{"id":468,"date":"2006-12-03T17:16:07","date_gmt":"2006-12-03T15:16:07","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=468"},"modified":"2017-03-14T17:29:25","modified_gmt":"2017-03-14T15:29:25","slug":"kulle-ueber-gruppensoziologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/2006\/12\/kulle-ueber-gruppensoziologie\/","title":{"rendered":"Kulle \u00fcber Gruppensoziologie"},"content":{"rendered":"<h2>PD Kulle<\/h2>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle10.jpg\" width=\"600\" height=\"450\" border=\"0\" \/><\/div>\n<h2>Bemerkungen zur Soziologie der menschlichen Gruppe<\/h2>\n<h3>Einf\u00fchrung in den Forschungsgegenstand<\/h3>\n<p>Das Zusammenleben der Menschentiere ist gepr\u00e4gt durch einerseits Dominanz und andererseits Submission von Individuen oder Gruppen von Individuen, erstere durch Siege in Rangk\u00e4mpfen erworben, letztere als Resultat von Niederlagen erzwungen hingenommen. <sup><a href=\"#fuss1\" title=\"Wir gehen bei unseren Betrachtungen vom Normalfall aus, vom Normalfall des menschlichen Zusammenlebens n\u00e4mlich; wobei wir keineswegs die Meinung vertreten, dass der Mensch als solcher als Normalfall zu betrachten ist. Da jedoch, wo er auftritt, und er tritt h\u00e4ufig und immer h\u00e4ufiger auf, und wo er auftritt, w\u00e4chst kein Gras mehr, wo er also auftritt, tritt er geh\u00e4uft auf, nicht allein. \u201cEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei\u201d, wird bereits in den \u00e4lteren Menschenmythen wie dem Pentateuch in verbl\u00fcffender Selbsterkenntnis postuliert, und dabei handelt es sich um eine der wenigen von Menschen f\u00fcr Menschen aufgestellten Regeln, an die Menschen sich zu halten pflegen. Am Rande sei bemerkt, dass diese Ma\u00dfregel auch f\u00fcr B\u00e4ren gilt. Darin jedoch ersch\u00f6pfen sich, soziologisch betrachtet, Parallelen zwischen Homo sapiens sapiens und Ursus ursus.\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Menschliche Soziologen, die sich mit diesem Problemkomplex zu besch\u00e4ftigen versuchen, was ihnen selbstredend nicht gelingen kann, da Selbst-Erkenntnis Kenntnis des Selbst voraussetzt, \u00fcber die Menschen nicht verf\u00fcgen, trennen zwischen Gro\u00df- und Kleingruppen. Wir folgen dieser Unterscheidung nicht, ist der Unterschied doch nur ein gradueller, kein qualitativer. Gruppenbeziehungen \u00e4ndern sich nicht dadurch, dass sie codifiziert werden. <sup><a href=\"#fuss2\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Aus dieser These lassen sich unter anderem die folgenden analytischen Fragen ableiten: Wie ist der Begriff der Gruppe <sup><a href=\"#fuss3\">3<\/a><\/sup> zu definieren? Welche Eigenschaften eines Individuums sind erforderlich, damit ein Gruppenmitglied von seinen \u201cPeers\u201d als Herrscher anerkannt wird? In welchen Formen kann sich Dominanz \u00e4u\u00dfern? Wie l\u00e4sst sich eine dominierende Stellung im sozialen Gef\u00fcge erringen und, was mindestens ebenso schwierig sein kann, auf Dauer festigen?