{"id":498,"date":"2013-08-19T17:40:04","date_gmt":"2013-08-19T15:40:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/?p=498"},"modified":"2019-11-14T19:54:59","modified_gmt":"2019-11-14T17:54:59","slug":"kulles-kurzer-krisen-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kayalbert.de\/baerdel\/2013\/08\/kulles-kurzer-krisen-kurs\/","title":{"rendered":"Kulles kurzer Krisen-Kurs"},"content":{"rendered":"<h4>Kulles grundlegende, leicht verst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung der gegenw\u00e4rtigen menschlichen Wirtschaftskrise, nicht nur f\u00fcr B\u00e4ren, sondern f\u00fcr alle Wesen von ein wenig geringem Verstand, in wenigen Paragraphen<\/h4>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.baerdel.de\/baerdel\/kulle2.jpg\" alt=\"PD Kulle\" width=\"663\" height=\"556\" \/><\/div>\n<p>\u00a71 Alle Lebewesen haben Bed\u00fcrfnisse. Der Mensch geh\u00f6rt zu den Lebewesen, hat also ebenfalls Bed\u00fcrfnisse. Die Grundbed\u00fcrfnisse eines jeden Lebewesens m\u00fcssen befriedigt werden, sonst stirbt es vor dem Ende seiner m\u00f6glichen Lebenszeit.<\/p>\n<p>\u00a72 Die meisten Lebewesen sorgen selbst f\u00fcr die Befriedigung ihrer Grundbed\u00fcrfnisse. Auch der Mensch hat das einst getan. Dann aber begann er, sich kr\u00e4ftig zu vermehren, und er musste sich den Lebensraum mit anderen Menschen teilen. Er begann auch, sich die Arbeit zu teilen: Er spezialisierte sich auf bestimmte Fertigkeiten. Einer backte zum Beispiel Brot, w\u00e4hrend der andere Tont\u00f6pfe herstellte, in denen man Suppe kochen konnte.<\/p>\n<p>\u00a73 Der Mensch, der Hunger auf Suppe hatte, ging zum T\u00f6pfer, der T\u00f6pfer, der Brot wollte, verhandelte mit dem B\u00e4cker: Wie viele Brote sind ein Topf?<\/p>\n<p>\u00a74 Oft fand der T\u00f6pfer keinen B\u00e4cker und der B\u00e4cker keinen T\u00f6pfer. Es war viel praktischer, sich auf ein Produkt zu einigen, das alle Hersteller als Gegenleistung f\u00fcr ihr Angebot akzeptierten und mit dem man selbst alles erwerben konnte, was man brauchte. Schafe zum Beispiel, oder H\u00fchner, Ziegen, Schweine: Fast jeder hatte ein Tier in seinem Hof. Oder Salz: Salz war ein kostbares Gut, und es lie\u00df sich leicht in kleine Einheiten teilen.<\/p>\n<p>\u00a75 Tiere m\u00fcssen gef\u00fcttert werden, sonst sind sie nichts mehr wert, Salz l\u00f6st sich auf, wenn es mit Wasser in Ber\u00fchrung kommt: Der Mensch suchte nach einem dauerhafteren Gegenstand, gegen den man alles tauschen konnte. Er fand ihn in Gestalt von Gold, Silber und Kupfer, die er in reiner Form oder als Erz aus der Erde holte. Edelmetalle wurden allgemeine Tauschmittel, man pr\u00e4gte M\u00fcnzen daraus und nannte sie Geld, und wer das Geld mit billigem Blei f\u00e4lschte, wurde mit dem Tode bestraft, denn das Geld hatte einen Wert, und auf den sollte sich jeder Mensch verlassen k\u00f6nnen. Nur die K\u00f6nige betrogen nach Herzenslust und kamen mit dem Leben davon, aber das war bei K\u00f6nigen ja schon immer so.<\/p>\n<p>Das Verfahren wurde Jahrtausende lang angewendet, und in diesen Jahrtausenden wurden Reiche gegr\u00fcndet und gingen Reiche unter, und die Menschen verwandelten die Erde in einen Menschenplaneten, und sie gewannen Kenntnisse, aber nicht viel an Erkenntnis, was sich daran festmachen l\u00e4sst, dass sie immer brutalere Kriege gegeneinander f\u00fchrten.<\/p>\n<p>\u00a76 In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts f\u00fchrte der gro\u00dfe Staat USA einen brutalen und teuren Krieg gegen das Volk des kleinen Staates Vietnam. F\u00fcr diesen Krieg brauchten die USA mehr Geld, als sie Edelmetalle hatten. Die Regierung zog daraus aber nicht die logische Konsequenz, den Krieg zu beenden, sondern erkl\u00e4rte ihren eigenen B\u00fcrgern und allen anderen Menschen, dass der Wert des Geldes der USA ab 1971 nicht mehr durch Edelmetalle gesichert sei. Die Regierungen der anderen Staaten fanden das praktisch und machten es den USA nach. Mit dem wertlosen Geld der verschiedenen Staaten begann an neu eingerichteten Devisenb\u00f6rsen ein lebhafter Handel.