{"id":317,"date":"1993-03-08T14:12:21","date_gmt":"1993-03-08T12:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=317"},"modified":"2021-04-30T13:06:00","modified_gmt":"2021-04-30T11:06:00","slug":"grimmis-buch-vom-gorillasee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/1993\/03\/grimmis-buch-vom-gorillasee\/","title":{"rendered":"Grimmis Buch vom Gorillasee"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"20%\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/bobbo.jpg\" alt=\"Col 1\"\/><\/td>\n<td width=\"80%\">\n<h2>Inhaltsangabe<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"#Dino\">Dino<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Der Gorillasee\">Der Gorillasee<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#Gorilla Vanilla und\">Gorilla Vanilla und der Holzf\u00e4ller<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#bobbo\">Bobbo<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#comingout\">Coming out<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#theband\">The Band<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#weltrett\">Die Errettung der Welt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#bach\">Tussig\u00f6delescherbach<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#verruck\">Das ist ja zum Verr\u00fccktwerden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#dialog\">Dialog<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#neuwelt\">New World<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<hr \/>\n<p><a name=\"Dino\"><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center>Dino<\/center><p><\/p>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p><\/p><center><span class=\"hilite\">There was a Gorilla<\/span><\/center><p><\/p>\n<p style=\"padding-left: 200px;\">whose name was Vanilla<\/p>\n<p style=\"padding-left: 200px;\">He lived in the wood<\/p>\n<p style=\"padding-left: 200px;\">near Nottinghamshrood!<\/p>\n<p><span class=\"firstchar\">V<\/span>anilla hatte eine ganz besondere Geschichte. Seine Mutter hatte ein Gorilla-Ei gelegt, also ganz so, wie es gorill\u00f6s normal ist. Es war so, wie Gorillas es immer machen, wenn man von dem brutalen Silberr\u00fccken absieht, der ihr Ei vergewaltigt hatte.<\/p>\n<p>Das ist zwar eine andere Geschichte und liegt auch schon lange zur\u00fcck, aber vielleicht h\u00e4ngt es mit diesem unerfreulichen Erlebnis zusammen, da\u00df das Ei-Innere sich nicht ganz vorschriftsm\u00e4\u00dfig gorill\u00f6s entwickelte. Schaut euch doch das Ergebnis an, das sich nach der Eierinnenleben-Wachsezeit von zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen durch die Eierschale gearbeitet hat!<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/ei.jpg\" align=\"No\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Gorilla-Mammi war ob ihres mi\u00dfratenen Saurierkindes ganz schrecklich traurig. Das guckte derweil freundlich vor sich hin und dachte an seine<br \/>Zukunft, die es sich ganz lebhaft ausmalen konnte&#8230;.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/musik.jpg\" align=\"Right\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Auch Gorilla-Mama dachte an die Zukunft, allerdings mit Schrecken. Was w\u00fcrde Onkel Albert sagen, wenn der Termin gekommen war, den Nachwuchs der Sippe vorzustellen? Hohngel\u00e4chter w\u00fcrde \u00fcber Sie hereinbrechen, und alle w\u00fcrden sie mit verfaulten Bananenschalen bewerfen, sie und ihr Baby. Immerhin schien sie im Moment sicher zu sein, Dino wedelte freundlich mit einem Palmenzweig, statt sie aufzufressen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Vorsichtshalber legte sie ihm noch ein B\u00fcndel Bananen hin, bevor sie ihn verlie\u00df. Auch wenn es gef\u00e4hrlich sein mochte, das Monster alleinzulassen &#8211; sie mu\u00dfte unbedingt zur Gorillahexe. Wenn jemand einen Ausweg wu\u00dfte, dann sie.<\/p>\n<p>Nach 2 Stunden, 2 Minuten und 2 Sekunden durch den Nebelwald kam sie an ihrem Ziel an. W\u00e4hrend sie der Gorillahexe von ihren aufregenden Erlebnissen erz\u00e4hlte, wurden die Furchen auf deren Stirm immer tiefer. &#8222;Das ist ein schwierges Problem&#8220;, sagte sie, &#8222;aber ich glaube, wir k\u00f6nnen es l\u00f6sen&#8220;. Sie beugte sich zu ihr und fl\u00fcsterte ihr das <a name=\"back1\"><\/a>Rezept <a href=\"#funo1\">(1)<\/a> ins Ohr&#8230;&#8230;.<\/p>\n<p>Mama verstand zwar \u00fcberhaupt nichts, aber sie tat, wie ihr gehei\u00dfen war. Nach langem Warten auf die madegassische Caravelle an der K\u00fcste und einem R\u00fcckweg voller Gefahren kam sie nach 2 Jahren, 2 Monaten und 2 Tagen wieder zu Hause an.<\/p>\n<p>Dino war gewaltig gewachsen, aber er tat ihr nichts, sondern schwenkte immer noch freundlich seinen Palmenwedel. Er begr\u00fc\u00dfte sie mit einem gro\u00dfen Schmatz &#8211; Iiih Gorilla, war der feucht und kalt und glitschig. Na, das w\u00fcrde sich ja hoffentlich bald \u00e4ndern!<\/p>\n<p>Sie kochte einen gro\u00dfen Topf <a name=\"back2\"><\/a>Bananenwein<a href=\"#funo2\"> (2)<\/a>, den Dino gierig schl\u00fcrfte. Unmittelbar danach fiel er in tiefen Schlaf &#8211; zum Gl\u00fcck auf die Seite. So konnte sie alle seine K\u00f6rper\u00f6ffnungen erreichen und mit Vanillestangen zustopfen. Eine Stange nur noch war \u00fcbrig. Gerade hatte sie sie essen wollen &#8211; Gorillas m\u00f6gen Vanille sehr &#8211; als Dino einen satten Bananenweinfurz lie\u00df. So steckte sie ihm die letzte Stange auch noch in den Arsch und hoffte, nun w\u00fcrde alles gutgehen. Ersch\u00f6pft schlief sie ein und tr\u00e4umte einen schrecklichen Alptraum, in dem sie fast von Sauriern aufgefressen wurde.<\/p>\n<p>Ein sanftes Streicheln weckte sie, und eine tiefe gorill\u00f6se Stimme sagte: &#8222;Mama&#8220;.<\/p>\n<p>Begl\u00fcckt schlo\u00df sie ihn in die Arme, und als der Junge dem Silberr\u00fcckenrat vorgestellt wurde, erhielt er auf ihren Vorschlag hin den Namen Vanilla.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"Der Gorillasee\"><\/a>Der Gorillasee<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nach seinen Startschwierigkeiten wuchs Vanilla zu einem ganz normalen Gorillakind heran: Mit zwei Jahren verpr\u00fcgelte er alle Schimpansen, mit drei alle Orangs, und mit vier wagte er auch schon mal einen Scheinkampf mit den alten Silberr\u00fccken. Zu Mama, der er ab und zu immer noch nachlief und sich mehr und mehr einbildete, ihr Besch\u00fctzer zu sein, war er dagegen vorschriftsm\u00e4\u00dfig liebevoll. Dar\u00fcber, da\u00df er &#8211; anders als alle anderen Gorillas &#8211; nicht gern an Vanillestangen knabberte, machte er sich keine Gedanken. Mama verlor dar\u00fcber kein Wort und l\u00e4chelte nur ab und zu in sich hinein. Sie war es zufrieden, da\u00df Vanilla voll und ganz damit besch\u00e4ftigt war, sich seine Gorillawelt zu erobern.<\/p>\n<p>Jeden Tag, wenn die anderen Hordenmitglieder beh\u00e4big in ihren Bl\u00e4tternestern faulenzten und das Mittagessen verdauten, machte er sich zu einem Ausflug auf und erforschte die Umgebung. So lernte er den Urwald kennen: Er stand stundenlang vor riesigen B\u00e4umen und versuchte zu sch\u00e4tzen, wie hoch sie wohl waren (Gorillas k\u00f6nnen schlecht klettern, deshalb konnte er das nicht selber ausmessen), kostete den Geschmack ihrer Bl\u00e4tter (wobei ihm oft \u00fcbel wurde, ohne da\u00df er wu\u00dfte, warum (Herr Skinner h\u00e4tte ihm etwas von trial and error erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, aber Herr Skinner war gerade nicht im Gorillawald), schnupperte hingebungsvoll an Orchideen und spielte selbstvergessen mit bunten Schmetterlingen (die h\u00e4tten ihm viel erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, aber sie waren meist zu eingebildet, um mit Gorillas zu reden, weil sie die f\u00fcr bl\u00f6d hielten).<\/p>\n<p>Immer weiter zog er seine Kreise, und nach f\u00fcnf Ausflugsmonaten und f\u00fcnf Ausflugstagen entdeckte er etwas v\u00f6llig Neues. Es war nicht gr\u00fcn wie der Wald, nicht violett wie die meisten angeberischen Orchideen, nicht farbenfroh wie die taumelnden Schmetterlinge. Es war blau. Blau wie der Himmel \u00fcber dem Gorillawald am Vormittag und am Nachmittag (mittags regnete es immer, und dann war der Himmel grau), nur dunkler. Viel dunkler, und deshalb viel blauer.<\/p>\n<p>Da Vanilla so etwas noch nie gesehen hatte, n\u00e4herte er sich sehr vorsichtig. Mama hatte ihm gesagt, er solle aufpassen: Es gebe Menschen in der N\u00e4he, und Menschen seien eine Gefahr f\u00fcr Gorillas. Vielleicht waren Menschen ja dunkelblau und riesig, lagen auf dem Boden und waren ganz flach, nur mit leichten Kr\u00e4useln?<\/p>\n<p>Er blieb vorsichtig in Deckung und stie\u00df seinen Kampfschrei aus &#8211; nichts r\u00fchrte sich. Nur ein Schmetterling flog vorbei und kicherte leise. Ganz dicht schwebte er \u00fcber dem Dunkelblauen davon. Nein &#8211; von einem Schmetterling konnte sich ein aufstrebender Gorilla doch nicht besch\u00e4men lassen! Vanilla st\u00fcrzte ihm hinterher und erwartete den Angriff des Dunkelblauen, bereit zu sterben.<\/p>\n<p>Aber es gab keinen Angriff, der Dunkelblaue wich zur\u00fcck, lie\u00df ihn ein &#8211; und doch nicht, da war er wieder, er umschlo\u00df Vanilla, war aber nicht zu fassen. Nur ganz langsam konnte der Gorilla sich noch bewegen. W\u00fctend versuchte er, den feigen Feind, der sich nicht zum Kampf stellte, zu fassen zu kriegen. Er tauchte in ihn ein und suchte ihn &#8211; und pl\u00f6tzlich bekam er keine Luft mehr. Das war es also &#8211; sein Feind wollte ihn erdrosseln! Er mu\u00dfte entkommen!<\/p>\n<p>Er tappte unbeholfen vorw\u00e4rts, abw\u00e4rts, schlie\u00dflich aufw\u00e4rts &#8211; endlich! Er nahm zun\u00e4chst einen tiefen Luftzug und \u00f6ffnete dann die Augen &#8211; das Dunkelblaue hatte seinen Kopf freigegeben und hielt seinen K\u00f6rper noch gefangen, tat ihm aber nichts. Komisch. Schon wollte er sich wieder heldenhaft in den Kampf st\u00fcrzen, als es \u00fcber ihm zum zweiten Male h\u00f6hnisch kicherte: der Schmetterling.<\/p>\n<p>&#8222;<i>Hau ab, hier ist es gef\u00e4hrlich<\/i>&#8222;, schrie Vanilla ihm zu.<\/p>\n<p>&#8222;<i>Du bist vielleicht bl\u00f6d, das ist doch nur ein See<\/i>.&#8220; lispelte der Schmetterling zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;<i>Ein See?<\/i>&#8220; fragte Vanilla verst\u00e4ndnislos. &#8222;<i>Was ist denn das?<\/i>&#8222;<\/p>\n<p>Aber der Schmetterling war schon davongeflogen.<\/p>\n<p>Obwohl Vanilla nichts begriffen hatte, hatten ihn die Worte des Falters ein wenig beruhigt, und er beschlo\u00df, sich erstmal zur\u00fcckzuziehen,<a name=\"back3\"><\/a> einen <a name=\"back3\"><\/a>Bananenjoint <a href=\"#funo3\">(3)<\/a> zu rauchen und dabei seine Lage in aller Ruhe zu \u00fcberdenken. Aber schon mu\u00dfte er sich eines neuen Angriffs erwehren: Ein feuchtes Etwas hockte pl\u00f6tzlich auf seinem Kopf, hopste auf und ab und beschimpfte ihn f\u00fcrchterlich:<\/p>\n<p>&#8222;<i>Du bl\u00f6des pelziges Vieh, ein See ist ein See ist ein See! Und hier wohne ich! Und jetzt mach Dich endlich vom Acker, bevor Du noch mehr von meinen Kindern zertrampelst. Kehrt marsch! Quaaak<\/i>!&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcrchterlich erschrocken gehorchte Vanilla dem Befehl, ohne nachzudenken. Er hatte Kinder umgebracht, er war ein M\u00f6rder! Der Gorillasheriff w\u00fcrde ihn holen, und bestimmt w\u00fcrde er dazu verurteilt werden, nie wieder eine Banane essen zu d\u00fcrfen. Blind vor Entsetzen tapste er laut heulend aus dem Wasser und wagte erst am sicheren Ufer, sich umzudrehen. Wenigstens entschuldigen wollte er sich. Aber bei wem?<\/p>\n<p>Auf einem Teichrosenblatt hockte ein gro\u00dfer gr\u00fcner Frosch und beobachtete ihn, ohne zu blinzeln.<\/p>\n<p>&#8222;<i>Ich&#8230;ich wollte wirklich nicht&#8230;<\/i>&#8222;stammelte Vanilla. &#8222;<i>Ich&#8230;<\/i>&#8222;<\/p>\n<p>&#8222;<i>Quaak, ist ja schon gut. Ich hab ein paar tausend Kinder, Du Pelzmonster wirst uns also nicht so ohne weiteres ausrotten k\u00f6nnen. Aber ich wohne hier, da\u00df Du`s wei\u00dft! Und wenn Du das n\u00e4chste Mal vorbeikommst, dann klopf wenigstens vorher da dr\u00fcben am Uruburubaum an &#8211; ich suche mir meine Besucher n\u00e4mlich gerne aus. Vielleicht erlaube ich Dir dann auch wieder zu baden &#8211; es bekommt Dir scheint`s ganz gut, jedenfalls stinkst Du jetzt schon wesentlich weniger als vorher, hihi. Ich hei\u00dfe \u00fcbrigens Tussi.<\/i> &#8222;<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/tussi.jpg\" align=\"No\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Sprach`s und h\u00fcpfte mit einem eleganten Satz ins Wasser.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Vanilla plumpste verbl\u00fcfft auf sein dickes Gorillahinterteil und starrte lange auf die sich kr\u00e4uselnde Seeoberfl\u00e4che, ehe er sich aufrappelte und langsam nach Hause trottete, um alles seiner Mama zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ob Vanilla wohl Pr\u00fcgel bekommen wird?<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"Gorilla Vanilla und\"><\/a>Gorilla Vanilla und der Holzf\u00e4ller<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ihr d\u00fcrft Euch freuen &#8211; Vanilla passierte gar nichts. Mama war n\u00e4mlich eine kluge Gorillafrau und vertrat ein Erziehungskonzept, das bei den Gorillas schon seit Jahrtausenden gilt, bei den Menschen dagegen immer noch nicht anerkannt ist: Jedes Kind mu\u00df seine eigenen Erfahrungen machen. Trotzdem \u00e4rgerte sie sich insgeheim ein wenig, da\u00df sie Vanilla nie von Tussi und ihrem See hatte erz\u00e4hlen d\u00fcrfen, aber das verriet sie ihrem Sohn nicht. Alle erwachsenen Gorillas kannten selbstverst\u00e4ndlich den See und seine Froschmutter; sie betrachteten den See auch als Teil ihres Reviers und nannten ihn den Gorillasee. Das hatten sie aber Tussi nie erz\u00e4hlt &#8211; sie wu\u00dften, wie b\u00f6se die Fr\u00f6schin werden konnte, und sie sch\u00e4tzten ihren Rat, denn Tussi hatte ihnen in brenzligen Situationen schon oft aus der Klemme geholfen.<\/p>\n<p>Mama beschr\u00e4nkte sich darauf, Vanilla zum x-ten Mal zur Vorsicht zu ermahnen und ihm zum y-ten Mal einzusch\u00e4rfen, ja einen gro\u00dfen Bogen um die gef\u00e4hrlichen Menschen zu machen. Und weil er immer noch ganz schwarz um die Nase war (so ist das bei Gorillas, wenn sie einen leichten Schock erlitten haben), backte sie ihm zum Trost einen Bananenkuchen . Statt des Vanillezuckers, den die anderen Gorillafrauen zum S\u00fc\u00dfen benutzten, verr\u00fchrte sie eine Handvoll Urwaldrosinen in den Teig.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter wachte Vanilla morgens von einem f\u00fcrchterlichen Ger\u00e4usch auf. &#8222;Klong&#8220; h\u00f6rte er, und noch einmal &#8222;Klong&#8220;. Nachdem er sich die Gorillasandm\u00e4nnchenschei\u00dfe aus den Augen gerieben hatte, lauschte er konzentriert: &#8222;Klong, klong, klong, klong&#8220;. Ein Takt Pause. Und dann wieder: &#8222;Klong, Klong, Klong, Klong&#8220;.