{"id":482,"date":"2007-08-18T15:33:00","date_gmt":"2007-08-18T13:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=482"},"modified":"2017-03-26T15:37:41","modified_gmt":"2017-03-26T13:37:41","slug":"eisbaerenleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/2007\/08\/eisbaerenleben\/","title":{"rendered":"Eisb\u00e4renleben"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/atti.jpg\" alt=\"Athabaska\" width=\"440\" height=\"376\" \/><\/div>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<div align=\"left\">\n<p>Athabasca lag gem\u00fctlich inmitten einer blumen\u00fcbers\u00e4ten Fr\u00fchsommerwiese in B\u00e4renleben und lie\u00df sich die Sonne auf den braunen Pelz brennen. Die \u00fcberw\u00e4ltigenden D\u00fcfte um sie herum brachten sie zum Niesen.<br \/>\n\u201eHatschep\u00fch!\u201c machte sie lautstark. Und noch einmal: \u201eHatschep\u00fcahhh!\u201c<br \/>\n\u201cDu h\u00f6rst mir gar nicht zu!\u201c beklagte sich Kulle, der neben ihr hockte. \u201aStimmt\u2018, dachte Atti, aber laut sagte sie: \u201eWelch ein Unsinn! Ich lausche jedem deiner Worte mit Hingabe!\u201c<br \/>\nKulle, blind und taub wie jeder, der verliebt ist, glaubte ihr nat\u00fcrlich jedes Wort und fuhr in seiner Suada fort.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle5.jpg\" alt=\"Kulle\" width=\"440\" height=\"330\" \/><\/div>\n<div align=\"left\">\u201eDer Treibhauseffekt verst\u00e4rkt sich, je weiter die Kohlendioxidkonzentration ansteigt. Es wird also immer w\u00e4rmer.\u201c<br \/>\n\u201eNa und?\u201c fragte Athabasca und rollte sich gen\u00fcsslich im Gras hin und her. Sie liebte es warm.<br \/>\n\u201eNa und, na und! In Dehland werden vielleicht Palmen wachsen, die Sahara wird sich bis nach Spanien ausbreiten, und Gr\u00f6nland wird wieder\u00a0 gr\u00fcn!\u201c<br \/>\nAtti verstand Kulles Aufregung nicht. Sie hatte nichts gegen ein subtropisches oder zumindest warmgem\u00e4\u00dfigtes Dehland; sie liebte die W\u00fcste, seit sie ein paar Monate im kargen S\u00fcdwesten der USA zugebracht hatte, und dass Gr\u00f6nland wieder gr\u00fcn werden k\u00f6nnte, erschreckte sie \u00fcberhaupt nicht: Der Name der Insel legte schlie\u00dflich nahe, dass ihr Normalzustand eisfrei war.<br \/>\n\u201eNa und?\u201c fragte sie zum zweiten Mal.<br \/>\n\u201eNuk!\u201c<br \/>\nAtti sah Kulle an, Kulle sah Atti an. \u201eWas war das?\u201c fragten beide gleichzeitig. Der merkw\u00fcrdige Laut, den sie geh\u00f6rt hatten, war irgendwo aus dem hohen Gras gekommen, das sie umgab.<br \/>\nAtti gab sich schnell zufrieden. \u201eEs klang wie eine schlecht ge\u00f6lte T\u00fcr, aber hier gibt es ja keine T\u00fcren, und schlecht ge\u00f6lte schon gar nicht. Wahrscheinlich eine Grille, die sich im Ton vergriffen hat. Also &#8211; was ist schlimm daran, wenn in Gr\u00f6nland Gras w\u00e4chst?\u201c<br \/>\nKulle sp\u00e4hte weiter aufmerksam um sich. \u201eDie Albedo der Erde ver\u00e4ndert sich drastisch\u201c. brummte er unkonzentriert. Er sah Athabasca noch immer nicht an. \u201eIrgendwas ist da!