{"id":455,"date":"2006-04-11T19:40:06","date_gmt":"2006-04-11T17:40:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=455"},"modified":"2017-03-13T19:45:27","modified_gmt":"2017-03-13T17:45:27","slug":"autotheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/2006\/04\/autotheater\/","title":{"rendered":"Autotheater"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/baerdel3.JPG\" width=\"536\" height=\"573\" border=\"0\" \/><\/div>\n<p>B\u00e4rdels Geburtstag stand wieder einmal bevor und warf seine Schatten voraus. Wie alle Jahre wurde der Jubilar vor seinem Ehrentag f\u00fcr lange Abende aus der H\u00f6hle verbannt und musste allein drau\u00dfen frieren, w\u00e4hrend die Sippe dar\u00fcber beriet, welche \u00dcberraschung sie ihm dieses Mal bereiten wollte. Schlie\u00dflich einigten sich die B\u00e4ren, der Frosch und das Schwein auf das Motto: \u201eB\u00e4rdel liebt M\u00e4rchen und eine gute Show.\u201c Und eifrig begannen sie mit den Vorbereitungen.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/atti.jpg\" width=\"440\" height=\"376\" border=\"0\" \/><\/div>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/ramses2.jpg\" width=\"440\" height=\"330\" border=\"0\" \/><\/div>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/schwein.jpg\" width=\"341\" height=\"256\" border=\"0\" \/><\/div>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich war f\u00fcr den Festtagsabend ein Gelage geplant mit allem, was B\u00e4renk\u00fcche und -keller hergaben, aber vorher musste ein Festakt stattfinden, und f\u00fcr den \u00fcbte man tagelang \u2013 was wieder bedeutete, dass der arme B\u00e4rdel, der ja \u00fcberrascht werden sollte, f\u00fcr qu\u00e4lend lange Stunden ins Exil geschickt wurde.<br \/>\n\u201eWenn sie so lange proben m\u00fcssen, wird es wohl eine tolle \u00dcberraschung geben!\u201c tr\u00f6stete er sich und f\u00fcgte sich in sein Schicksal.<br \/>\nEndlich war soweit.<br \/>\nNach B\u00e4renbrauch gaben sich alle am Morgen des gro\u00dfen Tages ganz normal und taten, als w\u00e4re nichts. Unter B\u00e4ren gilt es n\u00e4mlich als \u00e4u\u00dferst unh\u00f6flich, jemandem vor drei Uhr nachmittags zu gratulieren. Dann aber ging es los!<br \/>\nB\u00e4rdel lag, \u00e4u\u00dferlich gelassen, aber innerlich nat\u00fcrlich gespannt wie ein Flitzebogen, auf einer Sommerblumenwiese und nuckelte den Nektar aus ein paar Margeriten, als er von der gesamten Horde \u00fcberfallen wurde. Man w\u00fcnschte ihm alles Gute, insbesondere viel Honig, und umarmte ihn nach B\u00e4renart, wobei es \u00e4u\u00dferst kr\u00e4ftig zuging. Als das allgemeine Durcheinander, das dabei entstanden war, vor\u00fcber war, zogen sich alle wieder zur\u00fcck. Nur Tumu bliebt bei ihm und erkl\u00e4rte:<br \/>\n\u201eWir haben ein kleines St\u00fcckchen f\u00fcr dich einge\u00fcbt. Ein St\u00fcck aus der Menschenwelt, lebenswahr und echt. Du wirst schon sehen!\u201c<\/p>\n<p>Und schon ging es los. Ein Zug als Menschen verkleideter B\u00e4ren n\u00e4herte sich, die meisten im Blaumann, einige auch in Nadelstreifenanz\u00fcgen. Sie schwenkten Fahnen mit Firmenlogos \u2013 da stand VW, Ford und Toyota, da prangte der Mercedesstern. Gruppen von Blaum\u00e4nnern sammelten sich jeweils um einen Nadelstreifenanzug und jubelten ihm zu. Die Nadelstreifen nahmen die Ehrung geschmeichelt entgegen und baten nach einer Weile um Ruhe. Im Chor erkl\u00e4rten sie dann:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eLiebe Belegschaft!<br \/>\nIch freue mich, dass in unserem Unternehmen Harmonie herrscht. Ihr arbeitet gut, und wir Manager honorieren das, indem wir unserer sozialen Verantwortung gerecht werden. Wir verdienen gut, aber auch wenn das jemals anders sein sollte, werden wir keinen von euch entlassen. Eher verzichten wir selbst auf unser Gehalt. So lasst uns denn weiter schaffen, zum gemeinsamen Wohl und zur Bef\u00f6rderung der individuellen Mobilit\u00e4t der Menschheit, im ehrlichen Konkurrenzkampf mit den anderen Konzernen!