<\/p>\n<p>Vanilla war sehr \u00e4rgerlich wegen dieser St\u00f6rung und verzichtete sogar auf sein Bananenmusfr\u00fchst\u00fcck. Zuerst wollte er diesem unertr\u00e4glichen Krach ein Ende setzen. Er trabte durch den Urwald, Kurs S\u00fcd-S\u00fcd-West, immer dem Klong nach.<\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde stand er vor einem merkw\u00fcrdigen Bild: Ein gorilla\u00e4hnliches Wesen mit einem scharfen Werkzeug, das es mit beiden H\u00e4nden hielt, bearbeitete den Stamm eines Uruburu-Baumes und versuchte, eine tiefe Kerbe hineinzuschlagen.<\/p>\n<p>Aber der Kerl war kein Gorilla &#8211; daf\u00fcr hatte er viel zu schmale Schultern, zu kurze Arme und vor allem &#8211; Vanilla schauderte es, und er konnte nur mit M\u00fche seinen Fluchtinstinkt unterdr\u00fccken &#8211; fast gar keine Haare. Nur ganz oben auf dem Kopf trug er ein B\u00fcschel von haar\u00e4hnlichem Wirrwar &#8211; aber das konnten eigentlich keine Haare sein. Jedenfalls hatte Vanilla noch nie einen Gorilla mit roten Haaren gesehen.<\/p>\n<p>Noch etwas verwirrte Vanilla: Der Typ hatte einen merkw\u00fcrdigen Unterleib. Von den F\u00fc\u00dfen bis zur H\u00fcfte sah seine Haut zerknittert und glatt gleichzeitig aus. Das wichtigste aber war: Er hatte keinen Schwanz. Wie eine Frau sah er allerdings auch nicht aus&#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/superman.jpg\" align=\"Left\"\/><br \/>Wie ein Blitz scho\u00df es durch Vanillas Kopf: Das mu\u00df ein Mensch sein! Aber das war doch eine Witzfigur &#8211; ein Wesen ohne Teil und ohne Schultern! Mama hatte mal wieder heftig \u00fcbertrieben mit ihren Schilderungen von der Gef\u00e4hrlichkeit der Menschen!<\/p>\n<p>Vanilla war sich v\u00f6llig sicher, da\u00df er mit diesem merkw\u00fcrdigen potenzlosen Tier spielend fertig werden k\u00f6nnte, er beherrschte sich jedoch und erw\u00fcrgte den Menschen nicht sofort mit einer Liane. Stattdessen erinnerte er sich an seine Kenntnisse der Menschensprache (Mama hatte darauf bestanden, da\u00df er sie lernte) und fragte:<\/p>\n<p>&#8222;Entschuldigen Sie, ich m\u00f6chte ja nicht st\u00f6ren, aber was machen Sie denn da?&#8220;<\/p>\n<p>Der Mensch warf einen kurzen Blick \u00fcber die Schulter und sagte: &#8222;Ich f\u00e4ll den Baum, du dummes Vieh&#8220;.<\/p>\n<p>Vanilla war verletzt: Welchem Banausen war er da begegnet! Dieser Mensch beherrschte noch nicht einmal die simpelsten Regeln der Kommunikation! Dennoch unternahm Vanilla einen weiteren Vorsto\u00df und suchte all seine H\u00f6flichkeit zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Ich m\u00f6chte Ihnen gewi\u00df nicht zu nahe treten, aber dieser Baum, den Sie gerade abhacken, tr\u00e4gt k\u00f6stliche Fr\u00fcchte, und seine Bl\u00e4tter schmecken mir vorz\u00fcglich. K\u00f6nnten Sie ihn nicht stehen lassen?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nein&#8220;, sagte der Mensch und hackte weiter.<\/p>\n<p>Vanilla beherrscht sich immer noch und fragte h\u00f6flich: &#8222;Warum nicht?&#8220;<\/p>\n<p>Von der Antwort, die der Mensch sto\u00dfweise von sich keuchte, ohne seine Arbeit zu unterbrechen, verstand Vanilla nur Bruchst\u00fccke:<\/p>\n<p>&#8222;Arbeitsplatz&#8230;Familie&#8230;ern\u00e4hren&#8230;Tropenholz&#8230;Fensterrahmen&#8230;Schrank-w\u00e4nde&#8230;Welthandel&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Vanilla verstand nur &#8222;Familie&#8220; und &#8222;ern\u00e4hren&#8220;. Genau darum ging es ihm ja auch &#8211; er wollte seine Mama und sich weiterhin vom Uruburubaum ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Es schien also eine Verst\u00e4ndigungsm\u00f6glichkeit mit diesem Menschen zu geben &#8211; man mu\u00dfte ihm nur alles ganz ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vanilla stapfte n\u00e4her, um mit diesem Menschen nun endlich mal vern\u00fcnftig zu reden &#8211; und rannte in die offene Axt. In seiner Schulter klaffte eine gro\u00dfe offene Wunde.<\/p>\n<p>Er blutete. Er dachte nicht mehr an Lianen, mit denen er Menschen erw\u00fcrgen k\u00f6nnte. Er dachte \u00fcberhaupt nicht mehr. Er rannte. Er rannte davon vor einem Monstrum. Er wollte zu Mama. Er hoffte, er w\u00fcrde es noch schaffen.<\/p>\n<p>Aber er war zu verwirrt, um noch Berechnungen anzustellen: Er lief nicht nach Nord-Nord-Ost, sondern nach S\u00fcd-Nord-West. Blindlings stampfte er vorw\u00e4rts, raffte die Lianen zur Seite, patschte durch tiefe Sumpfl\u00f6cher und bumste immer mal wieder gegen einen dicken Baum. Eine Blutspur markierte seinen Weg, und obwohl er nicht wu\u00dfte, was mit ihm geschah, merkte er doch eins: Er wurde schwach und schw\u00e4cher. Schlie\u00dflich half es ihm auch nicht mehr, sich auf allen vier Gorillabeinen vorw\u00e4rts zu tasten &#8211; Bananen kreisten in seinem Kopf, ihm wurde gelb vor den Augen, und er sank bewu\u00dftlos zu Boden.<\/p>\n<p>Alles Schlechte hat sein Gutes: Vanilla tr\u00e4umte einen wundersch\u00f6nen Traum.<\/p>\n<p>Tausende kleine vierf\u00fc\u00dfige gr\u00fcne Bananen tanzten um ihn herum, eine riesengro\u00dfe gr\u00fcne Oberbanane mit kugelrunden Augen und einem breiten Mund heilte seine Wunde, und seine Mama hatte seinen Kopf in ihren Scho\u00df genommen, fl\u00fcsterte ihm tr\u00f6stende Worte zu und fl\u00f6\u00dfte ihm die Bananenarznei8 gegen alle \u00dcbel ein.<\/p>\n<p>Selig rutschte Vanilla aus diesem Traum in einen erholsamen Tiefschlaf, aus dem er nach einer Gorillaewigkeit erwachte. Vorsichtig blinzelte er mit dem linken Auge in den Urwaldabend. Zuerst meinte er, immer noch bewu\u00dftlos zu sein oder zu tr\u00e4umen, denn sein linkes Auge sah gr\u00fcne Bananen. Auch mit dem rechten Auge wurde es nicht besser, er sah die Bananen jetzt nur dreidimensional.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich fiel ihm allerdings auf, da\u00df mit diesen Bananen irgend etwas nicht stimmte: Es war doch merkw\u00fcrdig, da\u00df Bananen Kulleraugen, vier F\u00fc\u00dfe und einen Schwanz hatten. Au\u00dferdem hatte er noch nie erlebt, da\u00df Bananen auf ihm herumkrabbelten, in seine Ohren schauten und in seine Nasenl\u00f6cher zu kriechen versuchten.<\/p>\n<p>Angesichts dieser verwirrenden Umst\u00e4nde hatte er gerade beschlossen, noch eine Runde zu schlafen und danach vielleicht einen klareren Kopf zu haben, als sich Tussis Froschgesicht vor seine Augen schob.<\/p>\n<p>&#8222;Na, du Stinker, ausgeschlafen? Haben dich meine Kleinen wieder wachgekitzelt?&#8220;<\/p>\n<p>Bevor Vanilla irgend etwas Unverst\u00e4ndliches stammeln konnte, sp\u00fcrte er Mamas festen Griff und sah ihre zornig blitzenden Augen.<\/p>\n<p>&#8222;Du bananenw\u00fcrdeloses ungezogenes Balg! Ist dir eigentlich klar, da\u00df ich fast wieder zur Gorillahexe h\u00e4tte laufen m\u00fcssen, wenn Tussi nicht gewesen w\u00e4re?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt ist keine Zeit f\u00fcr gorill\u00f6sen Familienstreit&#8220;, unterbrach Tussi sie energisch. &#8222;Wir m\u00fcssen jetzt sehen, wie wir auf elegante Weise mit diesem Urwaldkiller fertigwerden. Ich hab da so`ne Idee&#8230;.. La\u00dft mich mal kurz mit meinen Kinderlein reden.&#8220;<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/froschbe.jpg\" width=\"220\" height=\"288\/\" align=\"Right\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Tussi quakte kurz, woraufhin alle gr\u00fcnen Bananen &#8211; das waren gar keine gr\u00fcnen Bananen, sondern Froschkinder, genannt Kaulquappen, erkl\u00e4rte Mama Vanilla zwischendurch &#8211; zu Tussi geh\u00fcpft kamen, auf sie sprangen und \u00fcber ihr einen gr\u00fcnen , wimmelnden, lebendigen Froschberg bildeten. Wenige Sekunden lang quakte es vielstimmig und in allen Tonlagen aus diesem Froschh\u00fcgel, bis ein einhelliges h\u00f6hnisches Kichern erscholl.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>&#8222;Los Kinder, gehen wir,&#8220; kommandierte Tussi, &#8220; aber ihr&#8220;, sagte sie zu Mami und Vanilla &#8222;bleibt hier &#8211; oder zumindest hundert Meter hinter uns, damit ihr uns nicht die Tour vermasseln k\u00f6nnt.&#8220;<\/p>\n<p>Vanilla lie\u00df sich von Mama an die Hand nehmen und folgte mit ihr dem Heer der Fr\u00f6sche. Der Urwald schien noch gr\u00fcner als sonst zu sein und zu leben: Mit Riesens\u00e4tzen h\u00fcpfte Tussis Kampfschar in die Richtung, aus der Vanilla gekommen war, und bald vernahmen alle wieder das &#8222;Klong, klong, klong, klong&#8220;. Wenig sp\u00e4ter sahen sie auch den Menschen, dessen Axt sich schon tief in den Uruburubaum hineingearbeitet hatte.<\/p>\n<p>&#8222;Psst, Kinder, jetzt ganz leise,&#8220; fl\u00fcsterte Tussi, &#8222;und verteilt euch gut!&#8220; Selbst f\u00fcr Vanillas ge\u00fcbtes Gorillaauge schien es, als seien die Fr\u00f6sche pl\u00f6tzlich verschwunden. Nur hier und da bewegte sich ein Blatt, nur ab und zu blitzte eine wei\u00dfer Froschbauch auf.<\/p>\n<p>Den Menschen allerdings schien nach kurzer Zeit etwas zu irritieren. Als er zu einem neuen, gewaltigen Hieb ausholte, glitschte ihm der Axtstiel aus der Hand, und er vermochte nicht, sein Werkzeug wieder zu ergreifen &#8211; es flutschte davon, als sei es lebendig. Und der Mann konnte pl\u00f6tzlich nicht mehr stehen, dauernd fiel er um, als versuchte er, auf Schmierseife zu gehen.<\/p>\n<p>Nun gibt es im Urwald bekanntlich keine Schmierseife, wohl aber, wie Vanilla bei ganz genauem Hinsehen erkannte, Froschschleim &#8211; Tussi und ihre Riesenfamilie hatten alles rund um den Uruburubaum in eine riesige Rutschbahn verwandelt.<\/p>\n<p>Das Fluchen des Holzf\u00e4llers, der vergeblich versuchte, sein Gleichgewicht wieder zu gewinnen, wurde pl\u00f6tzlich von Tussis Kommandoschrei \u00fcbert\u00f6nt: &#8222;Quaaaaaaaaaak!!!!!&#8220;<\/p>\n<p>Der Himmel verdunkelte sich. Eine gr\u00fcne Wolke erhob sich aus dem Unterholz, aus B\u00fcschen, aus Urwaldriesen und Schlinggew\u00e4chsen und formierte sich zu einem riesengro\u00dfen Frosch, zweimal so gro\u00df wie die h\u00f6chsten B\u00e4ume. Fasziniert warf Vanilla den Kopf zur\u00fcck und blinzelte zu Tussi auf, die ganz oben auf der Familienpyramide thronte. Der Mensch dagegen geno\u00df das Schauspiel keineswegs, sondern wand sich verzweifelt auf dem glitschigen Boden und versuchte zu fliehen.<\/p>\n<p>So leicht aber sollte er nicht entkommen. Mit einer Stimme, die alle nur denkbaren Urwaldger\u00e4usche in sich vereinte, erkl\u00e4rte Tussi ihm, da\u00df er sich in eigenem Interesse besser nie wieder am Tussisee und im Gorillawald sehen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>&#8222;Und jetzt hau ab, du schwanzloser Kerl, und bau deine Fenster in Zukunft aus kanadischer Kiefer!&#8220;<\/p>\n<p>Der Monsterfrosch gab dem Holzf\u00e4ller einen Fu\u00dftritt, der ihn in hohem Bogen aus dem Wald entfernte.<\/p>\n<p>Mama und Vanilla waren ganz ger\u00fchrt und fragten, wie sie ihr danken k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&#8222;Da man nich` f\u00fcr,&#8220; sagte Tussi, &#8222;aber wenn ihr unbedingt wollt, eine Flasche von der Witwe w\u00e4re nicht schlecht.&#8220;<\/p>\n<p>Das allerdings verstanden weder Mama noch Vanilla.<\/p>\n<p>Versteht Ihr das?<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"bobbo\"><\/a>Bobbo<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nach dem aufregenden Holzf\u00e4llerabenteuer mu\u00dfte Vanilla sich noch lange schonen und von Mama pflegen lassen &#8211; die Schulterwunde, die die Axt ihm geschlagen hatte, heilte nur langsam, obwohl sie sorgf\u00e4ltig mit <a name=\"back4\"><\/a>Tussi-Spezial-Heilbrei<a href=\"#funo4\"> (4) <\/a> behandelt wurde. Vanilla f\u00fcgte sich geduldig in sein Schicksal, lie\u00df sich Mamas mit Liebe und Fantasie bereitete <a name=\"back5\"><\/a>Bananen-Krankenkost <a href=\"#funo5\">(5)<\/a> schmecken und d\u00f6ste stundenlang behaglich im Schatten von Uruburu-, Arabara- und Oroborob\u00e4umen vor sich hin. Manchmal versuchte er, scherwiegende Probleme zu l\u00f6sen, und besch\u00e4ftigte sich mit der Frage, warum es im Gorillawald keine Erebere- und Iribirib\u00e4ume gab, aber das wurde ihm meist schnell zu anstrengend, und er besch\u00e4ftigte sich mit sich selbst.<\/p>\n<p>Er zupfte an Lianen, die ihm vor die Augen hingen, er zupfte an Grashalmen, er zupfte an seinem Fell, bis es angenehm kitzelte und ein bi\u00dfchen ziepte, er zupfte an seinen klitzekleinen Brustwarzen, bis sie gr\u00f6\u00dfer wurden und zu seiner \u00dcberraschung ein v\u00f6llig neues, wohliges Gef\u00fchl in seinen Oberschenkeln verursachten, und er zupfte an seinem Teil. Das wuchs beim Zupfen auch, merkte er, und das Gef\u00fchl, das dabei entstand, fand er fast noch angenehmer als die Brustwarzen-Wachse-Wirkung. Einmal \u00fcberraschte ihn Mama beim Spielen mit sich selbst, und er sch\u00e4mte sich ein bi\u00dfchen vor ihr, ohne zu wissen warum, aber Mama schmunzelte nur, strich ihm sanft \u00fcber Kopf und Schwanz und fragte, ob es nett sei. Gorillam\u00fctter wissen n\u00e4mlich, was gut f\u00fcr die Entwicklung einer ausgeglichenen Pers\u00f6nlichkeit ist &#8211; in der Gorilla-Schwangerenberatung wird seit Jahrtausenden die Lehre eines legend\u00e4ren Gorillas namens Adorno <a href=\"#funo6\">(6)<\/a> weitergegeben, der herausgefunden hat, <a name=\"back6\"><\/a>da\u00df Sexualunterdr\u00fcckung die Entwicklung der autorit\u00e4ren Pers\u00f6nlichkeit beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>So wuchs Vanilla \u00fcberall dort, wo es wichtig war, und seine Wundr\u00e4nder wuchsen auch zusammen. Mama konnte beruhigt zusehen, wie er allm\u00e4hlich wieder auf die Beine kam und begann, seine Urwaldkreise zu ziehen.<\/p>\n<p>Vanilla merkte selber, wie schwach er war, und begann, seine Kr\u00e4fte zu trainieren. Das machte er aber nur ganz heimlich, weit weg von allen anderen an seinem Urwald-Lieblingsplatz, weil er nicht wollte, da\u00df jemand sah, wie tolpatschig er noch war. Er machte Kniebeugen, h\u00fcpfte auf und ab, vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts, nach rechts und links, begann ein intensives Baumstamm-Hantel-Trainung und \u00fcbte Klimmz\u00fcge und Bauchwellen. Zuerst kniff er bei seinen \u00dcbungen die Augen fest zusammen, weil sie so anstrengend waren, aber bald hatte er so viel Kraft gewonnen, da\u00df er nebenbei den Schmetterlingen zugucken konnte. Die kicherten auch schon gar nicht mehr \u00fcber ihn, weil er sich inzwischen wieder gorill\u00f6s-elegant bewegen konnte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/spiegel1.jpg\" align=\"Left\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/spiegel2.jpg\" align=\"Right\"\/><\/p>\n<p>Am f\u00fcnfzehnten Tag seiner aktiven Rekonvaleszenz, zwei Astbreiten vor Sonnenh\u00f6chststand, entdeckte er auf einmal, da\u00df jemand einen Spiegel vor ihm aufgestellt hatte. Er wunderte sich nicht weiter dar\u00fcber, sondern freute sich \u00fcber den Service &#8211; wahrscheinlich hatte Tussi mal wieder einen ihrer Tricks getrickst. Wie man sieht, ist es ein dummes Vorurteil zu glauben, Affen k\u00f6nnten sich nicht in einem Spiegel erkennen &#8211; Gorillas zumindest sind so selbstverliebt, da\u00df sie immer zuerst glauben, sich selbst zu sehen, wenn sie einem sch\u00f6nen Gattungsgenossen begegnen.