\u201c knurrte er.<br \/>\n\u201eAlbedo? Habe ich noch nie geh\u00f6rt. Ist das wichtig?\u201c Kulle reagierte nicht. Ungeduldig fragte Atti: Na, und was&#8230;.\u201c<br \/>\nNuk!\u201c<br \/>\nAtti verstummte sofort. Kulle kratzte sich am Kopf. \u201eEs gibt da ein Muster, da bin ich sicher. Das Ger\u00e4usch, oder was immer es sein soll, wird durch ein Schl\u00fcsselwort aktiviert. Aber welches? Was hast du zuletzt gefragt?\u201c wollte er von Atti wissen.<br \/>\n\u201eIch habe die Sache mit der Albedo nicht verstanden, Na, und&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eNuk!\u201c machte es zum dritten Mal.<br \/>\n\u201eNa und Nuk, das ist es. Na und Nuk. Naundnuk. Aber was bedeutet das?\u201c<br \/>\n\u201eDas hei\u00dft nicht Naundnuk, sondern Nanuk. Nanuk hei\u00dft Eisb\u00e4r. Das ist Inuit. Und gemeint sind wir.\u201c<br \/>\nDer Sprecher, der das sagte, hatte eine helle Stimme und sprach Deutsch mit einem fremden Akzent. Atti und Kulle brauchten nicht lange zu warten, bis er sich ihnen zeigte. Zwei kleine Eisb\u00e4ren tapsten aus dem hohen Gras auf sie zu.<br \/>\n\u201eKnut!\u201c rief Atti entz\u00fcckt. \u201eUnd gleich zweimal!\u201c<br \/>\nManchmal fragte Kulle sich, ob Frauen wirklich so bl\u00f6d sein mussten, wie sie sich meistens gaben, aber er fragte sich das immer und auch jetzt nur ganz im Geheimen. \u201eNein, das ist nicht Knut!\u201c erkl\u00e4rte er. \u201eKnut ist inzwischen so gro\u00df, dass sich noch nicht mal sein W\u00e4rter mehr allein in seinen K\u00e4fig traut. Diese beiden hei\u00dfen Nanuk. Stimmt\u2018s?\u201c fragte er.<br \/>\n\u201eNicht ganz. Ich bin Na, und meine Schwester hei\u00dft Nuk. Nanuk hei\u00dfen wir nur zusammen.\u201c<br \/>\n\u201eDanke f\u00fcr die Vorstellung, Das ist Athabasca, und ich bin Kulle. Wir wohnen hier in B\u00e4renleben. Und woher kommt ihr?\u201c<br \/>\n\u201eAus Kanada.\u201c<br \/>\n\u201eIch auch!\u201c rief Atti begeistert. \u201eKennt ihr Sunwupta Falls? Kennt ihr einen gro\u00dfen Grizzly namens Otto?\u201c<br \/>\nDie beiden Kleinen sch\u00fcttelten die K\u00f6pfe.<br \/>\nKulle h\u00e4tte liebend gerne in Erfahrung gebracht, wer dieser vermaledeite Otto war, aber er hielt nichts von Multitasking, wie man neuerdings sagte, wenn man mehrere Dinge auf einmal machte, und keines davon richtig. Er bevorzugte es, eine Sache nach der anderen zu erledigen. Da kamen ihm die beiden Kleinen gerade recht, denn er musste Atti noch erkl\u00e4ren, was Albedo bedeutete.<br \/>\n\u201eIhr habt ein wundervoll wei\u00dfes Fell\u201c, sagte er. \u201eDarf Atti das mal anfassen?\u201c<br \/>\nDie Eisb\u00e4ren hatten nichts dagegen, und Athabasca strich mit ihrer rechten Vorderpfote sanft \u00fcber Haut, die nicht sp\u00fcrbar war, weil sie von daunenweichem wei\u00dfem Haar bedeckt war.<br \/>\n\u201eF\u00fchlt sich gut an!\u201c brummte sie.