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die \u201eBelegschaften\u201c applaudierten frenetisch.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle6.jpg\" width=\"440\" height=\"330\" border=\"0\" \/><\/div>\n<p>Jetzt trat Kulle auf, seine geliebte rote Fahne schwenkend. Als er die offensichtliche Harmonie von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bemerkte, lie\u00df er sie sinken und l\u00e4chelte gl\u00fccklich.<br \/>\n\u201eEs sieht so aus, als brauchte ich die nicht mehr!\u201c sagte er laut und deutlich.<\/p>\n<p>Alle Schauspieler und auch Tumu sahen B\u00e4rdel erwartungsvoll an. B\u00e4rdel merkte das nat\u00fcrlich und l\u00e4chelte, aber deutlich gequ\u00e4lt.<br \/>\n\u201eDas habt ihr sch\u00f6n gemacht,\u201c sagte er und gab sich M\u00fche, Begeisterung in seine Stimme zu legen. \u201eIhr wisst ja, dass ich M\u00e4rchen liebe, das habt ihr deutlich gezeigt. Aber&#8230;\u201c Er machte eine lange Pause und suchte erkennbar nach Worten. \u201eAber,\u201c fuhr er schlie\u00dflich fort, \u201ejetzt ist es sicher Zeit, dass wir zu essen und zu trinken &#8230;\u201c<br \/>\nTumu fiel ihm ins Wort.<br \/>\n\u201eB\u00e4rdel, mein lieber Mann, wir alle wissen, wie h\u00f6flich du bist, und wir sch\u00e4tzen dich daf\u00fcr. Aber dass dir die Auff\u00fchrung nicht richtig gefallen hat, kann dir jeder von uns an der B\u00e4rennasenspitze ablesen. Du hast recht, wir haben dir ein M\u00e4rchen gezeigt, aber das war nur der Auftakt. Jetzt kommt das wirkliche Theater!\u201c<br \/>\nWieder gruppierten sich die B\u00e4ren neu. Die meisten setzten sich zusammen mit B\u00e4rdel und Tumu ins Publikum, andere verschwanden, um sich als Schauspieler zu kost\u00fcmieren, ein paar bauten rasch eine B\u00fchne\u00a0 auf mit einem Vorhang davor.<\/p>\n<p><em>Marionettentheater. Die F\u00e4den, an denen die Spielfiguren h\u00e4ngen, sollen deutlich sichtbar sein.<\/em><br \/>\n<em>Ein besserer Salon eines Hotels oder einer Villa, der Ort ist nicht genauer bestimmt. Kirk Kerkorian und Rick Wagoner Jr. treten auf. Wagoner f\u00fchrt Kerkorian und geleitet ihn zu einem Sitzplatz.<\/em><br \/>\n<strong>Wagoner:<\/strong> Sitzen Sie bequem?<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong> <em>faucht<\/em>: Nein! Solange die Aktien von General Motors als Junkbonds gehandelt werden, werde ich nirgendwo bequem sitzen! Zuf\u00e4lligerweise besitze ich 44 Millionen Aktien dieses Schrotthaufens, falls Ihnen das entgangen sein sollte! Und was f\u00e4llt Ihnen dazu ein?<em><br \/>\nDon Leclair erscheint in der offenen T\u00fcr und bleibt stehen. Da er kein Ger\u00e4usch verursacht hat, bemerken ihn Kerkorian und Wagoner nicht. Leclair h\u00f6rt ihrem Gespr\u00e4ch zu.<\/em><br \/>\n30000 Arbeitspl\u00e4tze wollen Sie abbauen &#8211; l\u00e4cherlich! Das sind noch nicht einmal 10%! Au\u00dferdem haben Sie nichts davon \u2013 laut dem intelligenten Tarifvertrag, den Sie ausgehandelt haben, m\u00fcssen Sie auch entlassenen Arbeitern weiterhin Bez\u00fcge zahlen. Ganz zu schweigen von den Krankenversicherungskosten f\u00fcr Zehntausende, f\u00fcr die Sie aufzukommen sich verpflichtet haben, als die Zeiten noch besser waren. Oder besser zu sein schienen. Ich sage Ihnen das, was ich schon seit langem sage: Melden Sie endlich Insolvenz an, um das Schlimmste zu verh\u00fcten! Aber Sie h\u00f6ren ja doch nicht auf mich. Also bringen Sie mir wenigstens einen Whisky.<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Scotch oder Bourbon?