<\/p>\n<p>Vanilla fand es nett, einem jungen, kr\u00e4ftigen Vanilla beim Sport zuzusehen. Er plusterte seine Muskeln auf, gestaltete seine \u00dcbungen besonders akzentuiert und freute sich dar\u00fcber, wie gut im Spiegel alles klappte . Wirklich &#8211; er war schon wieder richtig attraktiv!<\/p>\n<p>Da seine Begeisterung \u00fcber sich selbst ihn voll in Anspruch nahm, litt jedoch seine Konzentration &#8211; nach einem kr\u00e4ftigen Anlauf erwischte er den Ast, den er f\u00fcr einen Klimmzug angepeilt hatte, nicht, sondern rutschte ab und purzelte gar nicht elegant zu Boden. Sein Spiegelbild aber blieb h\u00e4ngen &#8211; Moment mal, sein Spiegelbild? Gebildet durch Mamas exzellenten Physikunterricht wu\u00dfte er, da\u00df eine simple Reflexion sich solche Extravaganzen nicht erlauben durfte. Das war also gar kein Spiegelbild &#8211; das war ein anderer Gorilla, ein frecher Eindringling, ein Peeping Tom!<\/p>\n<p>Wutentbrannt f\u00fcllte Vanilla seine Lungen mit Luft f\u00fcr seinen Spezialkampfschrei und wollte auf den Fremden losst\u00fcrmen, als der sich locker von dem Ast fallen lie\u00df, an dem er immer noch hing, sanft in den Knien nachfederte und freundlich sagte: &#8222;Bei allen Tussis, Du bist aber gut in Form! Du hast mich weidlich schwitzen machen. Wie w\u00e4rs, wenn wir k\u00fcnftig immer zusammen trainieren? Ich hei\u00dfe \u00fcbrigens Bobbo.&#8220;<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/litera.jpg\" align=\"No\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Vanilla hatte zwar den zweiten Satz von Bobbo nicht verstanden &#8211; er sollte erst sp\u00e4ter erfahren, da\u00df Bobbo aus Literatien stammte, wo die Gorillas immer so geschwollen daherredeten, weil sie sich einbildeten, von einem unendlich gebildeten Silberr\u00fccken namens Gorilla G\u00f6te abzustammen -, aber er begriff, da\u00df der andere in friedlicher Absicht gekommen war und ihm seine Freundschaft anbot.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Warum eigentlich nicht? Es war bestimmt netter, zu zweit durch den Urwald zu tollen als allein. Alt genug schien der andere auch zu sein, jedenfalls sah sein Teil so beeindruckend gro\u00df aus, wie Vanilla es nur schaffte, wenn er ganz lange daran gezupft hatte. Wenn Mama nichts dagegen hatte&#8230;<\/p>\n<p>Mama hatte nicht. Zwar runzelte sie zuerst die Stirn, als sie h\u00f6rte, da\u00df Bobbo aus Literatien stammte, weil sie meinte, da\u00df die literarischen Gorillas unangemessen eingebildet seien. Sie dr\u00fccken immer alles ganz lang und umst\u00e4ndlich aus und kommen sich deswegen toll vor &#8211; dabei konnte man doch alles viel k\u00fcrzer sagen! Die kurze und einleuchtende Theorie von Gorilla Adorno zum Beispiel hatte in Schriftform Platz auf vier Uruburubl\u00e4ttern, in Literatien dagegen gab es einen Gorilla namens <a name=\"back7\"><\/a>Heinrich Wirr <a href=\"#funo7\">(7)<\/a> , der 400 Bl\u00e4tter gebraucht hatte, um dasselbe zu erkl\u00e4ren &#8211; und dabei war es ihm noch nicht einmal gelungen, deutlich zu machen, da\u00df er nicht einen Einzelfall abhandelte, sondern ein allgemeines Ph\u00e4nomen darstellen wollte.<\/p>\n<p>Als sie Bobbo jedoch kennenlernte, konnte sie feststellen, da\u00df er gar nicht eingebildet war, sondern stets h\u00f6flich, charmant und zur\u00fcckhaltend; nur seine Sprache war etwas ungew\u00f6hnlich. Anstatt ihr zum Beispiel einfach anzubieten, ihre Bananenb\u00fcndel zu tragen, blinzelte er sie verf\u00fchrerisch an und sang: &#8222;Ich trage Ihre Tasch\u00b4, Madam&#8230;&#8220; Aber das war harmloser Kinderkram.<\/p>\n<p>Vanilla erhielt also die Erlaubnis, mit Bobbo loszuziehen, wann immer er wollte. Er wollte oft, und bald waren die beiden unzertrennlich. Zu ihren Lieblingsaufenthaltsorten geh\u00f6rte der Tussisee. Vanilla hatte schon l\u00e4ngst seine Angst vor dem Wasser und seinen Bewohnerinnen verloren, und Schwimmen geh\u00f6rte inzwischen zu seinen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen. Jetzt tummelte er sich zusammen mit Bobbo im Wasser. Sie schwammen um die Wette, tauchten, spritzen einander na\u00df und freundeten sich sogar mit den Schmetterlingen an &#8211; die brachten sie auf die Idee, den Schmetterlingsstil auszuprobieren.<\/p>\n<p>Tussi st\u00f6rte sie nie, sondern sandte ihnen nur ab und zu einen freundlichen Quak-Gru\u00df von ihrem Lieblingsfelsen aus. Nervig waren dagegen Tussis Kinder &#8211; die wollten st\u00e4ndig, da\u00df die beiden Gorillas mit ihnen spielten. Aber was sollten Gorillas mit Kaulquappen anfangen, selbst wenn es sehr nette Kaulquappen waren?<\/p>\n<p>Da die Affen zu bl\u00f6d waren, ergriffen die Fr\u00f6sche die Initiative. In einer feierlichen Kaufquappenprozession tauchte eine Delegation bei Bobbo und Vanilla auf und erkl\u00e4rte ihnen, welches Spiel jetzt gespielt werden sollte: Das Froschkinder &#8211; Gorillak\u00f6rper &#8211; Wettrennen. Das geht so (einfache Spielregel): Bobbo und Vanilla nehmen je eine Kaulquappe in den Mund. Auf Kommando wird geschluckt. Die Kaulquappen wedeln sich dann m\u00f6glichst schnell durch den Affenk\u00f6rper, und wer zuerst seinen Kopf aus dem Affenarsch steckt, hat gewonnen.<\/p>\n<p>Bobbo war sofort begeistert, Vanilla jedoch skeptisch. Er hatte gro\u00dfen Respekt vor Tussi und wollte keinen \u00c4rger mit ihr bekommen. Was war, wenn eines ihrer Kinder sich in seinem Magen verirrte und von der Salzs\u00e4ure dort drinnen zerfressen wurde? Aber die Kaulquappen lachten ihn einfach aus: &#8222;Du hast ja keine Ahnung, Du Affe, wie schnell Froschkinder sind!&#8220;<\/p>\n<p>Also lie\u00df Vanilla sich auf das Spiel ein, und siehe da, Tussis kluge Kinder hatten recht. In Sekundenschnelle absolvierten sie die Wettrennen, und bevor es ihnen zu langweilig wurde, erfanden sie Varianten: Staffell\u00e4ufe wurden abgehalten und sogar Mannschaftswettbewerbe organisiert, denn die Kaulquappen hatten herausgefunden, da\u00df so ein Gorilla-Verdauungstrakt Platz f\u00fcr f\u00fcnf Minifr\u00f6sche gleichzeitig bietet.<\/p>\n<p>Nicht nur den Fr\u00f6schen machte das Spiel einen Riesenspa\u00df, sondern auch den Gorillas: Es rumpelte so sch\u00f6n in den Eingeweiden, und der Hintern wurde ganz warm. Es war so sch\u00f6n, da\u00df Bobbo seinem Wohlsein nur in literarischen Formen Ausdruck geben konnte: &#8222;Oh wie wohl ist mir mit Fr\u00f6-h\u00f6-schen, mir mit Fr\u00f6-h\u00f6-schen, im Darm, im Darm!&#8220;<\/p>\n<p>Nach 333 Durchl\u00e4ufen aber gab es einen Zwischenfall &#8211; die Froschkinder waren \u00fcberm\u00fctig geworden und hatten zwei Mannschaften von je zehn Kaulquappen aufgestellt. Bei der Bobbo-Equipe war alles gutgegangen , aber das Vanilla-Team steckte pl\u00f6tzlich fest. Das lag nicht daran, da\u00df die Fr\u00f6sche sich ineinander verhakt h\u00e4tten, nein, Vanilla hatte pl\u00f6tzlich einen Krampf im Schlie\u00dfmuskel. Er konnte einfach nicht lockerlassen, auch wenn er h\u00f6rte, wie die Tussikinder verzweifelt und erstickt um Hilfe zu rufen begannen.<\/p>\n<p>&#8222;Tussi wird mich umbringen, aber nur sie kann helfen, ich mu\u00df sie rufen&#8220;, zuckte es durch seinen Kopf, da sp\u00fcrte er pl\u00f6tzlich Bobbo neben sich, der ihn beruhigend streichelte und dabei etwas vor sich hinmurmelte. Vanilla vernahm die Laute, ohne ihren Sinn zu begreifen.<\/p>\n<p>&#8222;Bring mir ein Tuch von ihrer Brust, ein Strumpfband meiner Liebeslust&#8230;&#8220; Dagegen nahm er sehr bewu\u00dft wahr, wie Bobbos Hand sich sanft seinem Schlie\u00dfmuskel n\u00e4herte, wie zwei Finger in ihn eindrangen, ihn weiteten und so viel Raum schafften, da\u00df die zehn kleinen Tussikinderlein, nach Luft japsend, den Weg in den blauen See finden konnten. Nicht nur sie, sondern auch alle anderen Kaulquappen hatten zun\u00e4chst mal genug von dem Spiel &#8222;Froschkinder -Gorillak\u00f6rper &#8211; Wettrennen&#8220; und suchten Zuflucht bei Tussi.<\/p>\n<p>Vanilla lag ersch\u00f6pft auf der Seite und furzte leise vor sich hin.<\/p>\n<p>&#8222;Sind alle gerettet?&#8220; fragte er ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>&#8222;Ja&#8220;, sagte Bobbo und kraulte ihn z\u00e4rtlich im Nacken.<\/p>\n<p>&#8222;Das Spiel spiele ich nie wieder&#8220;, sagte Vanilla, &#8222;mein Hintern ist hei\u00df wie die H\u00f6lle!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Antwort h\u00f6r ich wohl, allein mir fehlt der Glaube&#8220;, fl\u00fcsterte Bobbo ihm ins Ohr und &#8230;..<\/p>\n<hr \/>\n<p><\/p><center><a name=\"comingout\"><\/a>Coming Out<\/center><p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Die beiden jungen Gorillas probierten alles aus, was zwei junge Gorillas miteinander ausprobieren k\u00f6nnen. Gorillamama besteht allerdings darauf, da\u00df Einzelheiten hier nicht n\u00e4her erl\u00e4utert werden &#8211; nur aus R\u00fccksicht auf die menschlichen Leser, versteht sich. Aus dem \u00f6ffentlich-rechtlichen <a name=\"back8\"><\/a>Gorilla-Trommelrundfunk <a href=\"#funo8\">(8)<\/a> wei\u00df sie, da\u00df die meisten Menschen Schwule f\u00fcr pervers halten und Gorillas f\u00fcr minderwertig. Und nun erst schwule Gorillas! Mama meint, man solle den Menschen wenigstens die Einzelheiten ersparen, wenn sie denn schon so dumm sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren Bobbo und Vanilla nicht nur mit Sex besch\u00e4ftigt. Sie streiften durch den Regenwald, erforschten den Grund des Gorillasees und wagten es auch, den schneebedeckten Gipfel des Kalamindschiru zu besteigen. Von ihren waghalsigen Abenteuern erz\u00e4hlten sie aber niemandem, nur untereinander sprachen sie dar\u00fcber: Wie Bobbo fast im Schlamm des Sees steckengeblieben war, wie Vanilla beinahe oben auf dem Berg in eine Gletscherspalte gefallen w\u00e4re, wie beide nur mit M\u00fche dem Gorilla-Yeti entkamen, der mit geblecktem Gebi\u00df auf sie losgest\u00fcrmt war&#8230;<\/p>\n<p>Von ihren aufregenden Erlebnissen erholten sie sich oft bei einem Joint. Der entspannte so sch\u00f6n. Nat\u00fcrlich versuchten sie weder &#8222;H&#8220; noch Crack. Vielleicht h\u00e4tten sie es getan, wenn es im Gorillawald Chemielaboratorien oder Puddingpulver g\u00e4be, aber diese Errungenschaften der menschlichen <a name=\"back9\"><\/a>Zivilisation fehlen hier, Tussi sei Dank <a href=\"#funo9\">(9)<\/a> .<\/p>\n<p>Manchmal, besonders nach einem wundersch\u00f6nen Fick mit Bobbo (Entschuldigung, Mama!) oder nach einem besonders aufregenden Ereignis, geriet Vanilla in wunderliche Zuckungen: Es begann bei den Zehen, ergriff die Unterschenkel, die Oberschenkel, die H\u00fcften, den Oberk\u00f6rper, die Arme, den Kopf. Dann schien er aggressiv zu werden, denn er griff den n\u00e4chstbesten Baumstamm an, der in seiner Reichweite lag, und schien ihn zertr\u00fcmmern zu wollen &#8211; aber das sah nur so aus. Er schlug rhythmisch auf ihn ein, und je mehr Anf\u00e4lle er hatte, desto abwechslungsreicher und eing\u00e4ngiger wurden die Lautfolgen, die er produzierte.<\/p>\n<p>Bobbo hatte, selig im Kiffrausch oder in postorgiastischem D\u00f6sen, diese Ausbr\u00fcche zun\u00e4chst ruhig beobachtet, bis ihm beim siebzehnten Mal ein Uruburu-Sieder aufging: Vanilla trommelte! Vanilla war musikalisch!<\/p>\n<p>Bei ihrem n\u00e4chsten Treffen brachte er seinem Freund eine \u00dcberraschung mit. Er hatte einen Baumstumpf ausgeh\u00f6hlt und ihn mit der Haut eines toten Leoparden, die er sorgf\u00e4ltig gegerbt hatte, \u00fcberspannt.<\/p>\n<p>&#8222;Gebt uns ein Lied!&#8220; sagte er und grinste Vanilla an, aber der glotzte nur verst\u00e4ndnislos.<\/p>\n<p>Seufzend lie\u00df Bobbo sich auf das Sprachniveau seines Freundes herab: &#8222;Hier, jetzt kannste Mucke machen!&#8220;<\/p>\n<p>Vanilla war begeistert. Er trommelte los wie nie zuvor. Er hatte nie was von Percussion geh\u00f6rt, aber er holte alles aus dem Leopardenfell raus, was drin war. Er trommelte, bis er ersch\u00f6pft <a name=\"back10\"><\/a>einschlief.<\/p>\n<p>Im Traum <a href=\"#funo10\">(10)<\/a> zerri\u00df er das Leopardenfell. Es machte ihm Spa\u00df, und gleichzeitig hatte er ein schlechtes Gewissen. Aus der zerst\u00f6rten Trommel wuchs ein Frauenk\u00f6rper mit ganz langem Hals, dem er wundersch\u00f6ne Melodien entlockte. Mit Kopfschmerzen wachte er auf. Die kamen, das wu\u00dfte er, weder vom Sex noch vom Haschisch: Er hatte das Gef\u00fchl, Bobbo betrogen zu haben.<\/p>\n<p>Vanilla wu\u00dfte nicht, was er tun sollte. Mama fragen? Die wu\u00dfte immer auf alles eine Antwort, aber allm\u00e4hlich f\u00fchlte er sich zu alt, um immer noch zu ihr zu laufen. Die Gorillahexe? Von Mama wu\u00dfte er, da\u00df es sie gab, aber er kannte den Weg zu ihr nicht. Bobbo? Unm\u00f6glich&#8230; Also blieb Tussi. Aber Tussi war immer so &#8211; &#8211; &#8211; eigenartig. Andererseits &#8211; Tussi hatte immer geholfen.<\/p>\n<p>Vanilla ging zu Tussi und erz\u00e4hlte ihr von seinem Traum. Darauf passierte genau das, wovor er sich gef\u00fcrchtet hatte: Tussi kicherte. Und dann geschah, wovor er noch mehr Angst hatte: Tussi runzelte ihre Froschstirn. War sein Fall so kompliziert? Er wagte nicht zu fragen.<\/p>\n<p>&#8222;Kein Grund zur Aufregung, Stinker&#8220;, sagte Tussi. &#8222;Es handelt sich nicht um ein libidin\u00f6ses Problem. Alles nur eine Frage der Materialbeschaffung. Ich denke mal, bis morgen zum Nachmittagsmittsonnenstand haben wir das bew\u00e4ltigt, dann darfst Du wiederkommen. Ich mu\u00df ein wenig revidieren&#8230;&#8220; Sprach\u00b4s, h\u00fcpfte davon und lie\u00df einen verwirrten Vanilla zur\u00fcck: Jetzt redete Tussi schon genauso unverst\u00e4ndlich wie Bobbo.<\/p>\n<p>Rastlos trottete er durch den Nebelwald und merkte erst nach Stunden, da\u00df er st\u00e4ndig vor sich hin murmelte: &#8222;Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr.&#8220; Es war unm\u00f6glich, den Ohrwurm, den er mal von Bobbo aufgeschnappt hatte, aus dem Kopf zu bekommen, und so plapperte er ihn einfach weiter &#8211; schlafen konnte er sowieso nicht. Nach einermillionundvierhundertdreiundneunzigtausendzweihundertzweiundzwanzig Wiederholungen war endlich der n\u00e4chste Nachmittagsmittsonnenstand herangekommen, und Vanilla fand sich bangen Herzens wieder am Tussisee ein. Bei den Geistern aller Silberr\u00fccken &#8211; das war ja noch schlimmer, als er bef\u00fcrchtet hatte! Nicht nur Tussi erwartete ihn, sondern ihre ganze Riesenfamilie, alle Kinder genau nach Gr\u00f6\u00dfe geordnet (die Kleinsten ganz au\u00dfen), s\u00e4umte das Ufer.<\/p>\n<p>Tussi machte es aber gar nicht feierlich.<\/p>\n<p>&#8222;Tach auch&#8220;, sagte sie einfach und griff hinter sich. &#8222;Die Kiddies sind blo\u00df alle gekommen, weil sie die Premiere nicht vers\u00e4umen wollten. Hier ist also deine Frau &#8211; schlag sie, zupf sie, streichle sie nach Kr\u00e4ften, hihi!&#8220;<\/p>\n<p>Vanilla begriff nicht, wie ihm geschah, aber pl\u00f6tzlich hatte er Tussis Geschenk in den H\u00e4nden und tat, wie ihm gehei\u00dfen. Begeistert klatschten alle Kaulquappen ihm Beifall und wiegten sich synchron mit jeder Bewegung seiner Finger hin und her. Der Funke sprang \u00fcber: Vanilla arbeitete schneller, stampfte dazu hin und her, sprang auf und ab und begann schlie\u00dflich zu singen:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/musik.jpg\" width=\"221\" height=\"198\" align=\"Left\"\/><br \/>&#8222;There was a Gorilla<\/p>\n<p>whose name was Vanilla<\/p>\n<p>he lived in the wood<\/p>\n<p>near Nottinghamshrood!