<br \/>\n\u201eUnd jetzt leg deine linke Vorderpfote auf dein eigenes Fell!\u201c kommandierte Kulle. Atti hatte keine Ahnung, warum er das wollte, aber sie tat ihm den Gefallen.<br \/>\n\u201eOops!\u201c, sagte sie. \u201eRechts ist es viel k\u00fchler als links.\u201c Sie tastete nach ihrer Stirn. \u201eHabe ich vielleicht Fieber?\u201c<br \/>\n\u201eDu hast kein Fieber, aber dein Fell ist braun, und das Fell der Eisb\u00e4ren ist wei\u00df. \u201aAlbedo\u2018 bedeutet R\u00fcckstrahlkraft. Die Sonnenstrahlen werden von dem wei\u00dfen Fell unserer \u00dcberraschungsg\u00e4ste fast vollst\u00e4ndig reflektiert, das hei\u00dft, es bleibt kaum W\u00e4rme an ihnen h\u00e4ngen. Mir deinem braunen Fell ist das anders, es wird aufgeheizt. Und wenn Gr\u00f6nland gr\u00fcn wird und nicht mehr wei\u00df ist, dann wird auch Gr\u00f6nland aufgeheizt, und das hat Auswirkungen auf die gesamte Erde, und&#8230;.\u201c<br \/>\n\u201eKulle?\u201c<br \/>\nJa?!\u201c Kulle hatte \u00fcber seiner Erkl\u00e4rung, w\u00e4hrend deren er sich auf Attis hei\u00dfes Fell konzentriert hatte, die beiden kleinen Eisb\u00e4ren fast vergessen.<br \/>\n\u201eDasselbe erz\u00e4hlt Mami uns auch immer!\u201c<br \/>\n\u201e\u201cMami?\u201c<br \/>\n\u201eWer ist Mami?\u201c fragte Athabasca, w\u00e4hrend Kulle sprachlos blieb. F\u00fcr M\u00fctter hatte er nichts \u00fcbrig.<br \/>\n\u201eMami ist auch hier. Mami hat uns hergebracht. Mamiiii!!!!\u201c Atti und Kulle h\u00e4tten nie gedacht, dass B\u00e4ren, auch wenn es Eisb\u00e4ren waren, so laut kreischen k\u00f6nnten.<\/div>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/eisbaerenfamilie.jpg\" alt=\"Eisb\u00e4renfamilie\" width=\"600\" height=\"450\" \/><\/div>\n<div align=\"left\">\n<p>Eine Eisb\u00e4rin tauchte aus den B\u00fcschen neben ihnen auf, eine B\u00e4rin, die so gro\u00df war, wie Atti und Kulle noch nie eine gesehen hatten. Sie war tropfnass.<br \/>\n\u201eHi there!\u201c gr\u00fc\u00dfte sie. \u201eEnglisch versteht ihr doch, oder? Meine Kinder habe ich multilingual erzogen in Anbetracht des Klimawandels, aber, Entschuldigung, ich selbst kann als Fremdsprache nur Englisch. Ich habe gerade gebadet, um mich abzuk\u00fchlen &#8211; es ist viel zu hei\u00df bei euch. Aber euer See ist nett, und etwas zu essen hat er auch. Habt ihr Hunger?\u201c Sie spuckte eine gro\u00dfe Forelle aus, die sie vorsichtig in ihren F\u00e4ngen gehalten hatte.<br \/>\n\u201eJa! Na klar! Immer!\u201c riefen Na und Nuk durcheinander.<br \/>\n\u201eDanke, nein!\u201c Atti und Kulle lehnten h\u00f6flich ab, obwohl ihnen das Wasser im Maul zusammenlief.<br \/>\nDie Eisb\u00e4renmutter schleuderte den Fisch ihren Kindern vor die F\u00fc\u00dfe, und die machten sich sofort an ihre Mahlzeit.<br \/>\n\u201eJetzt haben wir ein bisschen Ruhe vor den Beiden\u201c, brummte sie zufrieden. \u201eIch hei\u00dfe Oicy, und wir kommen aus Kanada. Ich bin froh, euch beide gefunden zu haben, denn wir sind schon lange unterwegs, aber in Europa scheint es kaum B\u00e4ren zu geben. Oder versteckt ihr euch nur so gut?