<\/p>\n<h3>Merkmale archaischer Gruppenbeziehungen<\/h3>\n<p>Als Gruppe bezeichnen wir mindestens zwei <sup><a href=\"#fuss4\">4<\/a><\/sup> Individuen, deren Zusammenleben durch Aspekte wechselseitiger Abh\u00e4ngigkeit gepr\u00e4gt ist. Der Prototyp der Gruppe ist das heterosexuelle Paar im sexuell aktiven Alter, das nolens volens geschlechtliche Arbeitsteilung praktiziert. Bei gr\u00f6\u00dferen Gruppen verliert der sexuelle Aspekt in der Regel <sup><a href=\"#fuss5\" >5<\/a><\/sup> an Bedeutung, w\u00e4hrend \u00f6konomische Ziele <sup><a href=\"#fuss6\">6<\/a><\/sup> in den Vordergrund treten.<\/p>\n<p>Welchem Partner in der heterosexuell organisierten Zweiergruppe <sup><a href=\"#fuss7\">7<\/a><\/sup>der dominante Part zuf\u00e4llt, ist ex ante nicht generell entscheidbar. Es wird jedoch immer derjenige sein, der &#8211; nicht zwangsl\u00e4ufig objektiv, aber nach Ma\u00dfgabe der Meinung der Beteiligten &#8211; mehr zur Erhaltung der Art beitr\u00e4gt als der andere. Dieser Beitrag kann in einer \u00fcberzeugenden Fortpflanzungsleistung gesehen werden, aber auch in herausragenden physischen F\u00e4higkeiten wie Schnelligkeit oder K\u00f6rperkraft, die effizient eingesetzt werden, um der eigenen Allesfressergruppe tierisches Eiwei\u00df zu verschaffen, was wiederum indirekt fortpflanzungsrelevant ist. In Bezug auf diesen letztgenannten Aspekt gewinnen auch intellektuelle Kapazit\u00e4ten an Bedeutung, sind sie doch eine wichtige Waffe des Raubtieres Mensch, wenn es gilt, andere Tiere <sup><a href=\"#fuss8\">8<\/a><\/sup> in die Falle zu locken. Nicht nur zur Manipulation anderer Spezies, auch zur Lenkung der eigenen Art, zur Lenkung der eigenen Gruppe, wird das Gro\u00dfhirn genutzt. <sup><a href=\"#fuss9\">9<\/a><\/sup> Wie wir sehen, neigt sich die Waagschale der Dominanz tendenziell dem m\u00e4nnlichen Geschlecht zu. <sup><a href=\"#fuss10\">10<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Dominanz, wie hier beschrieben, bedarf keiner Legitimation durch andere. Sie legitimiert sich selbst gegen Herrschaftsanspr\u00fcche anderer, indem sie vom Alpha-Tier ausge\u00fcbt und verteidigt wird. <sup><a href=\"#fuss11\">11<\/a><\/sup> Sie beruht auf dem Recht des St\u00e4rkeren, auf nichts sonst; auf Ungleichheit der Individuen, resultierend aus St\u00e4rke eines Individuums.<\/p>\n<h3>Merkmale moderner Gruppenbeziehungen<\/h3>\n<p>Man vergegenw\u00e4rtige sich das folgende Szenario: In einer Gruppe, die vor einer Entscheidung steht, hat jedes Mitglied ungest\u00f6rtes Rederecht, sofern es ein bestimmtes Ding in H\u00e4nden h\u00e4lt, das dieses Recht symbolisiert. Die Entscheidung wird per Abstimmung herbeigef\u00fchrt. <sup><a href=\"#fuss12\">12<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Vergleichen wir die hier skizzierten Mechanismen mit den im vorigen Kapitel dargestellten. Die Dominanz, bisher einem Alpha-Tier inh\u00e4rent, ist ihm ent\u00e4u\u00dfert worden, ist strukturell ent\u00e4u\u00dfert worden, denn sie geh\u00f6rt gar keinem Individuum mehr quasi organisch an, sondern wird, in Form des ungest\u00f6rten Rederechts, einem jeden Gruppenmitglied tempor\u00e4r zugestanden. Mehr noch: Nicht nur bei der Entscheidungsfindung, sondern auch bei der bindenden Beschlussfassung haben alle ein Mitwirkungsrecht, wobei jedes Votum das selbe Gewicht hat wie ein anderes. <sup><a href=\"#fuss13\">13<\/a><\/sup> Das hier