&#8220;<\/p>\n<p>Die Fr\u00f6sche h\u00fcpften, der Urwald dr\u00f6hnte, Vanilla geriet mehr und mehr in Ekstase. Er h\u00e4tte wohl stundenlang weitergemacht, w\u00e4re nicht pl\u00f6tzlich Mama auf ihn zugest\u00fcrzt. Voller Wut br\u00fcllte sie ihn an: &#8222;Du vermenschtes r\u00fccksichtsloses Kind! Was f\u00e4llt Dir eigentlich ein! Von mir hast Du das nicht gelernt!&#8220;<\/p>\n<p>Verschreckt lie\u00df Vanilla seine Arme sinken und guckte Mama ungl\u00fccklich an: Was hatte er denn falsch gemacht?<\/p>\n<p>Schon etwas vers\u00f6hnlicher grummelte Mama: &#8222;Dein Krach st\u00f6rt die Silberr\u00fccken beim Abendpalaver. Der \u00c4ltestenrat hat sich bei mir beschwert. Also h\u00f6r jetzt auf!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Buh!!!&#8220; schrien alle Tussikinder und pfiffen, was die Kiemen hergaben. Gebieterisch winkte Tussi ab. &#8222;Ach ja,&#8220; sp\u00f6ttelte sie, &#8222;der \u00c4ltestenrat! Wir feiern hier die Urwaldentdeckung des Jahrhunderts, und die Herren f\u00fchlen sich beim Verdauen ihrer Uruburudesserts gest\u00f6rt. Na gut, f\u00fcr heute ist Schlu\u00df. Aber&#8220;, sagte sie zu Mama, &#8222;du kannst die Greise schon mal darauf vorbereiten, da\u00df sie morgen fr\u00fch mit meinem hochoffiziellen Besuch rechnen k\u00f6nnen. Ich werde ihnen dann mal eine kleine Vorlesung \u00fcber Talente halten. Und jetzt ab ins Bett, Kinder!&#8220;<\/p>\n<p>Sofort h\u00fcpften alle Kaulquappen in hohem Bogen ins Wasser, und als der letzte Schwanz verschwunden war, folgte ihnen Tussi mit einem eleganten doppelten Salto. Kopfsch\u00fcttelnd trottete Mama zur\u00fcck ins Gorilladorf, und Vanilla blieb verloren am Ufer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Er erschrak f\u00fcrchterlich, als sich nach einer Weile eine Hand auf seine Schulter legte &#8211; Bobbo stand hinter ihm. Bobbo! Bobbo, den er betrogen hatte! Vanilla machte sich auf alles gefa\u00dft, nur auf das breite Grinsen, das sich jetzt \u00fcber Bobbos Gesicht legte, war er nicht vorbereitet.<\/p>\n<p>&#8222;Affengeil, das Instrument! Und du bist auch nicht schlecht. Wenn wir das noch ein bi\u00dfchen \u00fcben &#8211; ein Froschchor dazu w\u00e4re auch nicht schlecht &#8211; und nat\u00fcrlich brauchst du bessere Texte&#8230;Ich hab da schon eine Idee f\u00fcr einen Song, der Anfang geht so: &#8222;Es war einmal ein Affe, der hatt\u00b4 einen gro\u00dfen Floh&#8230;&#8220; Was h\u00e4ltst Du davon? Wir werden DER Hit!&#8220; Kr\u00e4ftig haute er Vanilla auf die Schulter und gab ihm anschlie\u00dfend einen Ku\u00df: &#8222;Oh Gorilla, bin ich stolz darauf, einen Freund zu haben, der so prima Gitarre spielen kann!&#8220;<\/p>\n<p>Erst am n\u00e4chsten Morgen war Vanilla in der Lage, Bobbo st\u00fcckweise zu erkl\u00e4ren, warum er danach so pl\u00f6tzlich in Ohnmacht gefallen war.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"theband\"><\/a>The Band<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Bobbos sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteter \u00dcbungsplan &#8211; jeden Tag zwei Stunden Harmonielehre, zwei Stunden Gitarrenunterricht und zwei Stunden Gesangslehre &#8211; erwies sich als v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig. Vanilla war einfach ein Naturtalent. Schon neun Stunden nach seinem ersten Auftritt vor der Froschfamilie stellte er sich dem Rat der Silberr\u00fccken und brillierte mit einem Text von Bobbo: &#8222;Oh, when the apes go marching in&#8220;. Die alten Herren waren begeistert und hielten sich allesamt f\u00fcr Affen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis des Konzerts war positiv: Vanilla erhielt, offiziell auf einem Uruburublatt-Dokument niedergeschrieben, die Erlaubnis f\u00fcr eine Tournee durch den Regenwald. Bobbo und 50 Tussikinder als Chor sollten ihn begleiten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Tussi war stinksauer, als sie davon erfuhr, aber dann sagte sie zu Vanilla: &#8222;Wart` mal einen Moment.&#8220; In einem stillen Seewinkel dr\u00fcckte sie 50 Eier ab, richtete sie geschmackvoll auf einem Seerosenblatt an und \u00fcbergab sie dem Jungstar: &#8222;Da hast du sie, Stinker. Wenn du sie ordentlich f\u00fctterst, k\u00f6nnen sie sp\u00e4testens in drei Tagen singen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Band zog davon, und der Urwald bebte. Uruburu- und Oroborob\u00e4ume tanzten, Lianen verdoppelten ihr Wachstumstempo, und Epiphyten fielen massenweise zu Boden &#8211; sie hatten sich vor lauter Begeisterung nicht mehr festhalten k\u00f6nnen. Der ganze Urwald war nur noch ein einziger Vanilla-Sound.<\/p>\n<p>Der ganze Urwald? Nein, mehr als das. Vanillas Rock-Funk-Punk-Sound drang weiter hinaus. Dorthin, wo die Menschen leben, die Holzf\u00e4ller. Wie elektrisiert zuckten ihre Glieder, und bei 10% der Holzf\u00e4ller f\u00fchrte das dazu, da\u00df sie die Riesenurwaldb\u00e4ume noch schneller f\u00e4llten als bisher. 90% aber reagierten auf die Musik ganz anders. Sie trafen mit ihren \u00c4xten und S\u00e4gen nicht mehr die B\u00e4ume, sondern hackten unkontrolliert drauflos und verst\u00fcmmelten sich zum Teil selbst.<\/p>\n<p>Den Holzf\u00e4llerherren gefiel das gar nicht. Sie meinten, man m\u00fcsse gegen diese Gorillaband etwas unternehmen. Aber daf\u00fcr mu\u00dfte man sie erst einmal kennenlernen. Was also lag n\u00e4her, als Vanilla, seinen Texter Bobbo und den Froschkinderchor einzuladen? Per Urwaldfunk erreichte Vanilla ein entsprechender Vorschlag:<\/p>\n<p><b>&#8222;Bois de Boulogne f\u00fcr Vanilla-Konzert reserviert STOP Gage 100 000 Francs STOP Unterkunft gesichert (zwei Zook\u00e4fige, eine Badewanne) STOP&#8220;. <\/b><\/p>\n<p>Vanilla hatte immer noch gro\u00dfe Probleme mit der ungewohnten Publicity, und er versuchte, sich Rat zu holen.<\/p>\n<p>Mama blieb reserviert: &#8222;Paris! Wenn`s denn schon sein mu\u00df, dann vergi\u00df blo\u00df die Pariser nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Bobbo meinte: &#8222;Paris, affengeil! Ich hab da von einem Lederladen am Place Pigalle geh\u00f6rt&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Und Tussi: &#8222;Zu den Menschen willst Du? Nach Paris? Da war ich auch mal. Mein Tip: Nimm Dir eine Knarre mit und bring mir auf dem R\u00fcckweg eine Flasche Schlampanski mit.&#8220;<\/p>\n<p>In Vanillas Kopf wolkten Fragezeichen, aber die machten ihn nicht \u00e4ngstlich, sondern nur neugierig.<\/p>\n<p>Blieb das Problem: Wo war eigentlich Paris?<\/p>\n<p>Bobbo mu\u00dfte passen: &#8222;Ich kenne nur den Weg nach Leipzig, es ist ein klein Paris und bildet seine Leute! Irgendwo im Norden mu\u00df es sein&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Das half Vanilla auch nicht viel weiter, aber als er auf der Suche nach dem Weg nach Paris den Nebelwald durchst\u00f6berte, fand er einen alten Atlas.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/literave.jpg\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Er schlug eine Weltkarte auf und suchte am oberen Rand &#8211; Norden war oben, das wu\u00dfte ein gebildeter Gorilla selbstverst\u00e4ndlich. Leise murmelte er vor sich hin: &#8222;Kapstadt, Feuerland, Queen Victoria Land&#8230;Komisch, da\u00df die Namen alle auf dem Kopf stehen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Leise kicherte es \u00fcber ihm &#8211; das kannte er doch? Da machte sich wieder mal ein Schmetterling \u00fcber ihn lustig! Fr\u00fcher hatte er sich das gefallenlassen m\u00fcssen, aber der Urwaldrockk\u00f6nig Vanilla lie\u00df sich nicht mehr verspotten! Zornig sprang Vanilla auf die F\u00fc\u00dfe und begann, den Schmetterling zu jagen. Der t\u00e4nzelte in einem eleganten Halbkreis vor ihm davon. Vanilla folgte, und als er gerade glaubte, den Kicherer erwischt zu haben, stolperte er \u00fcber eine Baumwurzel. Platsch! Wieder hockte er vor dem Atlas, und pl\u00f6tzlich stand die Schrift nicht mehr auf dem Kopf. Wie gut, da\u00df ihn au\u00dfer dem Schmetterling vorher niemand gesehen hatte &#8211; welch eine Blamage, das Buch verkehrt herum zu halten!<\/p>\n<p>Jetzt fand er Paris ganz schnell &#8211; das war aber weit weg, stellte er fest. Wenn er da hinkommen wollte, mu\u00dfte er erst durch den Regenwald, dann durch ein endloses Gebiet namens Sahara, dann \u00fcber eine Meerenge, dann durch Spanien, \u00fcber die Pyren\u00e4en (ob das wohl Menschen waren? Vanilla hatte schon mal etwas von Pygm\u00e4en geh\u00f6rt.) und schlie\u00dflich noch durch Frankreich.<\/p>\n<p>Vanilla beriet sich mit Bobbo. Der zerstreute einen gro\u00dfen Teil seiner Bedenken: \u00dcber die Meerenge, meinte er, k\u00f6nne ein Gorilla ohne weiteres r\u00fcberspringen, au\u00dferdem gebe es da S\u00e4ulen von einem Herrn namens Herkules, von denen k\u00f6nne man sich bestimmt prima absto\u00dfen. Die Pyren\u00e4en seien auch nicht schlimm, das seien keine Menschen, sondern ein Gebirge, und auf Befehl Hannibals seien da schon vor 2000 Jahren Elefanten r\u00fcbergeklettert, und was Elefanten k\u00f6nnen, sei f\u00fcr Gorillas doch erst recht machbar. (Man sieht, der Schulunterricht in Literatien ist weniger der historischen Wahrheit als der dichterischen Freiheit verpflichtet.)<\/p>\n<p>Sorge aber bereitete beiden die Sahara. Das ist eine W\u00fcste, wu\u00dfte Bobbo, und Vanilla schauderte es, als er erfuhr, da\u00df es in einer W\u00fcste kaum Wasser gibt. F\u00fcr einen Nebelwaldgorilla, der der sich mehrmals t\u00e4glich immer wieder am Funkeln der Regentropfen erfreut, ist schon die Vorstellung von einer solchen Gegend unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>&#8222;Gorilla, bleib bei deinen Urwaldleisten&#8220;, murmelte er vor sich hin. &#8222;Wir reisen nicht!&#8220;<\/p>\n<p>Tussi aber war mit dieser Entscheidung \u00fcberhaupt nicht einverstanden. &#8222;Hier wird nicht gekniffen!&#8220; beschied sie Vanilla, &#8222;du f\u00e4hrst hin und bringst mir meinen Schlampanski mit, verstanden? Ihr k\u00f6nnt auch mein Tussimobil haben!&#8220;<\/p>\n<p>Tussimobil? Weder Bobbo noch Vanilla konnten sich darunter etwas vorstellen, aber das war auch gar nicht n\u00f6tig: Tussi sackte sie und ihre 50 Kinder einfach ein, programmierte den Bordcomputer auf Paris und schickte sie los.<\/p>\n<p>Die Band fand sich in labilem Gleichgewicht wieder: Das Tussimobil war auf der Spitze einer gl\u00e4sernen Pyramide gelandet. Der Louvre ist das Herz von Paris, hatte Tussi beschlossen, und da waren sie nun. Die Reisenden st\u00f6rte das gar nicht: Die Froschkinder stiegen zuerst aus und machten beim Runterrutschen das Glas sch\u00f6n schl\u00fcpfrig, und Vanilla und Bobbo sausten ihnen jauchzend hinterher. Die zahlreichen Menschen aber, die Zeugen der Ankunft waren, reagierten merkw\u00fcrdig: Viele rannten kreischend davon und br\u00fcllten: &#8222;Der L\u00f6we ist los!&#8220;; die anderen beschwerten sich dar\u00fcber, da\u00df wegen des Froschschleims die Glaskuppel undurchsichtig geworden war, und wollten ihr Eintrittsgeld zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mindestens so \u00fcberrascht waren die Holzf\u00e4llerherren. Sie hatten ihre Einladung doch erst vor wenigen Stunden abgeschickt, und nun waren die Affen schon hier! Aber Holzf\u00e4llerherren sind flexibel, weil sie genug Menschen besch\u00e4ftigen, die f\u00fcr sie denken und handeln. Bereits 22 Minuten nach der Ankunft der Band traf ein Empfangskomitee ein.<\/p>\n<p>&#8222;Wie sch\u00f6n, da\u00df ihr hier seid! Wir sind davon \u00fcberzeugt, da\u00df ihr die europ\u00e4ische Musikwelt revolutionieren werdet! Euer erstes Konzert ist f\u00fcr morgen angesetzt. Jetzt solltet ihr euch erstmal ausruhen &#8211; sicherlich war die Reise sehr anstrengend!&#8220;<\/p>\n<p>Bobbo, Vanilla und die Froschkinder hatten die Reise \u00fcberhaupt nicht als anstrengend empfunden, aber sie wollten nicht unh\u00f6flich sein und folgten der Einladung. Bobbo und Vanilla bezogen ihre K\u00e4fige, in denen ein Bananenarrangement auf sie wartete, und die Kaulquappen h\u00fcpften in die vorbereitete Badewanne.<\/p>\n<p>Alles schien in Ordnung, aber nur bis zum n\u00e4chsten Morgen. Bobbo meinte, da\u00df der erste Auftritt bei den Menschen gut vorbereitet sein m\u00fcsse, und er hatte deshalb eine Vormittagsprobe angesetzt. Als er aber seinen K\u00e4fig verlassen wollte, stellte er fest, da\u00df das nicht m\u00f6glich war &#8211; ein dickes Schlo\u00df versperrte den Weg in die Freiheit.<\/p>\n<p>Er r\u00fcttelte an der T\u00fcr. Vergeblich. Er sp\u00e4hte nach oben, in der Hoffnung, aus dem K\u00e4fig herausklettern zu k\u00f6nnen. Vergeblich. Stacheldraht versperrte den Himmel. Er rief Vanilla. Vergeblich. Vanilla schlief noch und ertr\u00e4umte neue Melodien. Er rief die Froschkinder. Vergeblich. Keine Antwort.<\/p>\n<p>Als Vanilla pl\u00f6tzlich aufwachte, h\u00f6rte er den Text, nach dem er f\u00fcr seinen neuen Song gesucht hatte:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Mein Blick ist vom Vor\u00fcbergehn der St\u00e4be<\/p>\n<p>so m\u00fcd geworden, da\u00df ihn nichts mehr h\u00e4lt.<br \/>Mir ist, als ob es tausend St\u00e4be g\u00e4be<br \/>und au\u00dfer tausend St\u00e4ben keine Welt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&#8222;Super, Bobbo!&#8220; br\u00fcllte er. &#8222;Du hast\u00b4s mal wieder voll getroffen!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja, Vanilla, murmelte Bobbo, &#8222;so kann man das nennen.&#8220;<\/p>\n<p>Erst allm\u00e4hlich begriff Vanilla, was passiert war. Die Holzf\u00e4llerherren wollten sie t\u00f6ten, und wenn sie das geschafft hatten, konnten sie den Regenwald endlich ungest\u00f6rt vernichten. Konzert im Bois de Boulogne &#8211; phh! Eine Falle war das, und er, und nicht nur er, war darauf hereingefallen. Die Band mu\u00dfte hier raus!<\/p>\n<p>Die Holzf\u00e4llerherren hatten einen Fehler begangen: Vanilla hatte seine Gitarre mit in den K\u00e4fig nehmen k\u00f6nnen. Ganz leise und vorsichtig begann er zu spielen: &#8222;Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatt\u00b4 einen gro\u00dfen Frosch..&#8220; und genauso vorsichtig kam die Antwort: &#8222;Es war einmal \u00b4ne Fr\u00f6schin, die hatte 50 Kinder&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Nach und nach informierten die Froschkinder Vanilla \u00fcber ihre Situation. Sie hockten zusammen in einer Badewanne, in deren Abflu\u00df ein zu kleiner St\u00f6psel sa\u00df &#8211; offensichtlich wollten die Holzf\u00e4llerherren sie austrocknen. Die b\u00f6sen Menschen wu\u00dften aber nicht, da\u00df Fr\u00f6sche im Zustand der akuten Lebensbedrohung sich zu einem Kollektivhirn zusammenschlie\u00dfen k\u00f6nnen &#8211; und genau das taten die Kaulquappen gerade. Sie riefen ihre Mutter zu Hilfe &#8211; und sie erreichten sie.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: symbol, zapfdingbats; font-size: medium;\"><span style=\"color: #ff0000;\">dieseschweinem\u00e4\u00dfigen Schei\u00dfmenschen!schimpf<\/span><br \/><\/span><\/p>\n<p>schimpfte Tussi und machte sich h\u00f6chstpers\u00f6nlich auf, um ihre Kinder und die beiden Gorillas zu retten.