\u201c<br \/>\n\u201eBeides ist richtig\u201c, antwortete Atti. \u201eEs gibt kaum noch B\u00e4ren, weil es zu viele Menschen gibt, und deshalb verstecken wir uns vor ihnen.\u201c<br \/>\n\u201eAlso ist es hier auch gef\u00e4hrlich\u201c, seufzte Oicy. Dann werde ich wohl weiterziehen und mein Gl\u00fcck in der Antarktis versuchen. Ich wei\u00df zwar noch nicht, wie ich durch die Tropen kommen soll, aber irgendwie&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eNein, gef\u00e4hrlich ist es nicht, jedenfalls nicht f\u00fcr uns\u201c, unterbrach Kulle sie. Schaudernd dachte er daran, was f\u00fcr ein Massaker die drei Eisb\u00e4rinnen unter der Pinguinpopulation rund um den S\u00fcdpol anstellen w\u00fcrden. \u201eSag mal: Was hast du eigentlich vor?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe eben gerade den Klimawandel erw\u00e4hnt. Wisst ihr, was das ist?\u201c<br \/>\nKulle wollte sich ob dieser Frage emp\u00f6ren, aber Atti legte ihm beruhigend die Pfote auf den Arm. \u201eIch denke schon\u201c, fl\u00f6tete sie und g\u00f6nnte Kulle einen bet\u00f6renden Augenaufschlag. \u201eDie Kohlendioxidkonzentration steigt an, und es wird \u00fcberall immer w\u00e4rmer. Gr\u00f6nland wird wieder gr\u00fcn werden!\u201c<br \/>\n\u201eJa, und auch Nordkanada, und der Nordpol wird eisfrei. Er ist im Sommer schon eisfrei!\u201c grollte Oicy. \u201eDas hei\u00dft, dass wir Eisb\u00e4ren dort oben keine Lebensgrundlage mehr haben. Deshalb will ich die Kinder evakuieren. Sie sind noch jung genug, um sich an ein fremdes Habitat und eine andere Ern\u00e4hrung zu gew\u00f6hnen. Jedenfalls hoffe ich das. Darf ich meine Theorie gleich mal testen?\u201c<br \/>\nKulle war immer f\u00fcr die Entwicklung von Theorien und deren Erprobung. \u201eSelbstverst\u00e4ndlich!\u201c sagte er.<br \/>\nOicy rief ihre Zwillinge, und da die beiden inzwischen aus der Forelle ein Gr\u00e4tenskelett gemacht hatten, kamen sie bereitwillig herbei. \u201eWas isst man denn bei euch so?\u201c erkundigte sich ihre Mutter.<br \/>\n\u201eFisch m\u00f6gen wir genau so gerne wie ihr auch, aber wir fressen auch Wurzeln und andere Pflanzenteile und Beeren und &#8211; na ja, und&#8230;\u201c erkl\u00e4rte Atti und verstumme unsicher, weil sie nicht wagte, die weniger appetitlichen Essgewohnheiten der dehl\u00e4ndischen B\u00e4ren zu verraten.<br \/>\n\u201eAas?\u201c fragte Oicy nach. \u201eDas m\u00f6gen wir auch, keine Sorge. Probleme haben wir dagegen mit pflanzlicher Nahrung. K\u00f6nnt ihr mir mal so eine &#8211; wie hei\u00dft das &#8211; so eine Beere geben, bitte?\u201c<br \/>\nMit einem Sprung war Atti in einem nahe gelegenen Geb\u00fcsch verschwunden und schnell wieder zur\u00fcck. Als sie ihre Pranke \u00f6ffnete, lag darin unverletzt ein H\u00e4uflein reifer Himbeeren.<br \/>\n\u201eBitte!\u201c sagte sie h\u00f6flich und bot Oicy davon an.