u00fcrft gerne weitermachen, wenn ihr m\u00f6chtet. Eure gew\u00fcnschte Pr\u00fcfung ist aber zu Ende. Ihr habt mit Auszeichnung bestanden und seid an jeder B\u00e4renuniversit\u00e4t der Welt zugelassen. Wobei wir zugeben, dass es so viele B\u00e4renuniversit\u00e4ten nicht gibt.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Danke! Wir studieren gerne weiter in B\u00e4renleben. F\u00fcr heute Abend haben wir einen Vorschlag: K\u00f6nnen wir alle gemeinsam dar\u00fcber reden, warum die Menschen Aufkl\u00e4rung aufgegeben haben?&#8220;\n<\/p>\n<p>\nKulle war von dem Vorschlag angetan. &#8222;Gute Idee! Ich werde B\u00e4rdel sagen, dass er das Thema ansprechen soll.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n&#8222;Danke, Onkel Kulle!&#8220;\n<\/p>\n<p>\nZwei Minuten sp\u00e4ter lieferten sie einander eine erbitterte Wasserschlacht. Oicy freute sich, dass ihre Kinder ganz normale Eisb\u00e4ren waren, keine verkopften Grizzlys.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eisb\u00e4renkinderabitur &#8222;Tante Atti, Onkel Kulle, k\u00f6nnen wir heute bitte Abitur spielen?&#8220; Athabasca und Kulle sahen einander verwundert an. Was war wohl jetzt wieder in Nanuk gefahren? &#8222;Wie kommt ihr denn auf die Idee?&#8220; wollte Atti wissen. &#8222;In ganz Dehland finden jetzt m\u00fcndliche Abiturpr\u00fcfungen statt, haben wir in der Zeitung gelesen. 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