<\/p>\n<p>\u00a77 Eine wahre Geldexplosion setzte ein: Die Zentralbanken der Staaten druckten freudig immer mehr Geldscheine. Die Gesch\u00e4ftsbanken dr\u00e4ngten ihren Kunden Kredite auf, um durch die R\u00fcckzahlung der Schulden selbst mehr Geld zur Verf\u00fcgung zu haben. Die Investmentbanken, die eigentlich au\u00dfer sich selbst keine Kunden haben und denen es nur darum geht, aus Geld sehr viel mehr Geld zu machen, erfanden daf\u00fcr immer neue Gl\u00fccksspiele, die sie als \u201eHandel mit Derivaten\u201c bezeichneten.<\/p>\n<p>\u00a78 Nicht nur die Kunden der Gesch\u00e4ftsbanken gaben Geld aus, das sie nicht hatten. Die Regierungen der Staaten handelten ebenso und h\u00e4uften im Lauf der Jahre einen gigantischen Schuldenberg auf die Schultern ihrer B\u00fcrger.<\/p>\n<p>\u00a79 Seit das Geld der Menschen keinen objektiven Wert mehr hat, hat es nur noch einen subjektiven. Wenn die Menschen glauben, dass es sich lohnt, viel davon zu besitzen, kaufen sie mehr davon: Die Nachfrage steigt, und mit der Nachfrage steigt der Preis. Wenn sie am Wert des Geldes zweifeln, verkaufen sie es: Die Nachfrage bricht ein, und ohne Nachfrage f\u00e4llt der Preis in den Keller.<\/p>\n<p>\u00a710 Als deutlich wurde, dass die mittellosen Kunden der Gesch\u00e4ftsbanken ihre ihnen aufgedr\u00e4ngten Kredite nie w\u00fcrden zur\u00fcckzahlen k\u00f6nnen und dass die Gl\u00fccksspiele der Investmentbanken nichts anderes sein konnten als ein Nullsummenspiel, verkauften die Menschen ihre Beteiligungen an den Banken. Die Banken waren bankrott.<\/p>\n<p>\u00a711 Die Banken durften aber nicht bankrott sein, beschlossen die Regierungen. Wenn es die Banken nicht mehr gab, bei wem sollten sie selbst k\u00fcnftig Schulden machen, um ihre B\u00fcrger bei Laune zu halten und die n\u00e4chsten Wahlen zu gewinnen? Au\u00dferdem wussten die Regierungen, dass viele B\u00fcrger ihr erspartes Geld den Banken anvertraut hatten. Diese Einlagen durften nicht verloren sein, wollte man den sozialen Frieden bewahren.<\/p>\n<p>\u00a712 Die Regierungen retteten also ihre Banken und andere Regierungen, die noch mehr Schulden gemacht hatten als sie selbst. Weil es an Geld mangelte, senkten sie die Zinsen und lie\u00dfen neues Geld drucken.<\/p>\n<p>Das Vertrauen der Menschen in den Wert des Geldes nahm wieder zu. Sie wollten mehr davon haben.<\/p>\n<p>Das letzte Wort soll mein gesch\u00e4tzter Kollege Paul Sweezy haben:<\/p>\n<p>\u201eWir sehen nun genau wieso, obwohl jeder die zunehmend abscheulicheren Exzesse der finanziellen Explosion bedauert, nichts passiert \u2013 oder gar ernsthaft vorgeschlagen wird \u2013 um sie unter Kontrolle zu bringen. Das Gegenteil ist der Fall: Jedes Mal, wenn eine Katastrophe droht, springen die Autorit\u00e4ten bei, um das Feuer zu l\u00f6schen \u2013 und versch\u00fctten w\u00e4hrend dessen noch mehr Benzin f\u00fcr das n\u00e4chste Auflodern der Flammen. Der Grund hierf\u00fcr ist einfach der, dass, wenn die Explosion unter Kontrolle gebracht w\u00fcrde&#8230; die gesamte \u00d6konomie ins Chaos st\u00fcrzte. Die Metapher von dem Mann, der einen Tiger reitet, trifft diesen Prozess haargenau.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulles grundlegende, leicht verst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung der gegenw\u00e4rtigen menschlichen Wirtschaftskrise, nicht nur f\u00fcr B\u00e4ren, sondern f\u00fcr alle Wesen von ein wenig geringem Verstand, in wenigen Paragraphen \u00a71 Alle Lebewesen haben Bed\u00fcrfnisse. Der Mensch geh\u00f6rt zu den Lebewesen, hat also ebenfalls Bed\u00fcrfnisse. 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