<\/p>\n<p>Paris erlebte den kr\u00e4ftigsten Tornado, seit es Lutetia gibt &#8211; erstaunlicherweise wurde nur der Zoo v\u00f6llig verw\u00fcstet. Alle K\u00e4fige wurden zerst\u00f6rt, und nach dem Abflauen des Sturms fand man die K\u00e4figstangen verbogen als Salzbrezeln wieder. Alle gefangenen Tiere waren spurlos verschwunden.<\/p>\n<p>Spurlos? Oh nein, am Tussisee trafen sich alle wieder und vergn\u00fcgten sich auf der von Tussi veranstalteten Freiheitsparty. Die Fr\u00f6schin freute sich zwar \u00fcber ihre erfolgreiche Rettungsaktion, aber sie mu\u00dfte sich beim Feiern mit Urwaldschaumwein begn\u00fcgen und vermi\u00dfte den aus Paris bestellten Schlampanski schmerzlich&#8230;nicht nur deshalb sann Tussi auf Rache.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"weltrett\"><\/a>Die Errettung der Welt<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p><\/p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/welt.jpg\"\/><\/center><p><\/p>\n<p>Mama merkte es als erste &#8211; kein Wunder, seit sie nicht mehr alleinerziehende Mutter eines nicht ganz unkomplizierten Gorillas war, hatte sie viel Zeit zu beobachten, was um sie herum vorging. Anders die anderen &#8211; die Silberr\u00fccken veranstalteten unerm\u00fcdlich unendliche Palaver und br\u00fcsteten sich mit den Heldentaten ihrer Jugend voreinander, und die Band interessierte Trommeln nur in Hinblick auf Musik. Genau das aber fehlte, hatte Mama festgestellt &#8211; das t\u00e4gliche Trommeln der mitt\u00e4glichen Regentropfen auf das Regenwalddach.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Zuerst machte sie sich nicht allzu viele Gedanken und ging von der These aus, da\u00df wohl ein ungew\u00f6hnlich hohes Hoch sich Zentralafrika ausgesucht haben m\u00fcsse, um sich von seinen atmosph\u00e4rischen Wanderstrapazen zu erholen. Als aber nach sieben trockenen Tagen die Bl\u00e4tter der Uruburub\u00e4ume lappig wurden &#8211; und das empfand Mama als sehr \u00e4rgerlich, denn sie hatte sich vorgenommen, an diesem Tag ein Bananensouffl\u00e9 in seiner Bl\u00e4tterh\u00fclle zu backen &#8211; ging Mama zum Tussisee. Erstens hatte sie das Bed\u00fcrfnis, ihre hei\u00dfen F\u00fc\u00dfe zu k\u00fchlen, und zweitens wollte sie Tussi auf das Regenproblem aufmerksam machen.<\/p>\n<p>&#8222;Ja, ja, wir Frauen sind doch sensibler!&#8220; kicherte Tussi nach vielen Umarmungsbegr\u00fc\u00dfungen. &#8222;Du hast es also gemerkt, aber die Machokerle sind so blind vom Glauben an ihre m\u00e4nnliche Bedeutsamkeit, da\u00df sie wohl erst aufwachen, wenn die Welt untergeht. Das dauert \u00fcbrigens nicht mehr lange!&#8220;<\/p>\n<p>Mama war von Tussis Begr\u00fc\u00dfung so geschmeichelt, da\u00df der letzte Satz nur langsam in ihr Bewu\u00dftsein sickerte. &#8222;Was hast du gesagt?&#8220; fragte sie entsetzt. &#8222;Die Welt geht bald unter?&#8220; Aber was wird dann aus dem Nebelwald, aus uns allen und vor allem aus Vanilla?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Keine Sorge&#8220;, zwinkerte Tussi ihr zu, &#8222;die Welt geht auch wieder auf, und keiner wird`s merken. Aber du hast ja schon was gemerkt, also werde ich dich in meinen Plan einweihen. Aber wehe, du verr\u00e4tst was!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich werde schweigen wie eine Gorillafrau!&#8220; versprach Mama, und Tussi fl\u00fcsterte ihr zwei Stunden und 22 Minuten lang intensiv ins Ohr. Nicht mal die Froschkinder bekamen auch nur einen verst\u00e4ndlichen Laut mit, obwohl sie intensiv zu lauschen versuchten.<\/p>\n<p>Aufgeregt stampfte Mama danach nach Hause und backte ihr Bananensouffl\u00e9, um sich ein wenig abzulenken, aber sie war so unkonzentriert, da\u00df sie das Backpulver verga\u00df. Als sie ihr Werk aus dem Erdbackofen holte, \u00e4hnelte es einem verschrumpelten Pavianarsch, und Mama warf es angeekelt weg &#8211; Gorillas m\u00f6gen n\u00e4mlich keine Paviane, erstens allgemein nicht und zweitens schon gar nicht als Essen. &#8211;<\/p>\n<p>Nicht nur im Nebelwald hatte es aufgeh\u00f6rt zu regnen &#8211; es regnete nirgendwo mehr auf der Erde. Der Sahara fiel es leicht, das zu ertragen &#8211; eine W\u00fcste ist daran gew\u00f6hnt, ohne Wasser auszukommen. Anders erging es den Menschen, also den Holzf\u00e4llern und ihren Holzf\u00e4llerherren. Sie brauchten am Tag ungef\u00e4hr vier Liter Wasser, und das war immer schwerer zu beschaffen. Dabei narrte sie der Himmel und versprach ihnen mindestens einmal t\u00e4glich das ersehnte Na\u00df: Dicke blauschwarze Wolken zogen auf, grelle Blitze zuckten, und dumpf grollte der Donner. Aber immer dann, wenn es so aussah, als m\u00fc\u00dfte das Gewitter jetzt endlich losbrechen, nahmen die Wolken die Gestalt eines riesigen Frosches an, der das Firmament v\u00f6llig bedeckte, und statt des Donners h\u00f6rten sie eine entsetzliche Stimme:<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><\/center><center>&#8222;Ich bin der Geist, der euch verneint!<br \/>Und das mit Recht; denn alles, was Mensch macht,<br \/>ist wert, da\u00df es zusammenkracht;<br \/>Also, ihr \u00c4rsche: Gute Nacht&#8220;!<\/center><p><\/p>\n<p>(Wie man sieht, ist Tussi bei Bobbo in die Schule gegangen, aber man merkt auch, da\u00df sie nur einen Schnellkurs belegt hat.)<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Am f\u00fcrchterlichsten f\u00fcr die Menschen aber war das Gel\u00e4chter, das im Anschlu\u00df an diese Drohung \u00fcber die Erde schallte.<\/p>\n<p>In Paris entwickelten sich die Dinge so wie \u00fcberall, jedenfalls im Prinzip. Nachdem die Seine ausgetrocknet war, kauften die Holzf\u00e4llerherren die Champagne mit allem beweglichen und unbeweglichen Inventar, um an Fl\u00fcssigkeiten zu kommen. Eine Weile hielten sie sich so mit edlem Champagner \u00fcber Wasser und machten Tussi dadurch, ohne es zu wissen, noch zorniger.<\/p>\n<p>Als auch diese Vorr\u00e4te ersch\u00f6pft waren, begannen die Holzf\u00e4ller, die noch nicht vertrocknet waren, auf Befehl ihrer Herren, den Bois de Boulogne abzuholzen, um das Wasser aus den B\u00e4umen zu pressen. Das Baumwasser sollte in Badewannen in den Herrenh\u00e4usern gesammelt werden, aber durch die anhaltende D\u00fcrre waren die Gummi-Badewannenst\u00f6psel zusammengeschrumpft und spr\u00f6de geworden, so da\u00df die Dreiecksbadewannen und Hot Tubs unaufhaltsam leerliefen &#8211; warum sollte es den Menschen anders gehen als Froschkindern?<\/p>\n<p>Nach diesem gescheiterten Projekt suchten die Holzf\u00e4llerherren nach Holzf\u00e4llern, denen sie befehlen konnten, f\u00fcr sie zu urinieren &#8211; aber es gab keine Holzf\u00e4ller mehr. Alle waren irgendwann tot umgefallen und dann innerhalb von 22 Minuten zu Staub zerbr\u00f6selt. Da die Herren niemals gelernt hatten, selbst zu arbeiten, blieb ihnen nur \u00fcbrig, auf den Zeitpunkt zu warten, wo sie auch tot umfallen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nach 22 Monaten gab es keinen Menschen mehr auf der Erde, kein Tier lebte, keine Pflanze. &#8211;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/tuwe.jpg\" align=\"Left\"\/><br \/>&#8222;Wei\u00df du, Tussi, ein bi\u00dfchen anders ist es schon hier&#8220;, sagte Mama, als sie wieder mal zum Besuch am Gorillasee war. &#8222;Die anderen haben es da einfacher, weil du vor dem Umzug ihr Ged\u00e4chtnis gel\u00f6scht hast. Deshalb finden sie es v\u00f6llig normal, da\u00df hier die Zeit mal r\u00fcckw\u00e4rts und mal vorw\u00e4rts l\u00e4uft, je nachdem, wie sie es gerade w\u00fcnschen. Ich krieg da immer noch manchmal Schwindelanf\u00e4lle &#8211; l\u00e4uft die Zeit vorw\u00e4rts, ist der Himmel blau, l\u00e4uft sie r\u00fcckw\u00e4rts, ist er gr\u00fcn; im ersten Fall ist der Urwald dreidimensional, im zweiten hat er eine Dimension mehr &#8211; ob ich mich jemals dran gew\u00f6hnen werde?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Keine Sorge, kommt Zeit, kommt Gew\u00f6hnung&#8220;, antwortete Tussi. &#8222;Immerhin mu\u00dft du zugeben, da\u00df es hier in meiner Parallel-Tachyonenwelt spannender ist als auf der versifften alten Erde. Und wir werden f\u00fcr \u00c4onen unsere Ruhe haben &#8211; Prometheus spiele ich nie wieder. Der einzige Vorzug der Menschen war, da\u00df sie Schlampanski machen konnten, aber davon habe ich auch nie genug abbekommen. Ich werd mich halt an Bananenwein gew\u00f6hnen&#8230; Was h\u00e4ltst du eigentlich davon, wenn wir heute abend ne Party f\u00fcr alle feiern? So zur Begr\u00fc\u00dfung? Ich mach die Getr\u00e4nke, du das Essen und die Band die Mucke!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Gute Idee&#8220;, sagte Mama begeistert. &#8222;Wie w\u00e4r\u00b4s mit Bananencharcuterie, Bananenauflauf und zum Schlu\u00df mit einem Bananensouffl\u00e9?&#8220;<\/p>\n<p>Tussi war einverstanden, und Mama sauste los zum Bananensammeln.<\/p>\n<p>&#8222;Vergi\u00df nicht, die Zeituhr auf &#8222;vorw\u00e4rts&#8220; zu programmieren&#8220;, rief Tussi ihr nach, &#8222;sonst wird das mit dem Essen nie was&#8230;&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"bach\"><\/a>Tussig\u00f6delescherbach<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Auch eine vierdimensionale Welt mit variabler vorw\u00e4rts- oder r\u00fcckw\u00e4rts laufender Zeit ist nicht so kompliziert, wie mensch sich das vorstellt &#8211; gorilla kommt damit gl\u00e4nzend zurecht. Mamas Festessen gelang hervorragend. Alle Affen fra\u00dfen sich so voll, da\u00df sie anschlie\u00dfend nur mit M\u00fche in ihre Bl\u00e4tternester wanken konnten, und die Gorillas, die ihre Schlafst\u00e4tten unvorsichtigerweise in der luftigen H\u00f6he von 50 Zentimetern gebaut hatten, bezahlten ihre Tollk\u00fchnheit in der Nacht nach dem Festmahl damit, da\u00df ihr Schlafzimmer wegen \u00dcberlastung unsanft auf den Boden krachte. Im Tussisee stieg der Wasserspiegel um 40 Zentimeter, weil jede Kaulquappe ihr <a name=\"back11\"><\/a>Volumen verdoppelt hatte. <a href=\"#funo11\">(11)<\/a> Sogar die cleveren Schmetterlinge hatten M\u00fche, so elegant wie gewohnt auf ihren Lieblingsbl\u00fcten zu balancieren, weil sie in unbeobachteten Augenblicken reichlich vom Bananenwein genascht hatten.<\/p>\n<p>Es hatte sich also im Urwald nichts ge\u00e4ndert &#8211; wenn alle Tiere gemeinsam ein Fest feierten und die Zeit vorw\u00e4rts lief, war das schon immer so gewesen. Aber &#8211; nicht immer taten alle alles gemeinsam! Und manchmal lief die Zeit nicht vorw\u00e4rts&#8230;<\/p>\n<p>Vanilla und Bobbo entwickelten einen gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Ehrgeiz. Sie waren sich dessen nicht bewu\u00dft, und wenn man sie gefragt h\u00e4tte, warum sie das taten, h\u00e4tten sie keine Antwort gewu\u00dft &#8211; schlie\u00dflich hatten sie schon vorher einen riesengro\u00dfen <a name=\"back12\"><\/a>Erfolg gehabt. Aber sie sp\u00fcrten tief in ihrem Innersten, das nur die Tiefenpsychologie <a href=\"#funo12\">(12)<\/a> h\u00e4tte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, da\u00df sie Tussis wegen so handelten. Irgend etwas fehlte der Fr\u00f6schin, und sie versuchten, ihr das zu ersetzen.<\/p>\n<p>So gut sie einander auch verstanden &#8211; beim Komponieren gingen ihre Vorstellungen oft auseinander. Vanilla lie\u00df sich von Stimmungen und von Dope inspirieren, w\u00e4hrend Bobbo immer Stapel von B\u00fcchern mit sich herumschleppte, literarische Vorlagen zitierte und auf musikalisch-\u00e4sthetische Theorien verwies. Manchmal konnte es dabei ganz sch\u00f6n hei\u00df hergehen &#8211; Vanilla klimperte einfach selbstvergessen ein Riff vor sich hin, worauf Bobbo sofort kritisierte, da\u00df dabei zwar Zw\u00f6lftonmusik angelegt, aber nicht konsequent durchgehalten worden sei, wo doch die Werke der Gorillas Berg und Sch\u00f6nberg zeigten, wie man das richtig mache, und auch schon bei dem polnisch-spanischen Affen Chopin sei davon etwas sp\u00fcrbar, obwohl der nat\u00fcrlich theoretisch noch gar nicht begriffen habe, was der da mache, aber kein Wunder, er war ja auch kein Afrikaner&#8230;<\/p>\n<p>Als Bobbo begann, Vanilla einen Vortrag \u00fcber europ\u00e4isch-afrikanische Harmonielehre und die Urspr\u00fcnge der Musik der zivilisierten Welt in \u00c4gypten und Griechenland zu halten, war Vanillas Geduld zu Ende, und er begann eine ernsthafte Pr\u00fcgelei mit Bobbo, die zuerst zu blauen Flecken, dann zu Knutschflecken und endlich zu einem urwaldersch\u00fctternden gemeinsamen Orgasmus f\u00fchrte. Trotz des Happyends zogen die beiden aus dieser Erfahrung eine sinnvolle Konsequenz: In Zukunft wollten sie erstmal getrennt sch\u00f6pferisch t\u00e4tig sein und dann in Ruhe ihre Ergebnisse miteinander austauschen.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck am n\u00e4chsten Morgen packte Bobbo einen Rucksack voller B\u00fccher zusammen und stapfte tief in den Regenwald, um zu texten. Da er zwar wu\u00dfte, da\u00df er das gut konnte, aber auch glaubte, die alten Meister Literatiens nicht erreichen zu k\u00f6nnen, las er unter einem Uruburubaum erst mal stundenlang Gedichte &#8211; nat\u00fcrlich von Gorilla G\u00f6te, aber auch von seinen anderen literarischen Lieblingsaffen: Schiller, Rilke, <a name=\"back13\"><\/a>George und Benn.<a href=\"#funo13\">(13)<\/a> Von so viel Lyrik wurde er allm\u00e4hlich ganz schl\u00e4frig, das gerade aufgeschlagene Buch glitt ihm aus der Hand, er blinzelte noch ein wenig durch die Bl\u00e4tter in den gr\u00fcnen Himmel und sank dann in einen sch\u00f6pferischen Schlummer.<\/p>\n<p>Als er erwachte, war der Text f\u00fcr Vanillas neuesten Song in seinem Kopf fix und fertig, und er brauchte ihn nur noch mit einem Lianengriffel in ein gro\u00dfes Arabarablatt zu ritzen:<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center><b><span class=\"hilite\">&#8222;Ein Affe auf der Wiese stand<\/span><\/b><\/center><p><\/p>\n<p>Unschuldig noch und unbekannt;<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Es war ein s\u00fc\u00dfer Affe.<\/p>\n<p>Da kam ein junger Gorilla hin<\/p>\n<p>Mit leichtem Schritt und munterm Sinn<\/p>\n<p>Dahin, dahin,<\/p>\n<p>Die Wiese hin, und sang.<\/p>\n<p>Ach! denkt der Affe, w\u00e4r ich nur<\/p>\n<p>Das sch\u00f6nste M\u00e4nnchen der Natur,<\/p>\n<p>Ach, nur ein kleines Weilchen,<\/p>\n<p>Bis mir Gorilla zugenickt<\/p>\n<p>Und dann ein bi\u00dfchen sanft gefickt!<\/p>\n<p>Ach nur, ach nur<\/p>\n<p>Ein Viertelst\u00fcndchen lang!<\/p>\n<p>Ach! aber ach! Gorilla kam<\/p>\n<p>Und gar nicht sanft den Affen nahm,<\/p>\n<p>Rei\u00dft auf den armen Affen.<\/p>\n<p>Er sank und litt und freut` sich noch:<\/p>\n<p>Und leid ich denn, so leid ich doch<\/p>\n<p>Durch ihn, durch ihn,<\/p>\n<p>Zu seinen F\u00fc\u00dfen doch.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Die letzten Verse kritzelte Bobbo hastig auf das Blatt, denn es begann bereits zu d\u00e4mmern. Eilig warf er seine B\u00fccher in den Rucksack, pfl\u00fcckte sich noch eine Banane als Wegzehrung &#8211; erst jetzt bemerkte er, wie hungrig ihn die sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit gemacht hatte &#8211; und schlug den Weg nach Hause ein, wo Vanilla schon sehns\u00fcchtig auf ihn wartete.