<br \/>\nZ\u00f6gernd langte die riesige Eisb\u00e4rin zu, fasste mit \u00fcberraschender Zartheit nach einer Beere und warf sie sich ins Maul. Sofort verwandelte sich ihr Gesicht in eine Grimasse des Ekels. \u201ePfui Inuit!\u201c br\u00fcllte sie. \u201eSo etwas esst ihr? Das werden meine Kinder bestimmt nicht m\u00f6gen!\u201c<br \/>\nAthabasca war der Meinung, dass Oicy nichts, aber auch gar nichts von Kindererziehung verstand: Wie konnte man seinen Abscheu gegen etwas zum Ausdruck bringen, wenn man erreichen wollte, dass Kinder diesen Abscheu eben nicht entwickelten! Aber sie behielt ihre Meinung h\u00f6flich f\u00fcr sich. Anstatt etwas zu sagen, nahm sie selbst einige der Himbeeren, gab Kulle ebenfalls ein paar, und als sie sie mit der Zunge zerdr\u00fcckte, zeigte ihr Gesicht den Ausdruck h\u00f6chstm\u00f6glichen Entz\u00fcckens. \u201eHimbeeren!\u201c sagte sie schw\u00e4rmerisch, \u201eHimbeeren!\u201c Ich wollte, sie reiften das ganze Jahr lang! Wollt ihr auch mal probieren?\u201c fragte sie Na und Nuk. \u201eIch wette, ihr habt noch nie etwas so K\u00f6stliches gegessen! Ihr d\u00fcrft \u00fcbrigens Tante Atti zu mir sagen!\u201c Sie trat Kulle heftig gegen ein Bein, und er verstand, was sie von ihm wollte.<br \/>\n\u201eUnd ich bin Onkel Kulle\u201c, erg\u00e4nzte er. \u201eHimbeeren sind wirklich etwas Wunderbares, esst nur!\u201c<br \/>\nNa und Nuk sahen sich unsicher an, aber schnell ergriff Na die Initiative. \u201eIch bin die Erstgeborene\u201c, erkl\u00e4rte sie selbstbewusst. \u201eIch probiere jetzt mal!\u201c<br \/>\n\u201ePah, das sind nur anderthalb Minuten, die du mir voraus hast!\u201c protestierte Nuk. \u201eIch esse auch!\u201c<br \/>\nAthabascas Pfote war auf einmal leer. \u00c4ngstlich beobachtete sie zusammen mit Kulle die Mienen der beiden Kleinen, aber sie konnte keine Ver\u00e4nderung des Gesichtsausdrucks erkennen, w\u00e4hrend die beiden kauten und schluckten.<br \/>\n\u201eHast du davon noch mehr, Tante Atti?\u201c fragten sie im Chor, als sie fertig waren. Athabasca wusste nicht, ob sie zuerst gel\u00e4chelt oder zuerst zu einem weiteren Sprung in die B\u00fcsche angesetzt hatte. Die beiden Kleinen verputzen die zweite Beerenlieferung im Nu und sagen danach wie aus einer Kehle: \u201eMehr!\u201c<br \/>\n\u201e\u2018Mehr, bitte!\u2018 hei\u00dft das\u201c, sagte Atti und schmunzelte. \u201eMehr ist da dr\u00fcben in den B\u00fcschen. Bedient euch, aber seid vorsichtig: Beerenstr\u00e4ucher haben Dornen!\u201c<br \/>\nSofort waren Na und Nuk verschwunden.<br \/>\n\u201eDas scheint ja zu klappen!\u201c seufzte Oicy. \u201eIch muss gestehen, dass ich das gehofft habe. Ihr Vater war n\u00e4mlich ein Grizzly, kein Eisb\u00e4r, m\u00fcsst ihr wissen.\u201c Tapfer fuhr sie fort: \u201eIch werde mich davonschleichen, solange sie besch\u00e4ftigt sind. Ihr werdet ihnen bestimmt erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum ich nicht hiergeblieben bin. Und&#8230;\u201c Die Stimme versagte ihr. \u201eBitte, bitte, macht sie gl\u00fccklich!