herrschende Rechtsprinzip ist das der Gleichheit der Individuen, resultierend nicht aus einem Faktum wie dem der nachgewiesenen individuellen St\u00e4rke, sondern basierend auf dem Axiom der Gleichwertigkeit aller &#8211; bekannt unter dem Namen Demokratie. <sup><a href=\"#fuss14\">14<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass derma\u00dfen revolution\u00e4re Ver\u00e4nderungen habitueller Strukturen nicht Ergebnis einer allm\u00e4hlichen Entwicklung, sondern allein Resultat einer revolution\u00e4ren Umw\u00e4lzung der Produktionsverh\u00e4ltnisse sein k\u00f6nnen und m\u00fcssen. <sup><a href=\"#fuss15\">15<\/a><\/sup><\/p>\n<h3>Zur Bewertung moderner Gruppenbeziehungen<\/h3>\n<p>Ausnahmsweise interessiert an dieser Stelle nicht die Meinung des Verfassers, obwohl nicht unterschlagen werden soll, dass sich dessen Position von selbst versteht, sondern die Stellungnahme der in die Gruppenstruktur Involvierten, denn sie allein sind es, die Entscheidungsprozesse bewahrend oder ver\u00e4ndernd gestalten k\u00f6nnen. Hier ist es notwendig, quantitative und qualitative Aspekte gesondert zu beleuchten.<\/p>\n<p>Die Zahl der Alpha-Tiere in einer Gruppe ist allemal geringer als die der von ihnen Gef\u00fchrten, also erh\u00f6ht sich unter den Bedingungen moderner Gruppenbeziehungen quantitativ der Zufriedenheitskoeffizient. Ein reziproker Prozess ist bei der Teilmenge der Alphas zu beobachten. Moderne Gruppenbeziehungen berauben sie ihres exklusiven Status und ihrer weitreichenden Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Wie oben dargelegt, resultiert die dominante Stellung eines F\u00fchrungstieres aus seiner \u201cSt\u00e4rke\u201d. Diese \u201cSt\u00e4rke\u201d verwandelt sich nicht in Schw\u00e4che, sie dissipiert nicht, weil sie gesellschaftlich nicht mehr erw\u00fcnscht ist, sondern bleibt latent, potentiell vorhanden. Ihre Tr\u00e4ger sinnen in Anbetracht der revolutionierten gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse darauf, ihre alte gesellschaftliche Stellung wieder zu erlangen, wobei sie akzeptieren, dass dieses Ziel nur im Rahmen der neuen Gruppenbeziehungen erreicht werden kann <sup><a href=\"#fuss16\">16<\/a><\/sup>.<\/p>\n<h3>Die Archaisierung moderner Gruppenbeziehungen<\/h3>\n<p>Wie wir gezeigt haben, bestehen die revolution\u00e4ren Merkmale moderner Gruppenbeziehungen in gleichen Artikulations- und Mitbestimmungsrechten aller. Beides m\u00fcssen die Alphatiere gem\u00e4\u00df ihren Bed\u00fcrfnissen modifizieren, wobei sie darauf zu achten haben, dass die Modifikation den anderen Gruppenmitgliedern verborgen bleibt. <sup><a href=\"#fuss17\">17<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Der erste und entscheidende Schritt besteht darin, der Gruppengefolgschaft die \u00dcberzeugung zu vermitteln, dass sie angesichts der Komplexit\u00e4t und Kompliziertheit der zu bew\u00e4ltigenden Probleme nicht nur nicht in der Lage ist, \u00fcber diese zu befinden, sondern dass sie sich nicht angemessen artikulieren kann, ja, noch nicht einmal \u201cJa\u201d oder \u201cNein\u201d zu sagen im Stande ist. Auch wird suggeriert, diese beschr\u00e4nkte Artikulationsf\u00e4higkeit bestehe nur an wenigen Tagen