<\/p>\n<p>Vanilla hatte zum Komponieren Mamas N\u00e4he gesucht &#8211; er liebte es, wie in seiner Kindheit ihren Geruch zu versp\u00fcren, und wenn sie beim Kochen vor sich hin murmelte, inspirierte ihn das. Und Mamas Lieblingst\u00e4tigkeit hatte nat\u00fcrlich einen angenehmen Nebeneffekt: Gekochtes konnte man essen, und Vanilla futterte noch immer f\u00fcr sein Leben gern. Heute servierte sie eines ihrer<a name=\"back14\"><\/a> Meisterwerke: Bananenkeulchen, gef\u00fcllt mit Mango-Bl\u00e4ttermousse. <a href=\"#funo14\">(14)<\/a><\/p>\n<p>Vanilla komponierte und a\u00df, a\u00df und komponierte. Mit seiner sch\u00f6pferischen T\u00e4tigkeit, das registrierte er ab und zu aus den Augenwinkeln, schien er mal wieder den Nerv des Urwalds zu <a name=\"back15\"><\/a>treffen: Alles, was lebte <a href=\"#funo15\">(15<\/a>), zuckte im Rhythmus seiner neuen Melodie. Nach dem opulenten Essen \u00fcbte er einige schwierige Stellen noch ein paarmal, bevor er sich den verdienten Verdauungsschlaf g\u00f6nnte &#8211; er war so m\u00fcde, da\u00df ihn auch die Schmetterlinge, die unbedingt weiter nach seiner Mucke tanzen wollten, lange Zeit nicht wachkitzeln konnten.<\/p>\n<p>Nach Stunden gelang ihnen das aber doch: Vanilla rieb sich die Augen und stellte fest, da\u00df die Sonne schon tief am Horizont stand. Gereizt wischte er den Schmetterlingsschwarm zur Seite und hielt Ausschau nach Bobbo, aber von dem war nichts zu sehen. Um ihn war Stille, abgesehen von wohligem Grunzen: Die gesamte Gorillahorde hatte sich an Mamas Festessen g\u00fctlich getan. Es dunkelte. Vanilla begann, sich Sorgen zu machen: Er wu\u00dfte, da\u00df Bobbo sich tief in den Urwald zur\u00fcckgezogen hatte. Wenn er sich nun in der Nacht verirrte? Er mu\u00dfte ihn suchen gehen!<\/p>\n<p>Leider schlief auch Mama tief und fest, und Tussi hockte melancholisch unter der Wasseroberfl\u00e4che ihres Sees: So konnte ihn niemand aufhalten oder vor den Gefahren der neuen Welt warnen.<\/p>\n<p>Vanilla brach auf. Er tauchte ein in die Nacht des Regenwaldes. Schw\u00e4rze umgab ihn. Immerhin hatte er seine Gitarre mitgenommen, in der Hoffnung, da\u00df Bobbo h\u00f6ren w\u00fcrde, wenn er spielte. Und so spielte er denn, w\u00e4hrend er ging. Der Nachteil dieses Verfahrens bestand darin, da\u00df er sich nicht mit den H\u00e4nden vorw\u00e4rts tasten konnte, und so rummste er immer wieder gegen dicke B\u00e4ume und verfing sich in Lianen. Zum Gl\u00fcck hatte er ja gut gesessen, so da\u00df ihn die Energie nicht verlie\u00df. Aber weil es so stockfinster war, bemerkte er nicht, da\u00df sich um ihn herum pl\u00f6tzlich eine Ver\u00e4nderung vollzog: Bl\u00e4tter schrumpften allm\u00e4hlich und wechselten die Farbe von dunklem zu hellem Gr\u00fcn. Ganz junges Laub zog sich wieder in die Knospe zur\u00fcck. Nachtschmetterlinge wurden starr und falteten sich zusammen, und um sie herum wuchs eine Chitinh\u00fclle. Fast unmerklich schrumpften alle Pflanzen.<\/p>\n<p>Unverdrossen stapfte Vanilla vorw\u00e4rts und rief Bobbo mit seiner Gitarre. Ab und zu schrie er auch:<\/p>\n<p>&#8222;BOBBO!&#8220;<\/p>\n<p>Endlich, nachdem er schon vierundf\u00fcnfzig blaue Flecken hatte, h\u00f6rte er schwach in der Ferne eine Antwort:<\/p>\n<p>&#8222;VANILLA!&#8220;<\/p>\n<p>Hurra, es war geschafft! Abwechselnd rufend und mit schrillen Cis-Dur-Akkorden der Gitarre bewegten sich Bobbo und Vanilla aufeinander zu. Lauter und klarer wurden ihre wechselseitigen Signale. Bald h\u00f6rten sie einander so deutlich, da\u00df sie meinten, nur wenige Meter voneinander entfernt zu sein &#8211; aber dann verloren sie einander wieder. Eben hatten sie noch miteinander in Gorillanestlautst\u00e4rke reden k\u00f6nnen, und jetzt mu\u00dften sie wieder br\u00fcllen, wenn sie \u00fcberhaupt noch einen Laut vom anderen wahrnehmen wollten. Was war das? Wahrscheinlich nur \u00e4ffische Dummheit &#8211; sie versuchten es ein zweites Mal, ein drittes, ein viertes, schlie\u00dflich h\u00f6rten sie auf zu z\u00e4hlen. Sie liefen einfach weiter und riefen einander, die ganze Regenwaldnacht lang, bis sie beide fast gleichzeitig mit dem Kopf gegen einen niedrigh\u00e4ngenden Ast bumsten und k.o. zu Boden gingen.<\/p>\n<p>Die Sonne ging \u00fcber dem Gorillawald auf. Eine ganz junge violette Orchidee blinzelte in den gr\u00fcnen Himmel und zog sich in ihre Knospe zur\u00fcck. Vanilla und Bobbo f\u00fchlten die warmen Strahlen, drehten sich einmal um ihre L\u00e4ngsachse und schlugen die Augen auf. Vanilla sah Bobbo. Bobbo sah Vanilla. Beide waren genau zwei Meter voneinander entfernt.<\/p>\n<p>&#8222;Wieso bist Du denn hier? Ich habe Dich die ganze Nacht lang gesucht!&#8220; sagten sie wie aus einem Mund.<\/p>\n<p>Aber dann mu\u00dften sie einander erstmal herzhaft begr\u00fc\u00dfen, und dazu brauchten sie keine Antworten, wohl aber eine halbe Stunde. Danach versuchten sie, das R\u00e4tsel zu l\u00f6sen. Bobbo schlug vor, die Spuren der n\u00e4chtlichen Suche zu verfolgen, und als sie das taten, stellten sie fest, da\u00df jeder von ihnen immer denselben Weg gegangen war, und zwar in einer fast perfekten Acht &#8211; in dieser Form war das Urwaldgras niedergetrampelt. Bobbo hatte nat\u00fcrlich in seiner Halbstarkenzeit Karl May27 gelesen und tat sich deshalb etwas auf seine F\u00e4higkeiten als Spurensucher zugute: Er fand heraus, da\u00df einzelne Grashalme im Winkel von 180\u00b0 zueinander standen. Beide waren also in entgegengesetzter Richtung aufeinander zugegangen und hatten sich wieder voneinander entfernt, sie hatten einen einmal eingeschlagenen Pfad nicht wieder verlassen, und sie hatten sich nicht finden k\u00f6nnen, obwohl sie einander ganz nahe gewesen waren &#8211; merkw\u00fcrdig!<\/p>\n<p>Bobbo und Vanilla sahen einander an und verst\u00e4ndigten sich ohne Worte, da\u00df sie dieses R\u00e4tsel vorerst nicht l\u00f6sen k\u00f6nnten. Sie waren auch viel zu froh, da\u00df sie sich wiedergefunden hatten, sie wollten sich jetzt nicht mit Problemen besch\u00e4ftigen. Und beide waren neugierig: Was hatte ihre sch\u00f6pferische Isolation gebracht?<\/p>\n<p>&#8222;Was hast Du gedichtet?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Was hast Du komponiert?&#8220;<\/p>\n<p>Die Fragen kamen gleichzeitig. Um auszuknobeln, wer anfangen sollte, schlossen sie eine Wette auf die n\u00e4chste Flugbewegung eines gelben Schmetterlings ab, der vor ihnen herumtanzte: W\u00fcrde er rechts- oder linksherum fliegen? Bobbo gewann, also mu\u00dfte Vanilla anfangen.<\/p>\n<p>Vanilla griff seine Gitarre und pr\u00e4sentierte seine Komposition von gestern. Sofort beschlich ihn ein ungutes Gef\u00fchl: Irgendwie klang alles falsch. Bobbo hielt sich schon nach wenigen Akkorden die Ohren zu. Nur mit M\u00fche spielte Vanilla zu Ende.<\/p>\n<p>&#8222;Was hast Du denn da gemacht?&#8220;<\/p>\n<p>Vanilla antwortete nicht. Seine Musik hatte f\u00fcr sich selbst gesprochen. Das war einfach Mist. Komisch war nur, da\u00df gestern der ganze Urwald mit seiner neuen Komposition mitgeswingt hatte. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr &#8211; er hatte offensichtlich versagt.<\/p>\n<p>Klaglos ertrug er daher, da\u00df Bobbo die Gelegenheit nutzte, um einen seiner Vortr\u00e4ge \u00fcber Kompositionslehre loszuwerden &#8211; ein hochgradig verungl\u00fcckter Krebsgang, so lautete das Urteil, sei Vanillas neueste Kreation. Weil es im Gorillawald keine Krebse gab, wu\u00dfte Vanilla nicht genau, was Bobbo meinte, aber er akzeptierte sein Urteil: Was er da gerade vorgespielt hatte, war ganz bestimmt kein Hit!<\/p>\n<p>Trotz allem behielt Vanilla seine gute Laune: Auch Naturtalente m\u00fcssen mal schwache Stunden haben d\u00fcrfen! Und da war ja noch Bobbo: Sicher hatte der einen so geilen Text gedichtet, da\u00df ihm gar nichts anderes \u00fcbrigblieb, als daf\u00fcr eine fetzige Melodie zu schreiben.<\/p>\n<p>Bobbo war durchaus bereit, das Ergebnis seiner sch\u00f6pferischen dichterischen T\u00e4tigkeit zu pr\u00e4sentieren, aber bitte nicht gleich. Er hatte einen doppelgorill\u00f6sen Hunger, und das war auch kein Wunder, denn er hatte seit Stunden &#8211; mit Ausnahme einer Wegzehrungsbanane &#8211; nichts gegessen. Als Vanilla ihm weitere Bananen anbot, weil er m\u00f6glichst hier und jetzt Bobbos neuesten Text kennenlernen wollte, winkte der angewidert ab:<\/p>\n<p>&#8222;Ich brauch jetzt erstmal was Warmes!&#8220;<\/p>\n<p>Eigentlich eine gute Idee &#8211; auch Vanilla konnte nach der anstrengenden Nacht schon wieder einen kr\u00e4ftigen Appetit entwickeln. Also auf zu Mama und ihren Bananenfr\u00fchst\u00fcckspfannkuchen!<\/p>\n<p>Zu Hause hatte niemand ihr Fehlen bemerkt, und so gab es keine l\u00e4stigen Fragen. Nachdem sie sich gest\u00e4rkt hatten, konnte Bobbo sich nicht l\u00e4nger zieren, und er begann, seinen Text vom Arabarablatt abzulesen:<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p><center>&#8222;doch F\u00fc\u00dfen seinen zu<\/center><p><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ihn durch, ihn durch,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">doch ich leid so, denn ich leid und<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">:noch sich freut` und litt und sank er<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.Affen armen den auf Rei\u00dft<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">,nahm Affen den sanft nicht gar Und<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">,kam Gorilla !ach aber !Ach&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Ach!&#8220; sagte Vanilla.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Stimmt was nicht?&#8220; fragte Bobbo.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Das ist der gr\u00f6\u00dfte Schei\u00df, den ich je geh\u00f6rt habe!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Wieso? Das ist eine Gorilla-G\u00f6te- Adaption!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8222;Schei\u00df auf Gorilla G\u00f6te!&#8220;<\/p>\n<p>Damit hatte Vanilla Bobbo in seinem Innersten gekr\u00e4nkt. Nun gut, der Text klang anders als im Urwald, als er ihn gedichtet hatte, er klang, zugegeben, wesentlich schlechter &#8211; aber das war noch lange kein Grund, Gorilla G\u00f6te in den Dreck zu ziehen.<\/p>\n<p>Bobbo rastete aus. Es begann die gr\u00f6\u00dfte Pr\u00fcgelei, die die Gorillahorde jemals gesehen hatte. Vanilla wehrte sich nach Kr\u00e4ften. Es hagelte blaue Flecken. Aber diesmal wurden aus blauen Flecken keine Knutschflecken, sondern dunkelviolette Beulen. Vanilla und Bobbo fochten einen Kampf auf Leben und Tod aus, dem Mama und die Silberr\u00fccken hilflos zusahen. Schlag folgte auf Schlag. Aber beide waren gleich stark, und bevor sie einander endg\u00fcltig au\u00dfer Gefecht setzen konnten, torkelten sie, beschleunigt vom letzten Schwinger, in verschiedene Richtungen in den Urwald davon.<\/p>\n<p>Gel\u00e4hmt vor Schrecken starrte Mama ihnen nach.<\/p>\n<p>&#8222;Hilf, Tussi!&#8220; murmelte sie.<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"verruck\"><\/a>Das ist ja zum Verr\u00fccktwerden<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>Zuerst aber mu\u00dfte Mama sich mal erholen, und das war auch kein Fehler. Es h\u00e4tte ihr n\u00e4mlich gar nichts gen\u00fctzt, wenn sie gleich zum Tussisee gestapft w\u00e4re, um ihre Froschfreundin um Rettung zu bitten. Tussi hatte sich tief in den schlammigen Seeboden hineingew\u00fchlt und ihre Ohren erfolgreich mit Matsch verstopft, so da\u00df sie nichts zu h\u00f6ren brauchte. Dort hockte sie seit Tagen und tauchte auch nicht auf, als die verzweifelte Mama sie endlich besuchte, um mit ihr zu konferieren.<\/p>\n<p>&#8222;Tussi!&#8220; rief Mama zun\u00e4chst mit Normallautst\u00e4rke und dann immer greller, immer schriller, bis sie sich zu einem Kreischen steigerte, das normalerweise nur die Silberr\u00fccken aussto\u00dfen, wenn es um einen Kampf auf <a name=\"back16\"><\/a>Leben und Tod<a href=\"#funo16\"> (16)<\/a> geht. Aber ihr antwortete nur die ger\u00e4uschvolle Stille des Urwalds. Tussis Kinder allerdings hatten sich nicht in Schlamm und Melancholie zur\u00fcckgezogen, sie hatten nur R\u00fccksicht auf ihre Mutter genommen und sich ihretwegen dezent leise verhalten. Als sie Mama aber so herzzerrei\u00dfend kreischen h\u00f6rten, mu\u00dften sie sich bemerkbar machen. Wie auf Kommando bildeten sie einen Kreis am Seeufer &#8211; sie kamen aus dem Wald und aus dem Wasser, sie hatten unterschiedliche Entfernungen zur\u00fcckzulegen, aber sie trafen gleichzeitig ein und arrangierten sich \u00e4sthetisch &#8211; und begannen einen Mama-Trostgesang:<\/p>\n<p>&#8222;Schlaf, Mama, schlaf,<\/p>\n<p>Vanilla ist ein Schaf!<\/p>\n<p>Und Tussi macht bald alles heil,<\/p>\n<p>dann ist das Leben wieder geil,<\/p>\n<p>schlaf, Mama, schlaf!&#8220;<\/p>\n<p>Der Song war selbstgemacht und erreichte deshalb nicht die \u00e4sthetische Qualit\u00e4t von Bobbos Libretti, aber er erf\u00fcllte seinen Zweck: Mama schlief ein. Nachdem eine Kaulquappenabordnung sich davon \u00fcberzeugt hatte, da\u00df die Gorillafrau die Tiefschlafphase erreicht hatte &#8211; sie zwickten sie dazu sanft ins linke Ohr -, begannen sie in einer Seebucht in der N\u00e4he eine Froschkinderkonferenz.<\/p>\n<p>Eine Quappe, die schon fast vier Gliedma\u00dfen und kaum noch einen Schwanz hatte, also nahezu ausgewachsen war, \u00fcbernahm die Diskussionsleitung.<\/p>\n<p>&#8222;Schwestern und Br\u00fcder, Kaulquappinnen und Kaulquappen!&#8220; rief sie in das allgemeine Quaken hinein, &#8222;ich bitte um Ruhe und Disziplin! W\u00e4hrend der Dauer dieser Konferenz herrschen Quak- und H\u00fcpfverbot!&#8220;<\/p>\n<p>Es erhob sich kaum Protestgemurmel gegen diese Anordnung &#8211; zwar geh\u00f6ren Quak- und H\u00fcpfverbot zum Schlimmsten, was werdenden Fr\u00f6schen angetan werden kann, aber au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde erfordern au\u00dfergew\u00f6hnliche Verbote.<\/p>\n<p>Das betonte auch die <a name=\"back17\"><\/a>Vorsitzende:<\/p>\n<p>&#8222;Schwestern, Kaulquappinnen! <a href=\"#funo17\">(17)<\/a> Es er\u00fcbrigt sich, Euch lange Vortr\u00e4ge zu halten. Wir alle wissen, wie ernst die Lage ist. F\u00fcr die j\u00fcngsten unter Euch fasse ich das Wichtigste kurz zusammen:<\/p>\n<p>Unsere Mutter leidet unter schweren Depressionen.<\/p>\n<p>Unter den Gorillas ist Feindschaft ausgebrochen.<\/p>\n<p>Die Urwaldkultur ist in Gefahr.<\/p>\n<p>Mamas neue Welt ist zu kompliziert f\u00fcr die meisten Regenwaldbewohner.<\/p>\n<p>Schwestern, was sollen wir tun?&#8220;<\/p>\n<p>Weil zwar Quak- und H\u00fcpf-, nicht aber Redeverbot angeordnet worden war, sprachen alle auf diese Frage hin sofort durcheinander. Nur m\u00fchsam konnte die Vorsitzende Ruhe herstellen, indem sie sich laut klatschend mit den H\u00e4nden auf ihre Schallk\u00f6rper schlug. Sie verzichtete darauf, der Versammlung ihr Mi\u00dffallen \u00fcber den Tumult kundzutun, sondern sagte nur p\u00e4dagogisch:<\/p>\n<p>&#8222;Ich er\u00f6ffne hiermit die Rednerliste!&#8220;<\/p>\n<p>In schneller Folge wurden Vorschl\u00e4ge in die Runde geworfen:<\/p>\n<p>&#8222;Wir suchen Bobbo und Vanilla und vers\u00f6hnen sie wieder!