<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Geschmacklose Frage \u2013 Scotch nat\u00fcrlich! Von dem amerikanischen Kram habe ich die Nase voll.<br \/>\n<em>Wagoner geht zur Bar und bereitet Kerkorian und sich selbst einen Whisky mit Wasser. Als er sich wieder umdreht, bemerkt er Don Leclair.<\/em><br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>:\u00a0 Hallo, Don! Wie geht\u2019s? Auch einen Drink?<br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: Gerne, ja. Mineralwasser, wenn es dir nichts ausmacht.<br \/>\nWagoner: Bescheiden, bescheiden. Du baust wohl auch nicht genug Arbeitsplatze ab und solltest demn\u00e4chst Insolvenz anmelden, oder?<br \/>\n<em>Wagoner serviert die Drinks, er und Leclair setzen sich.<\/em><br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: Danke. Ich hoffe, dass 30000 Freistellungen in Nordamerika ausreichen werden, um Ford wieder auf die Gewinnerschiene zu bringen. Wir haben uns ein bisschen verkalkuliert, weil wir haupts\u00e4chlich auf den Verkauf von Gel\u00e4ndewagen gesetzt haben. Sind ja auch tolle Tools, befriedigen das m\u00e4nnliche Ego total. Werden aber in letzter Zeit zunehmend weniger angenommen, wegen der Entwicklung der Spritpreise. An niedrigerem Verbrauch haben unsere Ingenieure nicht gearbeitet, warum auch, Autokonzerne haben ihre Interessen auch im Energiebereich.\u00a0 <i>lacht\u00a0<\/i> Wem sage ich das eigentlich?<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Ford geht es also auch nicht gut?<br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: Abwarten. Immerhin ist unsere Aktie kr\u00e4ftig gestiegen, als der Stellenabbau bekanntgegeben wurde. Und wir verkaufen ziemlich viel auf Kredit \u2013 das Bankgesch\u00e4ft macht auch Mist, und zwar erstaunlich viel. Allen Mist im Moment, wenn ich ehrlich sein soll. Mit Autos kann man kein Geld mehr verdienen.<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Das klingt nicht so verlockend, das ich mein Portfolio umschichten m\u00f6chte. Wo ist eigentlich der Dritte im US-Bund? Ich meine, wie geht es Chrysler?<br \/>\n<em>In der offenen T\u00fcr erscheint Dieter Zetsche und bleibt stehen<\/em><br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong> und <strong>Leclair<\/strong> <i>im Chor<\/i>: Mr. Kerkorian, Chrysler gibt es nicht mehr. Das hei\u00dft jetzt Daimler-Chrysler!<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Jeezus, ich werde alt. Nat\u00fcrlich \u2013 Daimler. Fucking Germans. Ich hasse sie. Ist der CEO von denen etwa auch hier?<br \/>\n<strong>Zetsche<\/strong>: Guten Abend. Darf ich mich setzen, obwohl ich nur ein fucking German bin? Und auch etwas trinken? Ich h\u00e4tte gerne einen Apfelsaft,<br \/>\n<em>Zetsche setzt sich unaufgefordert, bekommt aber nichts zu trinken, da niemand sich angesprochen f\u00fchlt.<\/em><br \/>\nNa gut, es geht auch ohne. Wir verfluchten Deutschen, oder genauer gesagt, ich, ich habe bei Chrysler bereits 26000 \u00fcberfl\u00fcssige Stellen gestrichen. In der deutschen Produktion werden demn\u00e4chst 8500 Jobs in der Produktion abgebaut, in der Konzernverwaltung weltweit 6000.<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Sie verdanken es nur Chrysler, dass es Sie noch gibt!<br \/>\n<strong>Zetsche<\/strong>: Da ist was dran. Bei Mercedes haben wir uns verkalkuliert. Wir haben den Smart gebaut, den in den USA niemand fahren will \u2013 w\u00fcrde ich auch nicht tun, mich in der winzigen Autokabine auf dem Highway bewegen zwischen all den Riesentrucks. Au\u00dferdem haben die traditionellen Mercedes in der letzten Zeit mehr als ein peinliches technisches Problem gehabt. Aber wenn ich Don Leclair richtig verstanden habe, ist es nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches, sich zu verkalkulieren. Und was GM angeht \u2013 unsere Aktien sind weit davon entfernt, als Junkbonds betrachtet zu werden.