innerhalb mehrerer Jahre. Wird diese Behauptung akzeptiert, ist eine parlamentarische \u201cDemokratie\u201d institutionalisiert. <sup><a href=\"#fuss18\">18<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Mit diesem ersten Schritt, mit der Selbstentm\u00fcndigung der meisten Gruppenmitglieder, ist das entscheidende Ziel der Alphas bereits erreicht. Wer sich noch nicht einmal angemessen artikulieren kann, wird neidlos und dankbar gegen\u00fcber denjenigen, die sich der M\u00fche des Denkhandelns unterziehen, anerkennen, dass er im Gegensatz zu ihnen zu sinnvollen Entscheidungen nicht f\u00e4hig ist. <sup><a href=\"#fuss19\">19<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Um eventueller Unzufriedenheit der Gruppenmehrheit vorzubeugen, wird ihr von den Alphatieren suggeriert, dass jeder Gruppenangeh\u00f6rige die Chance habe, dem Kreis der Entscheidungstr\u00e4ger anzugeh\u00f6ren, wenn er sich daf\u00fcr qualifiziere. <sup><a href=\"#fuss20\">20<\/a><\/sup><\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Moderne Gruppen sind ebenso hierarchisch organisiert wie archaische, obwohl die herrschende Ideologie das Gegenteil behauptet. In beiden Formen dominiert das Prinzip des \u201cdivide et impera\u201d. Wir wagen allerdings die Behauptung, dass moderne Gruppen stabiler sein k\u00f6nnen als archaische, versprechen sie doch potentiell allen Gruppenmitgliedern, Alphatiere werden zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend in traditionellen Formen des Zusammenlebens dieses Privileg einer kleinen Zahl vorbehalten blieb. Wird dieses Versprechen nicht nur akzeptiert, sondern internalisiert, ist eine Kritik an der Gruppenstruktur verunm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Im menschlichen Zusammenleben herrscht also nach wie vor das Recht des St\u00e4rkeren, obwohl eben dieses Prinzip als menschenunw\u00fcrdig verdammt wird, was den wenigsten menschlichen Akteuren als Ironie erscheinen d\u00fcrfte <sup><a href=\"#fuss21\">21<\/a><\/sup>. Der Mensch lebt in Gruppen und ist insofern ein gesellschaftliches Tier, ein \u201czoon politikon\u201d, ein <b>politisch<\/b>, also selbst-bewusst agierendes Tier ist er dagegen nicht <sup><a href=\"#fuss22\">22<\/a><\/sup> &#8211; q.e.d.<\/p>\n<h3>Endnoten<\/h3>\n<p><a name=\"fuss1\"><\/a><\/p>\n<p>1 Wir gehen bei unseren Betrachtungen vom Normalfall aus, vom Normalfall des menschlichen Zusammenlebens n\u00e4mlich; wobei wir keineswegs die Meinung vertreten, dass der Mensch als solcher als Normalfall zu betrachten ist. Da jedoch, wo er auftritt, und er tritt h\u00e4ufig und immer h\u00e4ufiger auf, und wo er auftritt, w\u00e4chst kein Gras mehr, wo er also auftritt, tritt er geh\u00e4uft auf, nicht allein. \u201cEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei\u201d, wird bereits in den \u00e4lteren Menschenmythen wie dem Pentateuch in verbl\u00fcffender Selbsterkenntnis postuliert, und dabei handelt es sich um eine der wenigen von Menschen f\u00fcr Menschen aufgestellten Regeln, an die Menschen sich zu halten pflegen. Am Rande sei bemerkt, dass diese Ma\u00dfregel auch f\u00fcr B\u00e4ren gilt. Darin jedoch ersch\u00f6pfen sich, soziologisch betrachtet, Parallelen zwischen Homo sapiens sapiens und Ursus ursus.