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wir tauchen in den See und kitzeln Mama so lange, bis sie lachen mu\u00df!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Vanillas Mama soll mal wieder ein 7-G\u00e4nge-Men\u00fc kochen, dann vertragen sich alle bestimmt wieder!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Gute Idee, und dazu spielen wir alte Platten von unserer Band.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wir bringen dem \u00c4ltestenrat ein St\u00e4ndchen und sagen ihm, da\u00df er Ordnung schaffen soll &#8211; schlie\u00dflich ist er ja f\u00fcr Krisensituationen da!&#8220;<\/p>\n<p>Nach der ersten Brainstorming-Phase, in der nur Vorschl\u00e4ge gemacht wurden, begann die Kritik. Obwohl niemand es aussprach, zeigte sich in der Diskussion, welch einen riesigen Respekt die Quappen vor ihrer Mutter hatten: Kaum jemald erw\u00e4rmte sich f\u00fcr den Vorschlag, Tussi aus ihrer selbstgew\u00e4hlten Isolation herauszuholen. Die Ablehnung dieser Idee begr\u00fcndeten sie medizinisch (&#8222;Jede Krankheit braucht ihre Zeit.&#8220;) und psychologisch (&#8222;Mama mu\u00dfte in der letzten Zeit so viel arbeiten, da\u00df sie jetzt unbedingt eine Ruhepause braucht.&#8220;). Den wahren Grund (&#8222;Tussi wird uns f\u00fcrchterlich verpr\u00fcgeln, uns in St\u00fccke hacken, uns vielleicht wegdenken, wenn wir sie zur Unzeit st\u00f6ren.&#8220;) nannte niemand &#8211; soweit geht auch unter jungen Fr\u00f6schen die Ehrlichkeit nicht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich einigten sich die Quappen auf das, was auch den Menschen fr\u00fcher immer eingefallen war, wenn sie keine L\u00f6sung wu\u00dften oder zu <a name=\"back18\"><\/a>faul waren, sich eine zu \u00fcberlegen: Sie setzten eine Kommission ein.<a href=\"#funo18\">(18) <\/a>Sie allerdings brauchten keine einzusetzen, denn es gab ja schon eine: Wozu existierte sonst der \u00c4ltestenrat?<\/p>\n<p>Die Sprecherin der Versammlung zog zusammen mit 49 <a name=\"back19\"><\/a>anderen <a href=\"#funo19\">(19) <\/a>Auch-Schon-Fast-Fr\u00f6schen zu den zentralen Gorillanestern und fand dort erwartungsgem\u00e4\u00df den \u00c4ltestenrat <a name=\"back20\"><\/a>versammelt. Die alten Herren hockten vorschriftsm\u00e4\u00dfig <a href=\"#funo20\">(20)<\/a> im Kreis, aber schon bei der Ankunft der Delegation zeigte sich, da\u00df sie keineswegs in der Stimmung waren, die einer fruchtbaren Verhandlung dienlich sein konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Bringt Ihr was zu essen?&#8220; knurrte der \u00e4lteste Siberr\u00fccken die Kaulquappen an.<\/p>\n<p>Die Frage war nicht ungew\u00f6hnlich, aber schlimm war, da\u00df sie sofort ge\u00e4u\u00dfert wurde. Nach allen Regeln der Gorilla- und Froschh\u00f6flichkeit geh\u00f6rt an den Anfang einer offiziellen Begegnung eine Plauderei \u00fcber das Wetter, die Beschaffenheit der Uruburubl\u00e4tter in der Saison und die Wassertemperatur im Tussisee. Hier war also etwas faul, und die Sprecherin der Abordnung erkannte das sofort.<\/p>\n<p>Diplomatisch versuchte sie, die Situation zu \u00fcberspielen:<\/p>\n<p>&#8222;Nein, leider nicht, aber&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Der alte Herr lie\u00df sie nicht ausreden.<\/p>\n<p>&#8222;Dann haut ab!&#8220; kr\u00e4chzte er und wollte sich drohend aufrichten. Aber es blieb beim Versuch: Er sackte kraftlos in sich zusammen. Nach einer Pause hatte er genug Energie f\u00fcr eine Erkl\u00e4rung gesammelt, die zumindest den Schein der H\u00f6flichkeit wiederherstellte: &#8222;Wir haben Hunger! Seit Stunden gab es nichts zu essen! Unsere K\u00f6chin ist spurlos verschwunden!&#8220;<\/p>\n<p>K\u00f6chin??? Mama! scho\u00df es durch die K\u00f6pfe der 50 Kaulquappen.<\/p>\n<p>&#8222;Das tut uns leid&#8220;, versetzte die Delegationsleiterin. Sie hatte noch immer die Hoffnung, trotz der ungl\u00fccklichen Ausgangssituation eine fruchtbare Verhandlung in Gang setzen zu k\u00f6nnen. &#8222;Mama, also, Eure K\u00f6chin, ist krank. Wir haben sie in einen Heilschlaf versetzt. Sie mu\u00df lange Zeit, also mindestens&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Vorsichtig versuchte sie dem \u00c4ltestenrat zu erkl\u00e4ren, da\u00df ein Gorillaheilschlaf 50 Stunden braucht. Aber die Silberr\u00fccken h\u00f6rten ihr nicht zu. Wenn sie ehrlich war, konnte sie das auch verstehen. Sie selbst konnte sich ja nicht mehr zuh\u00f6ren. Automatisch redete sie weiter, trotz des grauenhaften Anblicks, der sich ihr bot.<\/p>\n<p>Die alten Gorillas ver\u00e4nderten sich. Ihre Haare, die grauen, die wei\u00dfen und die noch braunen, kr\u00fcmmten sich nach innen. Zugleich wuchs das Fleisch nach au\u00dfen. Muskeln und Fettgewebe bildeten die K\u00f6rperoberfl\u00e4che. Aber auch sie hatten nur wenig Zeit, sich der Sonne unter dem inzwischen gr\u00fcn gewordenen Himmel auszusetzen. Kaum waren sie zur K\u00f6rperoberfl\u00e4che geworden, zogen sie sich wieder zur\u00fcck. Statt ihrer erschienen die inneren Organe. Aber auch die wurden verdr\u00e4ngt: Jetzt beherrschte das Skelett das Feld. Aber nicht das Skelett, wie es jeder junge Gorilla und jede Kaulquappe aus dem Anatomieunterricht kennt: Die Knochen, die eben sein sollten, waren gew\u00f6lbt, was konvex sein sollte, war konkav. Und umgekehrt.<\/p>\n<p>&#8222;Und deshalb m\u00fcssen wir&#8230;&#8220; erkl\u00e4rte sie kraftlos des falsch konstruierten Skeletten mit Fleischf\u00fcllung und blickte sich hilfesuchend zu ihren Gef\u00e4hrtinnen um. Aber da war niemand. Entsetzt machte auch sie kehrt und nahm, bevor sie in den Tussisee tauchte, noch einen ordentlichen <a name=\"back21\"><\/a>Haps Teichrosenblatt <a href=\"#funo21\">(21)<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Was also sagt unsere Zwischenbilanz?<\/p>\n<p>Die Bewohner des Tussisees schlafen.<\/p>\n<p>Mama auch.<\/p>\n<p>Die Silberr\u00fccken sind in einem schwer beschreibbaren Zustand.<\/p>\n<p>Nur Bobbo und Vanilla k\u00f6nnten, falls sie sich wieder von ihrer letzten Pr\u00fcgelei erholt haben, noch aktionsf\u00e4hig sein. Aber sie sind verfeindet.<\/p>\n<p>Und der Himmel macht, was er will: Mal ist er gr\u00fcn, mal blau&#8230;<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Was machen Gorillas, wenn sie verletzt sind? Und verletzt worden sind? Klar &#8211; sie setzen sich in ein selbstgemachtes Uruburubaumblattnest und kauen ihren K\u00f6rper an der Blattdi\u00e4t gesund. Da das mindestens zwei Wochen dauert, heilt ihr Geist inzwischen an der Einsamkeit.<\/p>\n<p>Vanilla und Bobbo waren also allm\u00e4hlich wieder genesen. Aber nat\u00fcrlich, trotz der identischen Heilmittel, auf unterschiedliche Weise. Bobbo fand, sobald er wieder einen Buchstaben vom andren unterscheiden konnte, Trost bei Gorilla G\u00f6te:<\/p>\n<p>&#8222;Wie alles sich zum Ganzen webt,<\/p>\n<p>Eins in dem andern wirkt und lebt!<\/p>\n<p>Wie Himmelskr\u00e4fte aud und nieder steigen,<\/p>\n<p>und sich die goldnen Eimer reichen!&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"dialog\"><\/a>Dialog<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<p>&#8211; Schei\u00dfemerdemiedashitmistallesschiefgelaufenmistmierdapsiakrev&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Ist Dir nicht gut?<\/p>\n<p>-Schei\u00dfeneinmiristnichtgutallesistschiefgegangenundichbinschuldundichwillniewieder<\/p>\n<p>hierhochkommenundichbleibehierf\u00fcrimmerundsteckedieSchwellk\u00f6rperindenSchlammund&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Ich bin der Herr, Dein Hirte.<\/p>\n<p>&#8211; Was ist los?<\/p>\n<p>&#8211; Ich bin der Herr, Dein Hirte.<\/p>\n<p>&#8211; Das hab ich schon mal geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&#8211; Dir wird nichts mangeln.<\/p>\n<p>&#8211; Bescheuerter Quatschkopf, mir fehlt eigentlich alles.<\/p>\n<p>&#8211; Ich weide Dich auf einer gr\u00fcnen Aue&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Bisher habe ich meine Wiesen immer alleine gefunden&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; &#8230;und f\u00fchre Dich zum frischen Wasser.<\/p>\n<p>&#8211; Merkst Du Idiot eigentlich nicht, da\u00df ich mitten in meinem See hocke?<\/p>\n<p>&#8211; Ich erquicke Deine Seele!<\/p>\n<p>&#8211; Sch\u00f6n &#8211; mach mal!<\/p>\n<p>&#8211; Um meines Namens willen!<\/p>\n<p>&#8211; Interessant. &#8212;- Wie hei\u00dft Du eigentlich?<\/p>\n<p>&#8211; Ich bin der Herr, Dein Gott.<\/p>\n<p>&#8211; Angenehm &#8211; ich bin Tussi, Deine G\u00f6ttin.<\/p>\n<p>&#8211; Falsch! Ich bin der Herr, Dein Gott!<\/p>\n<p>&#8211; Typ, Du wiederholst Dich!!<\/p>\n<p>&#8211; Du sollst keine andern G\u00f6tter neben mir haben.<\/p>\n<p>&#8211; Einverstanden &#8211; keine andern G\u00f6tter neben mir!<\/p>\n<p>&#8211; Du hast mich mi\u00dfverstanden: neben mir!<\/p>\n<p>&#8211; Das k\u00f6nnen wir jetzt wiederholen bis zum Sankt-Tussi-Tag.<\/p>\n<p>&#8211; Bis zum J\u00fcngsten Tag.<\/p>\n<p>&#8211; Sag mal, wie hei\u00dft Du denn nun wirklich?<\/p>\n<p>&#8211; Ich bin, der ich bin. Alle nennen mich Gott.<\/p>\n<p>&#8211; Und wie bist Du zu Deinem Job gekommen, Du so-genannter Gott?<\/p>\n<p>&#8211; Ein paar Jahrhunderte vor Christus&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Wer ist denn das schon wieder?<\/p>\n<p>&#8211; Mein Sohn. Ein paar Jahrhunderte vor ihm war da ein Volk, das in Anbetracht \u00fcberlegener Feinde einen Motivationsschub brauchte. Deshalb hat es mich als angeblichen Siegesgaranten erfunden. Die Juden haben trotzdem h\u00e4ufig verloren, aber sie haben immer weiter an mich geglaubt.<\/p>\n<p>&#8211; Menschen&#8230;Und wieso hast Du dann f\u00fcr sie einen Sohn geboren?<\/p>\n<p>&#8211; Nicht eigentlich geboren. Sie haben es geweissagt: Und es wird eine Rute aufgehen&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Rute, hihi&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; &#8230;von dem Stamm Isais; uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er hei\u00dft Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedef\u00fcrst; eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn geb\u00e4ren, den wird sie hei\u00dfen Immanuel.<\/p>\n<p>&#8211; Also noch nicht mal auf den Namen konnte sich Dein Menschenvolk einigen? Und Du hast das gemacht, nur weil sie\u00b4s wollten? Mit ner Jungfrau?<\/p>\n<p>&#8211; Klar, weil sie\u00b4s wollten. Was w\u00e4re ich ohne den Glauben der Menschen? Ein unangenehmes Exemplar der Gattung hat das mal auf den Punkt gebracht:<\/p>\n<p>&#8222;Ich kenne nichts \u00c4rmeres<\/p>\n<p>unter der Sonn als euch, G\u00f6tter!<\/p>\n<p>Ihr n\u00e4hret k\u00fcmmerlich<\/p>\n<p>Von Opfersteuern<\/p>\n<p>Und Gebetshauch<\/p>\n<p>Eure Majest\u00e4t<\/p>\n<p>Und darbtet, w\u00e4ren<\/p>\n<p>Nicht Kinder und Bettler<\/p>\n<p>Hoffnungsvolle Toren.&#8220;<\/p>\n<p>Hie\u00df, glaube ich, Goethe oder so. Wurde nicht gerettet, sondern gerichtet. Und was die Jungfrau angeht: Die Juden haben die Geschichte sowieso nicht geglaubt, sondern meinen Sohn hingerichtet, aber die Christen ein paar Jahrhunderte sp\u00e4ter&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Stop, das wird mir jetzt viel zu kompliziert. Au\u00dferdem habe ich sowieso schon Kopfschmerzen. Also &#8211; Du bist nur virtuell?<\/p>\n<p>&#8211; Ich bin, der ich bin!<\/p>\n<p>&#8211; Hat die Redundanz was mit Deinem jugendlichen Alter zu tun?<\/p>\n<p>&#8211; Bitte?<\/p>\n<p>&#8211; Schon gut. Bisher hab ich folgendes kapiert: Du bist eine Kopfgeburt der Juden. Und so richtig erfolgreich ist Deine Story nicht. Wahrscheinlich interessiert Dich auch, wer ich bin: Tussi, Myriaden Jahre alt. Gestalt wandelbar, beliebte Inkarnation: Fr\u00f6schin. Job: Arrangement des Weltalls, Behebung gr\u00f6\u00dferer St\u00f6rungen, k\u00fcnstlerische Gestaltung neuer Galaxien.<\/p>\n<p>&#8211; La\u00df mein Volk, da\u00df es mir diene!<\/p>\n<p>&#8211; Gott&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; &#8230;danke&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; &#8230;bist Du hartn\u00e4ckig!<\/p>\n<p>&#8211; Ich, Gott, bin ein eifers\u00fcchtiger Gott&#8230; hast Du eigentlich gar keine Fehler?<\/p>\n<p>&#8211; Jede Menge!<\/p>\n<p>&#8211; Ich nicht! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der da ist und der da war und der da kommt, der Allm\u00e4chtige!<\/p>\n<p>&#8211; Grammatisch anzweifelbare Zeitenfolge, mein Lieber! Und wie war das mit Goethe? Also gut, ich fang an. Du kannst ja offenbar keine Fehler zugeben. Ich bin in der letzten Zeit beim Galaxienbasteln zu sehr in die Details gegangen. Hab da nicht nur Sonnen und Planeten in die Gegend gesetzt, sondern sie auch mit Leben begl\u00fcckt. Du wei\u00dft ja vermutlich, wie das geht: Frau nehme ein bi\u00dfchen Spucke&#8230;ach nein, wei\u00df Du ja nicht, Du bist ja selbst von der Spucke erst ausgedacht worden. Also lies mal Lem. Oder kannst Du nicht lesen? Nur diktieren? Spannendes philosophisches Problem, mu\u00df ich bei Gelegenheit mal l\u00f6sen: Wie diktiert eine virtuelle Existenz? Zum Thema: Ich bin zu sehr in die Details gegangen. Habe Menschen gemacht&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Ich auch, ich auch: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen \u00fcber die Fische im Meer und \u00fcber die V\u00f6gel unter dem Himmel und \u00fcber das Vieh und \u00fcber die ganze Erde und \u00fcber alles Gew\u00fcrm, das auf Erden kriecht.<\/p>\n<p>&#8211; Und darauf bist Du stolz?<\/p>\n<p>&#8211; Und ich sah an alles, was ich gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.<\/p>\n<p>&#8211; Sag mal&#8230;.hast Du ne Zeitrechnung?<\/p>\n<p>&#8211; Vor mir sind tausend Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre!<\/p>\n<p>&#8211; Schon gut, ich verstehe. Was meinst Du &#8211; ist seit Deiner Sch\u00f6pfung viel Zeit vergangen?<\/p>\n<p>&#8211; Ziemlich viel.<\/p>\n<p>&#8211; Kannst Du Dich noch an Deine urspr\u00fcngliche Sch\u00f6pfung erinnern?<\/p>\n<p>&#8211; Und ich lie\u00df aufwachsen aus der Erde allerlei B\u00e4ume, lustig anzusehen und gut zu essen. Und es ging aus von Eden ein Strom, zu w\u00e4ssern den Garten. Und ich nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, da\u00df er ihn baute und bewahrte.<\/p>\n<p>&#8211; Und? Hast Du Dir Dein Werk in der letzten Zeit mal wieder angesehen?<\/p>\n<p>&#8211; Jaaa&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Du willst wohl nicht dar\u00fcber reden?<\/p>\n<p>&#8211; Eigentlich nicht. Aber ich mu\u00df wohl: Ich trat an den Sand des Meers und sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte sieben H\u00e4upter und zehn H\u00f6rner und auf seinen H\u00f6rnern zehn Kronen und auf seine H\u00e4uptern Namen der L\u00e4sterung. Und der ganze Erdboden betete das Tier an und sprach: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kriegen? Und es ward ihm gegeben ein Mund, zu reden gro\u00dfe Dinge und L\u00e4sterungen, und es tat seinen Mund auf zur L\u00e4sterung gegen Gott. Und ihm ward gegeben Macht \u00fcber alle Geschlechter und Sprachen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an.