\u201c<br \/>\n\u201eNa klar machen wir sie gl\u00fccklich!\u201c brummte Kulle. \u201eIn B\u00e4renleben ist jeder gl\u00fccklich, sogar ich, nach Ma\u00dfgabe der immer noch ausstehenden Revolution, nat\u00fcrlich. Gehst du weg\u201c, fragte er pl\u00f6tzlich interessiert, \u201eweil demn\u00e4chst in Kanada eine Revolution zu erwarten ist?\u201c<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich nicht. Es sei denn, du bezeichnest es als Revolution, dass alle Eisb\u00e4ren demn\u00e4chst verhungern werden&#8230;\u201c<br \/>\n\u201ePsst\u201c machte Atti. \u201eLass das die Kinder nicht h\u00f6ren! Warum willst du \u00fcberhaupt wieder weg, wenn du deine Kinder hierlassen willst?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist doch klar, das liegt doch auf der Hand!\u201c sagte Kulle selbstbewusst und warf sich in die Brust. \u201eSie vertr\u00e4gt unsere Nahrung nicht. Sie w\u00fcrde hier sterben!\u201c<br \/>\n\u201eAch ja?\u201c fragte Atti. \u201eAch ja?\u201c wiederholte sie zornig. \u201eSo, sie vertr\u00e4gt unsere Nahrung nicht? Sie w\u00fcrde hier sterben? Und in Kanada vertr\u00e4gt sie das gewechselte Klima nicht, das mit dem Kohlenirgendwas, und da w\u00fcrde sie auch sterben! Warum soll sie also nicht bei uns bleiben, zusammen mit ihren Kindern, und zu leben versuchen? Es wird uns schon was einfallen!\u201c<br \/>\nKulle gab ungern zu, dass er Unrecht hatte, noch nicht einmal vor sich selbst und schon gar nicht vor anderen. Aber allm\u00e4hlich d\u00e4mmerte ihm, dass Athabasca Recht hatte. \u201eEs gab da fr\u00fcher ein Verfahren\u201c, sagte er langsam, \u201emit dem man im Winter Eis erntete. Man lagerte es an einem k\u00fchlen Ort, so dass der Vorrat f\u00fcr das ganze Jahr reichte. Wir k\u00f6nnten das System so auszubauen versuchen, dass es f\u00fcr Oicy und Nanuk als Wohnh\u00f6hle eingerichtet werden kann. Und wenn die Winter auch in den h\u00f6heren Lagen von Dehland so warm werden, dass sich nicht mehr genug Eis bildet, dann f\u00e4llt Manfred bestimmt eine technische L\u00f6sung ein. Die Verpflegung sollte kein Problem sein. Nanuk finden Gefallen an pflanzlicher Nahrung, wie es aussieht, und f\u00fcr Carnivoren findet sich in den dehl\u00e4ndischen W\u00e4ldern und Gew\u00e4ssern immer genug Fleisch. Atti, du hast Recht! Sag mal\u201c, wandte er sich an Oicy, \u201em\u00f6chtest du denn bleiben?\u201c<br \/>\nZum ersten und zum letzten Mal in seinem Leben sah Kulle eine Eisb\u00e4rin weinen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Athabasca lag gem\u00fctlich inmitten einer blumen\u00fcbers\u00e4ten Fr\u00fchsommerwiese in B\u00e4renleben und lie\u00df sich die Sonne auf den braunen Pelz brennen. Die \u00fcberw\u00e4ltigenden D\u00fcfte um sie herum brachten sie zum Niesen. \u201eHatschep\u00fch!\u201c machte sie lautstark. 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