<\/p>\n<p><a name=\"fuss2\"><\/a><\/p>\n<p>2 Was der Chef meint, ist Folgendes: Wichtig ist nicht, dass es Gesetze gibt, sondern dass alle sich daran halten, auch wenn es keine gibt. Jetzt klar? Die Sekret\u00e4rin<\/p>\n<p><a name=\"fuss3\"><\/a><\/p>\n<p>3 \u201cGruppe\u201d meint im Folgenden immer \u201cMenschengruppe\u201d.<\/p>\n<p><a name=\"fuss4\"><\/a><\/p>\n<p>4 Wir stellen uns dem zu erwartenden Vorwurf, die Zahl zwei sei inad\u00e4quat, unerschrocken. Das Merkmal der Arbeitsteilung, das das Zusammenleben in Gruppen pr\u00e4gt, l\u00e4sst sich exemplarisch bereits in der Paarbeziehung nachweisen. Auch der oben zitierte Satz aus dem Pentateuch (vgl. Fu\u00dfnote 1) untermauert diese These, dr\u00fcckt er doch die Erkenntnis des in diesem Text angenommenen Sch\u00f6pfergottes aus, der von ihm aus Erde geschaffene Menschenmann bed\u00fcrfe einer Frau.<\/p>\n<p><a name=\"fuss5\"><\/a><\/p>\n<p>5 Es sei denn, man hat es mit orientalischen Haremsbedingungen oder, was nur ein gradueller Unterschied ist, mit den verbotenen und offiziell nicht mehr praktizierten Familienstrukturen der Mitglieder der \u201cChurch of Jesus Christ of the Latter Day Saints\u201d, vulgo Mormonen, zu tun.<\/p>\n<p><a name=\"fuss6\"><\/a><\/p>\n<p>6 \u00d6konomische Ziele werden zum Zwecke der Erhaltung der dominanten Stellung in der Gruppe von den Alpha-Tieren h\u00e4ufig als politische oder ideologische bezeichnet, wobei es sich jedoch stets um Verschleierungsman\u00f6ver handelt.<\/p>\n<p><a name=\"fuss7\"><\/a><\/p>\n<p>7 Die dargestellten Mechanismen gelten auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Gruppen, die sich aus heterosexuellen Zweiergruppen rekrutieren, und &#8211; mit Schwerpunkt auf den intellektuellen F\u00e4higkeiten &#8211; f\u00fcr Gruppen, die \u00f6konomische Ziele verfolgen.<\/p>\n<p><a name=\"fuss8\"><\/a><\/p>\n<p>8 z. B. arglose B\u00e4ren<\/p>\n<p><a name=\"fuss9\"><\/a><\/p>\n<p>9 Die Menschen selbst benutzen f\u00fcr die gewaltfreie F\u00fchrung einer Gruppe den Begriff \u201cCharisma\u201d.<\/p>\n<p><a name=\"fuss10\"><\/a><\/p>\n<p>10 Dabei soll nicht vergessen werden, dass in der objektiv kurzen, aber aus der B\u00e4renperspektive subjektiv viel zu langen Phase der Existenz der menschlichen Art matriarchalische Strukturen einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Zeitraum eingenommen haben als patriarchalische, was unter anderem der Tatsache geschuldet ist, dass den Menschen der (verglichen mit der Leistung der Frau geringe) Beitrag des Mannes zur Arterhaltung erst in historisch j\u00fcngerer Zeit bewusst wurde.<\/p>\n<p><a name=\"fuss11\"><\/a><\/p>\n<p>11 Dabei handelt das Alpha-Tier in gr\u00f6\u00dferen Gruppen in der Regel taktisch. Es versetzt einige Gruppenmitglieder tats\u00e4chlich oder scheinbar in Positionen, die sie \u00fcber andere erheben, in der Hoffnung, dass diese Beta- oder Gammatiere es selbst in Gefahrensituationen verteidigen werden, um die eigene privilegierte Stellung nicht zu verlieren.