<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Sag ich doch &#8211; ohne Chrysler w\u00e4ren Sie nichts! \u00dcberhaupt die Germans \u2013 fucking Nazis! Wir haben die Reeducation gemacht, ohne uns h\u00e4tten sie noch nicht einmal Democracy und w\u00fcssten \u00fcberhaupt nichts von Marketing!<em><br \/>\n<strong>Bernd Pietschesrieder<\/strong> tritt auf und bleibt in der T\u00fcr stehen<\/em>: Bei allem Respekt, Mr. Kerkorian \u2013 die Nachkriegszeit ist eine Weile vorbei! Sie haben uns vielleicht Demokratie beigebracht, vielleicht, denn ob wir Demokratie praktizieren und Sie Demokratie beibringen k\u00f6nnen, ist bis heute fraglich. Aber darum geht es jetzt nicht. Mir als VW-Chef geht es um Marketing \u2013 erz\u00e4hlen Sie mir blo\u00df nicht, das h\u00e4tten die Deutschen von den Amerikanern gelernt! Hat es je ein US-Konzern geschafft, einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung zum Kauf von Optionsscheinen auf ein Produkt zu verf\u00fchren, dessen Herstellung noch nicht einmal begonnen hatte, wie wir? Nein! Aber deutsches Marketing \u2013 man nannte das damals anders \u2013 hat es m\u00f6glich gemacht. Es ging um den KdF-Wagen, den sp\u00e4teren Volkswagen.<br \/>\n<i>Er geht zur Bar, sucht unter den Weinflaschen, entscheidet sich schlie\u00dflich f\u00fcr ein Glas roten W\u00fcrttembergers, setzt sich nicht, sondern geht zur\u00fcck zur T\u00fcr.<\/i><br \/>\n<strong>Zetsche<\/strong>: Und was n\u00fctzt euch das Nazi-Marketing? Die VW-Werke sind heute nur zu 80% ausgelastet, der Absatz stagniert. Euch geht es ganz sch\u00f6n schlecht!<br \/>\n<strong>Pietschesrieder<\/strong>: Unsinn! Die Aktie hat in den letzten Tagen um 8% zugelegt! Denn wir werden die Arbeitszeit verl\u00e4ngern, nat\u00fcrlich ohne Lohnausgleich, parallel dazu den Tarif senken und bis zu 20000 Stellen abbauen \u2013 das ist das Erfolgsrezept.<br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: Ich wei\u00df nicht recht \u2013 irgendwie kommt mir das widersinnig vor, Irgend jemand soll mal gesagt haben: \u201eAutos kaufen keine Autos\u201c \u2013 wer das wohl gewesen sein mag? Und wie passt der Ausspruch logisch zu dem, was wir tun?<br \/>\n<em>Kerkorian ist eingeschlafen und bekommt von dem folgenden Gespr\u00e4ch nichts mehr mit.<\/em><br \/>\n<b>Wagoner, Zetsche und Pietschesrieder<\/b> im Chor;\u00a0 erst langsam, dann immer schneller, mehrfach wiederholt:<br \/>\nEntlassen ist logisch! Entlassen bringt Erfolg!<br \/>\nEntlassen ist logisch! Entlassen bringt Erfolg!<br \/>\nEntlassen ist logisch! Entlassen bringt Erfolg!&#8230;<br \/>\n<i>Alle drei h\u00f6ren wie auf Kommando zusammen auf, schauen einander an, grinsen sich verschw\u00f6rerisch zu, stehen auf, umarmen sich. Leclair ist \u00fcberzeugt worden und gesellt sich zu ihnen.<\/i><br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: Ich sei, gestattet mir die Bitte,\u00a0 in eurem Bund der Dritte \u2013 \u00e4h, Vierte.<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Schon gut, schon gut. Jeder von uns hat ab und zu einen Schw\u00e4cheanfall, das ist ganz normal.<br \/>\n<strong>Zetsche<\/strong>: Der Vierte im Bund \u2013 wer fehlt denn eigentlich noch?<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Carlos Ghosn ist verhindert \u2013 es gibt eines der \u00fcblichen Probleme in den Renault-Werken in Frankreich. Ungerechtfertigte Forderungen der Arbeiter, Streikdrohungen und so weiter. Aber Takeshi Suzuki hat zugesagt.<br \/>\n<strong>Zetsche<\/strong>: Was \u2013 wir sind nur noch zu sechst?<br \/>\n<em>Leclair, Pietschesrieder und Wagoner reden durcheinander.