<\/p>\n<p>&#8211; Mu\u00dft Du Dich eigentlich so komisch ausdr\u00fccken? Aber okay, mir scheint, wir k\u00f6nnen uns auf folgendes einigen: Die Erde ist inzwischen ziemlich Schei\u00dfe!<\/p>\n<p>&#8211; Deine Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein &#8212; wie hast Du gesagt? Okay!<\/p>\n<p>&#8211; Liegt Dir was an ihr?<\/p>\n<p>&#8211; An der Erde?<\/p>\n<p>&#8211; Woran sonst?<\/p>\n<p>&#8211; Woran sonst? Darf ich Dich an Goethe erinnern? Ohne die Erde&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; &#8230;.bist Du nie gedacht, schon gut. ICH k\u00f6nnte schon ohne die Erde leben&#8230;sag mal, kannst Du schweigen?<\/p>\n<p>&#8211; Dein Glaube hat Dir geholfen, gehe hin in Frieden.<\/p>\n<p>&#8211; Ach, so machst Du das?<\/p>\n<p>&#8211; So steht es geschrieben.<\/p>\n<p>&#8211; Kannst Du nicht mal sprechen?<\/p>\n<p>&#8211; Kaum noch &#8211; es glaubt fast niemand mehr an mich. Ich schwinde. Meine Schuld. Paulus hat alles versaut.<\/p>\n<p>&#8211; Das ist mir schon wieder zu kompliziert. Ich habe auch alles versaut. Ich habe auf Schlampanski gebaut. Und mich in Murkel verliebt.<\/p>\n<p>&#8211; Ich verstehe kein Wort.<\/p>\n<p>&#8211; Kein Wunder.<\/p>\n<p>&#8211; Meine Wege sind wunderbar&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; H\u00f6r auf zu s\u00fclzen!<\/p>\n<p>&#8211; Du hast ja recht! Ob wir das gemeinsam noch mal schaffen?<\/p>\n<p>&#8211; Gemeinsam? Da\u00df ich nicht kichere! Hast Du nicht eben gerade zugegeben, da\u00df Du impotent bist?<\/p>\n<p>&#8211; Na ja&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Wie war das vorhin: &#8222;Deine Rede sei ja, ja, nein, nein&#8220; &#8211; von &#8222;na ja&#8220; hast Du da nichts gesagt.<\/p>\n<p>&#8211; Also &#8211; da ist vielleicht noch jemand&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Noch ein sogenannter Gott?<\/p>\n<p>&#8211; Meine Konkurrenz. Die H\u00f6llenbrut d\u00fcrfte noch am Leben sein. Allerdings sind sie mir vermutlich ziemlich b\u00f6se, weil ich sie in die Verdammnis verbannt habe.<\/p>\n<p>&#8211; Ach, die Bande meinst Du? Nee, mein Lieber, die lassen wir gef\u00e4lligst aus dem Spiel. Erstens habe ich als Fr\u00f6schin was gegen Schlangen. Und zweitens kommt der Verein immer so verquast mythisch-aufkl\u00e4rerisch daher und verspricht ungeeigneten Subjekten die Unterscheidungsf\u00e4higkeit zwischen Gut und B\u00f6se &#8211; und raus kommt mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit eine Mischung zwischen Deinem Paulus und meinen Holzf\u00e4llerherren.<\/p>\n<p>La\u00df mich mal nachdenken&#8230;<\/p>\n<p>Ich glaube, ich habe eine bessere Idee. Ich werde erstmal davon absehen, dich wegzudenken &#8211; w\u00e4re auch \u00fcberfl\u00fcssige Energieverschwendung, schlie\u00dflich erledigst du dich sowieso in K\u00fcrze von allein. Andererseits bist du zwar ein bi\u00dfchen komisch, aber nicht ganz unsympathisch.<\/p>\n<p>Sag mal &#8211; magst du eigentlich Tiere? Pl\u00fcschtiere? Und Gorillas?<\/p>\n<p>&#8211; Und ich sprach: Die E rde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gew\u00fcrm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und ich machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gew\u00fcrm auf Erden nach seiner Art. Und ich sah, da\u00df es gut war.<\/p>\n<p>&#8211; Deine Redundanz solltest du dir dringend abgew\u00f6hnen, sonst \u00fcberleg ich mir\u00b4s noch mal! Okay &#8211; packen wir\u00b4s an!<\/p>\n<hr \/>\n<h2><a name=\"neuwelt\"><\/a>New World<\/h2>\n<p><\/p>\n<hr \/>\n<ol>\n<li>Am letzten Anfang vernichtete Tussi die vierdimensionale Erde mit der zweideutigen Zeit.<\/li>\n<li>Und es war ein Loch im Universum, und die Materie war \u00fcber Lichtjahre zerstreut, und Tussi plante Neues.<\/li>\n<li>Und Tussi wandte die einheitliche Feldtheorie an und modellierte einen Planeten nach dem bew\u00e4hrten Gaia-Vorbild.<\/li>\n<li>Und Tussi betrachtete ihn kritisch, war\u00b4s zufrieden und versetzte ihn deshalb in Rotation.<\/li>\n<li>Und schon war der erste Erdentag geschafft.<\/li>\n<li>Und Tussi modellierte noch ein wenig in liebevoller Kleinarbeit, kratzte den Marianengraben tiefer aus und erh\u00f6hte den Himalaya, und schuf viele seichte Flu\u00dfdeltas f\u00fcr riesige Froschfamilien.<\/li>\n<li>Und weil Tussi schneller und effektiver arbeitete als g\u00f6ttliche Kopfgeburten, schuf sie gleich anschlie\u00dfend Pflanzen, achtete auf die Artenvielfalt und siedelte das Gr\u00fcnzeug in funktionierenden \u00d6kotopen an.<\/li>\n<li>Und Tussi setzte vom Einzeller \u00fcber den Krill bis hin zum Wels und zum Walfisch alles Getier in Fl\u00fcsse und Meere, was da hineingeh\u00f6rte, und erschuf auch fast alle V\u00f6gel. Den Storch lie\u00df sie aus alter Feindschaft ungeboren, aber daf\u00fcr begrenzte sie k\u00fcnftigen Froschlaich auf maximal 50 Eier.<\/li>\n<li>Und Tussi kreiierte die Tiere des Landes, und sie gab ihnen Lebensraum in Arktis und Antarktis, in kaltgem\u00e4\u00dfigten und warmgem\u00e4\u00dfigten Gebieten, in Tropen und Subtropen. Besondere Liebe aber verwandte sie auf die friedlichen Gorillas, die sanften Bewohner des Regenwaldes.<\/li>\n<li>Und Tussi sprach: Lasset uns Gorillas machen, die Wein ziehen und Schlampanski zu destillieren verstehen, auf da\u00df sie allezeit eine zufriedene G\u00f6ttin haben. Mama, die begnadete K\u00f6chin, ihre Kinder, die Silberr\u00fccken und Bobbo sollen der Kern meines Volkes sein.<\/li>\n<li>Und es funktionierte, und Tussi geno\u00df den ersten Schluck ihres Lieblingsgetr\u00e4nks, und sie fiel vor ihrer kr\u00f6nenden Abschlu\u00dfsch\u00f6pfung in einen erholsamen Schlaf.<\/li>\n<li>Und Tussi rieb sich zwischen den Beinen und sagte: Lasset uns Pl\u00fcschtiere machen in gro\u00dfer Zahl, da\u00df sie den lebendigen Tieren in ihrer Friedfertigkeit ein dauerndes Vorbild seien, und vor allem meinen geliebten Murkel, den Pl\u00fcschhund, zu unserer ekstatischen Freude bis zur n\u00e4chsten Inkarnation.<\/li>\n<li>(13!) Und siehe, die neue Welt war sehr gut, weil es in ihr keine Menschen gab und die Bibel ungeschrieben bleiben konnte.<\/li>\n<li>Und alle Pflanzen und alle Tiere waren fr\u00f6hlich, genossen das Leben mit leiblichen und seelischen Gen\u00fcssen und liebten einander und das Leben.<\/li>\n<li>(Sogar Gott lebte weiter, weil er sich seinen Dogmatismus abgew\u00f6hnt hatte und Tussi deshalb ab und zu ein paar Worte mit ihm wechselte.)<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<p>Fu\u00dfnoten:<br \/><a name=\"funo1\"><\/a>1.<br \/>&#8222;Du mu\u00dft an den Hafen gehen und schauen, wann das n\u00e4chste Schiff aus Madagaskar kommt. Dann kaufst Du alle Vanille, die Du Dir leisten kannst. Die nimmst Du dann und stopfst sie in alle K\u00f6rper- \u00f6ffnungen Deines Dinokindes. Aber Du mu\u00dft aufpassen, da\u00df auch wirklich alles dicht mit Vanille verschlossen ist, sonst klappt es nicht.&#8220; <a href=\"#back1\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo2\"><\/a>2.<\/p>\n<p>Man nehme:&#8230;<\/p>\n<p>10 Kilo Bananen,<\/p>\n<p>2 Liter vergorenen Rohrzuckersirup,<br \/>1 Prise Zimt,<br \/>2 Messerspitzen Vanille.<br \/>Die Bananen sch\u00e4len und im Mixer p\u00fcrieren, den Sirup dazugeben, mit Zimt und Vanille abschmecken.<br \/>Am besten schmeckt der Wein, wenn er 48 Stunden im K\u00fchlschrank geruht hat. Falls kein K\u00fchlschrank zur Verf\u00fcgung steht, kann man dem frischen Gebr\u00e4u auch einige Eisw\u00fcrfel zusetzen.<br \/>Zur Herstellung von Eisw\u00fcrfeln im tropischen Regenwald findet man Hinweise bei Grimma G. Gorilla: Die K\u00fcche der wahren Menschen, Verlag Waldpress, Gorillatown 1993. <a href=\"#back2\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo3\"><\/a>3.<\/p>\n<p>Bist Du ein Gorilla? Wenn ja, dann darfst Du weiterlesen.<br \/>Bist Du ein Mensch? In diesem Falle mach sofort die Augen zu und richte sie wieder nach oben!<br \/>F\u00fcr alle Gorillas: Man nehme die Stiele von 5 Kilo Bananen und trockne sie in der Nachmittagsurwaldsonne. Man verarbeite das Ergebnis zu feinem Pulver und vermenge es mit einer gr\u00f6\u00dferen Menge von Uruburubl\u00e4ttern.<br \/>Und dann: <b>Roll Dir einen<\/b>! <a href=\"#back3\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo4\"><\/a>4.<\/p>\n<p>Drei Teile Froschschleim und ein Teil Schlampanski \u2013 ersatzweise Bananenschaumwein \u2013 werden schaumig geschlagen; so vorhanden, f\u00fcge man f\u00fcnf Sp\u00e4ne vom Schaft einer Holzf\u00e4lleraxt bei . Die Paste wird auf die Wunde aufgetragen und p\u00fcnktlich alle 222 Sekunden erneuert.<a href=\"#back4\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo5\"><\/a>5.<\/p>\n<p>Wichtiger Hinweis f\u00fcr alle KrankenpflegerInnen: Die ideale Krankenkost ist immer die, auf die der Patient Appetit hat! <a href=\"#back5\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo6\"><\/a>6.<\/p>\n<p>Quellennachweis: Gorillophilo Waldgrund Adorno: \u00dcber fr\u00fchkindliches Zupfen und die Entstehung autorit\u00e4rer Silberr\u00fccken; GorillaMythenpress 1277, 99. Auflage. <a href=\"#back6\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo7\"><\/a>7.<\/p>\n<p>Ohne der Gorillawissenschaft zu nahe treten zu wollen &#8211; hier ist ihr ein \u00dcbertragungsfehler unterlaufen. Der literarische Gorilla hei\u00dft tats\u00e4chlich Heinrich Vir und ist bei der deutschsprachigen Minderheit Literatiens unter dem Namen Heinrich Mann bekannt. <a href=\"#back7\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo8\"><\/a>8.<\/p>\n<p>Dort geht es zu wie bei ARD und ZDF: Man sitzt in der ersten Reihe, um schlechte Werbung f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssige Produkte &#8211; z. B. Instant-Bananen &#8211; zu sehen, und bezahlt daf\u00fcr mit seiner guten Laune. <a href=\"#back8\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo9\"><\/a>9.<\/p>\n<p>Geld gibt es nat\u00fcrlich auch nicht! <a href=\"#back9\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo10\"><\/a>10.<\/p>\n<p>N\u00e4heres zur Deutung von Gorilla-Tr\u00e4umen findet Ihr in dem interessanten Buch: Die Freud der Gorilla, von Gorilla Freud. Dieses Buch ist im Verlag Waldpresse ver\u00f6ffentlicht worden und kann dort &#8211; aber nur von psychisch gefestigten Lesern &#8211; bestellt werden. <a href=\"#back10\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo11\"><\/a>11.<\/p>\n<p>Physikaufgabe f\u00fcr Genies: Wieviele Kaulquappen gibt es, wenn jede f\u00fcnf Tage alt ist und der See ein Volumen von 200 000 m3 Wasser hat? <a href=\"#back11\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo12\"><\/a>12.<\/p>\n<p>N\u00e4heres findet sich bei Gorilla Freud. <a href=\"#back12\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo13\"><\/a>13.<\/p>\n<p>Wie man sieht, sch\u00fctzt eine literarische Bildung nicht zwangsl\u00e4ufig vor schlechtem Geschmack! <a href=\"#back13\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo14\"><\/a>14.<\/p>\n<p>Gorilla nehme: 5 kg sehr reife Bananen und verarbeite sie zu einem s\u00e4migen Brei. Die Masse mit Curry und Vanille (ersatzweise gehackte Rosinen) w\u00fcrzen und an einem k\u00fchlen Ort zwei Stunden ruhen lassen. W\u00e4hrend der Ruhezeit pfl\u00fccke man 1500 g Mangos &#8211; sie m\u00fcssen unbedingt ganz frisch sein, vom Gebrauch von Lagerfr\u00fcchten ist abzuraten! &#8211; und sammle 350 g Uruburubl\u00e4tter. Fruchtfleisch und Bl\u00e4tter im M\u00f6rser zerst\u00f6\u00dfeln, die Masse zu gorillahandgro\u00dfen Kugeln formen. Mit dem inzwischen steif gewordenen Bananenbrei ca. 2 cm dick umh\u00fcllen und 60 min im Erdofen bei mittlerer Hitze ausbacken. Auf Walderdbeerensauce servieren. <a href=\"#back14\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo15\"><\/a> 15.<\/p>\n<p>Und das war wirklich alles: Vanilla erbrachte den Beweis f\u00fcr die animistische Theorie, die von den meisten Menschen immer geleugnet worden war; auch die Felsen tanzten mit! <a href=\"#back15\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo16\"><\/a>16.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, es geht entweder um ein begehrtes Weibchen oder um die F\u00fchrung der Gruppe &#8211; M\u00e4nner waren schon immer gro\u00dfz\u00fcgig, wenn es um die Definition von \u201eLeben und Tod&#8220; geht. <a href=\"#back16\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo17\"><\/a> 17.<\/p>\n<p>Um Zeit zu sparen und so eine schnelle Entscheidung zu erm\u00f6glichen, beschr\u00e4nkte sich die Vorsitzende ab hier darauf, in der Anrede nur den wichtigeren Teil der Versammlung zu nennen. <a href=\"#back17\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo18\"><\/a>18.<\/p>\n<p>Das geht in der Regel schief, aber wir wollen nicht vorgreifen. <a href=\"#back18\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo19\"><\/a>19.<\/p>\n<p>Wie schon aufgefallen sein d\u00fcrfte, ist 50 bei Fr\u00f6schen und Kaulquappen eine \u00e4u\u00dfertst beliebte Zahl &#8211; allerdings streiten sich die Amphibienforscher noch \u00fcber die Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Die Mehrheit der Wissenschaftler meint, es liege daran, da\u00df Kaulquappengelege ab 50 Exemplaren eine signifikant h\u00f6here \u00dcberlebenschance haben als kleinere Laichkolonien, eine ernstzunehmende Minderheit vertritt jedoch die Position, es handele sich um eine magische Zahl. Einer Legende zufolge feiert eine mythische Froschg\u00f6ttin alle 50 Jahre ihren Geburtstag. <a href=\"#back19\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo20\"><\/a>20.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich akzeptieren Gorillas keine Vorschriften, sondern organisieren ihr Leben anarchisch. Aber es hatte sich als praktikabel erwiesen, sich f\u00fcr alle F\u00e4lle zum Ratschlag ( und zum Essen) zu versammeln, wenn es nicht gerade galt, Rangk\u00e4mpfe auszufechten.<br \/>Die gorill\u00f6se Heilschlafliteratur weicht von dieser Theorie, wenn auch nur geringf\u00fcgig, ab. vgl. dazu Pennus Schnarchus Gorilla, Fit in 49 Stunden. Schnarch Verlag, Urwaldtown ????? <a href=\"#back20\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a name=\"funo21\"><\/a> 21.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen Drogen gew\u00e4hrleisten Teichrosenbl\u00e4tter, in froscherprobten Dosen genossen, immer einen netten Trip &#8211; Horrortrips ausgeschlossen! <a href=\"#back21\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhaltsangabe Dino Der Gorillasee Gorilla Vanilla und der Holzf\u00e4ller Bobbo Coming out The Band Die Errettung der Welt Tussig\u00f6delescherbach Das ist ja zum Verr\u00fccktwerden Dialog New World Dino There was a Gorilla whose name was Vanilla He lived in the wood near Nottinghamshrood! Vanilla hatte eine ganz besondere Geschichte. Seine Mutter hatte ein Gorilla-Ei gelegt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1407,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[10,3,14],"tags":[],"class_list":["post-317","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-baerdel","category-baerdel1","category-gorillasee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1405,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317\/revisions\/1405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}