<\/p>\n<p><a name=\"fuss12\"><\/a><\/p>\n<p>12 vgl. William Golding, Der Herr der Fliegen<\/p>\n<p><a name=\"fuss13\"><\/a><\/p>\n<p>13 Es ist f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen nicht von Bedeutung, ob Beschl\u00fcsse nach dem Mehrheitsprinzip oder einstimmig, also entsprechend der volont\u00e9 g\u00e9n\u00e9rale, gefasst werden. In Bezug auf das Prosperieren einer Gruppe allerdings ist nur das Verfahren, das den Gemeinwillen zur Entscheidungsgrundlage macht, langfristig Erfolg versprechend. (Ich habe den Chef gebeten, das zu erl\u00e4utern, aber er meint, das sei zu banal. Entschuldigung &#8211; die Sekret\u00e4rin)<\/p>\n<p><a name=\"fuss14\"><\/a><\/p>\n<p>14 Eine noch modernere Gruppenstruktur w\u00fcrde auf das Aufstellen von Regeln jenseits physiologischer Gegebenheiten verzichten k\u00f6nnen, also nur noch die Mensis als Regel akzeptieren, und damit auch eine Struktur negieren; eine solche Gruppe w\u00fcrde sich je nach Problemlage neu konstituieren und autopoetisch regulieren. Vertreter der menschlichen Avantgarde haben dergleichen Anarchismus genannt.<\/p>\n<p><a name=\"fuss15\"><\/a><\/p>\n<p>15 Wir ersparen es an dieser Stelle dem Leser und uns, genauer auf die Mechanismen und historischen Emanationen der b\u00fcrgerlichen Revolution, denn um diese handelt es sich, einzugehen.<\/p>\n<p><a name=\"fuss16\"><\/a><\/p>\n<p>16 Sie sind ja nicht doof.<\/p>\n<p><a name=\"fuss17\"><\/a><\/p>\n<p>17 Dieses Ziel ist insofern realistisch, als diese Gruppenangeh\u00f6rigen in der Tat h\u00e4ufig doof sind.<\/p>\n<p><a name=\"fuss18\"><\/a><\/p>\n<p>18 Glauben die Gruppenmitglieder dagegen weiterhin an ihre F\u00e4higkeit, \u201cJa\u201d oder \u201cNein\u201d sagen zu k\u00f6nnen, halten sie an Volksentscheiden fest.<\/p>\n<p><a name=\"fuss19\"><\/a><\/p>\n<p>19 Was wiederum die Berechtigung der Fu\u00dfnote 17 erh\u00e4rtet.<\/p>\n<p><a name=\"fuss20\"><\/a><\/p>\n<p>20 Diese Qualifikationsm\u00f6glichkeit wird nicht nur auf politischem, sondern auch auf \u00f6konomischem Gebiet behauptet und existiert graduell auch &#8211; in eben jenem Grade, der Beta-Tieren schon immer von Alphas zum Zweck der St\u00e4rkung ihrer eigenen Position einger\u00e4umt worden ist.<\/p>\n<p><a name=\"fuss21\"><\/a><\/p>\n<p>21 Wir verweisen zum zweiten Mal auf die Fu\u00dfnote 17.<\/p>\n<p><a name=\"fuss22\"><\/a><\/p>\n<p>22 Daran \u00e4ndert auch nichts, dass Karl Marx anderer Meinung war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PD Kulle Bemerkungen zur Soziologie der menschlichen Gruppe Einf\u00fchrung in den Forschungsgegenstand Das Zusammenleben der Menschentiere ist gepr\u00e4gt durch einerseits Dominanz und andererseits Submission von Individuen oder Gruppen von Individuen, erstere durch Siege in Rangk\u00e4mpfen erworben, letztere als Resultat von Niederlagen erzwungen hingenommen. 1 Menschliche Soziologen, die sich mit diesem Problemkomplex zu besch\u00e4ftigen versuchen, was [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[9,8],"tags":[],"class_list":["post-468","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulle3-2","category-kulle3"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=468"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":472,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/468\/revisions\/472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}