<\/em><br \/>\n<strong>Pietschesrieder<\/strong>: Gut so \u2013 wir sind wieder wer! F\u00fcr sechs ist Platz auf der Welt, sagen die Analysten \u2013 wir werden dazugeh\u00f6ren!<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Und von den sechs hat GM die rote Laterne! Lange halten wir unsere Zahlungsverpflichtungen nicht mehr durch, wenn der Absatz weiterhin stagniert. Ob der alte Kerkorian doch recht hat?<br \/>\n<strong>Leclair<\/strong>: 25 Milliarden Dollar Barmittel sollten reichen, um Ford wieder flott zu machen, damit wir weiterhin dazugeh\u00f6ren!<br \/>\n<em>Takeshi Suzuki tritt auf.<\/em><br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Wozu dazugeh\u00f6ren?<br \/>\n<b>Alle au\u00dfer Wagoner im Chor<\/b>: Zum Klub der Automobilkonzerne der Welt!<br \/>\n<strong>Suzuki <\/strong><em>lacht schallend<\/em>: IHR wollt dazugeh\u00f6ren? IHR? <i>Sehr ernst:<\/i> Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, in ein paar Jahren wird dieser \u201eKlub\u201c nur noch ein Mitglied haben, und das wird Toyota sein!<br \/>\n<em>Alle anderen lachen ihn aus.<\/em><br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Euch wird das Lachen schon vergehen! Sagen Sie mal, Herr Pietschesrieder \u2013 welche Investitionen plant VW in der n\u00e4chsten Zeit?<br \/>\n<strong>Pietschesrieder<\/strong> <em>fl\u00fcstert<\/em>: Wir werden die Investitionen um 19 Prozent reduzieren.<br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Schau, schau \u2013 und das kann sich VW nicht leisten! Unsere Investitionen werden gleich bleiben! Wie lange brauchen Sie f\u00fcr den Bau Ihres Golf?<br \/>\n<strong>Pietschesrieder<\/strong> <em>fl\u00fcstert noch leiser:<\/em> 48 Stunden.<br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Und Toyota baut den Corolla in 20 Stunden! Wer von Ihnen hat eine Gewinnsteigerung im letzten Jahr von \u00fcber 30 Prozent? Keiner \u2013 ich wei\u00df! Bei Toyota sind es 34 Prozent! Bei wem steigt die Nachfrage? Bei keinem \u2013 aber bei Toyota!<br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong> <em>springt auf und verheddert sich dabei in den Marionettenf\u00e4den:<\/em> Aber wir sind immer noch die Nummer Eins!<br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Auf dem Papier! Nach Umsatz haben wir General Motors l\u00e4ngst \u00fcberholt. Und unsere Aktien sind keine Junkbonds!<br \/>\n<em>Kerkorian wacht wieder auf.<\/em><br \/>\n<strong>Wagoner<\/strong>: Verdammt, was sind das eigentlich f\u00fcr bl\u00f6de F\u00e4den? Wer macht mich hier zur Marionette?<br \/>\n<strong>Suzuki<\/strong>: Das ist die unsichtbare Hand des Marktes. Sie wird an euch bald kein Interesse mehr haben und euch fallen lassen. Das wird, wie man wei\u00df, zum Nutzen aller sein. Denn das eigenn\u00fctzige Streben der wirtschaftenden und wirtschaftlich erfolgreichen Menschen tr\u00e4gt im System der nat\u00fcrlichen Freiheit zum Wohl der gesamten Gesellschaft bei. Das wissen wir doch alle seit Adam Smith. K\u00fcnftig wird es weltweit nur einen Autoproduzenten geben: Toyota!<br \/>\n<strong>Kerkorian<\/strong>: Und wo bleibt dann der Markt?<br \/>\n<em>Das Licht geht aus.<\/em><\/p>\n<p>Jetzt klatschte B\u00e4rdel wirklich begeistert, und alle andren fielen ein.<br \/>\n\u201eDas war zwar kein M\u00e4rchen, aber prima zeitkritisches Theater! Schade nur, dass wir uns geschworen haben, uns nicht mehr in diese menschlichen Schweinereien einzumischen &#8211; oh, entschuldige bitte, Piggy! Und jetzt habe ich wirklich Hunger und Durst! Darf ich euch einladen?\u201c<br \/>\nMuss noch erw\u00e4hnt werden, dass in B\u00e4renleben an diesem Abend ein rauschendes Fest gefeiert wurde?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00e4rdels Geburtstag stand wieder einmal bevor und warf seine Schatten voraus. 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